Wer waren die Teilnehmer der Besuchergruppe vom Bodensee? Und was wirft das für ein Licht auf den AfD-Kreisverband, wenn Teilnehmer einer Gruppe aus dem Wahlkreis von Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel in einer KZ-Gedenkstätte offenbar mit rechter Hetze provozieren? Antworten auf diese Fragen konnten oder wollten weder der Kreisvorsitzende noch der Stellvertreter der AfD im Bodenseekreis geben. Beide waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch Anfragen an Teilnehmer der Besuchergruppe blieben bislang unbeantwortet.

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Widersprüchliche Aussagen

Hans Hausberger, Beisitzer im AfD-Kreisvorstand, erklärte auf Anfrage zu den Vorfällen: „Wenn das tatsächlich stimmt, wäre das natürlich nicht schön.“ Er kenne den Sachverhalt noch nicht ausreichend, um ihn bewerten zu können. Die Aussagen zum Vorfall in Sachsenhausen seien derzeit widersprüchlich. Eine Teilnehmerliste der Besuchergruppe vom Bodensee liegt dem AfD-Vorstandsmitglied eigenen Angaben zufolge inzwischen vor. „Ich kenne davon viele persönlich nicht und muss daher selbst erst recherchieren, woher diese Bürger stammen“, betonte Hausberger. Er habe bereits versucht, zahlreiche Teilnehmer telefonisch zu erreichen, um sich ein Bild machen zu können. Erst in den kommenden Tagen könne er dazu allerdings mehr sagen.

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Keine Bewertung von Vorstandsmitgliedern

Auch Brigitte Hinger, Schatzmeisterin der AfD im Bodenseekreis, wollte den Vorfall nicht bewerten, weil sie selbst nicht vor Ort war. Ein Sprecher der Gedenkstätte hatte davon berichtet, dass die Gruppe am 10. Juli gleich zu Beginn der Führung auffällig geworden sei. Teilnehmer hätten mehrfach Tatsachen zum NS-Massenmord in Zweifel gezogen. „Ich habe selbst nur von entsprechenden Äußerungen einer Person gehört“, sagte Brigitte Hinger und fügte hinzu: „Ich weiß aber weder, wer das war, noch, was gesagt wurde.“

AfD-Schatzmeisterin warnt vor Verallgemeinerungen

Sie warne jetzt allerdings dringend vor Verallgemeinerungen, sagte Hinger. Es müsse sich erst noch zeigen, ob es überhaupt einen Bezug zur AfD gebe. Schließlich sei es bei einer solchen Veranstaltung nicht Voraussetzung, Mitglied der AfD zu sein. „Es ist natürlich auch in unserem eigenen Interesse, diesen Vorfall zu klären“, sagte die AfD-Schatzmeisterin gegenüber dem SÜDKURIER.

Wahlkreis von Alice Weidel

Alice Weidel, die Gastgeberin der umstrittenen Besuchergruppe, war 2016 bei der Landtagswahl zum ersten Mal für den Wahlkreis 67 (Bodensee) angetreten. Im Bodenseekreis erreichte die AfD damals 12,41 Prozent der Stimmen, für Kandidatin Alice Weidel reichte es nicht für den Einzug ins Landesparlament. Ein Jahr später trat sie als Direktkandidatin des Wahlkreises Bodensee an und schaffte den Sprung in den Bundestag.