Bruno Dobelmann hat es geschafft, obwohl es am Samstagmorgen zuerst danach aussah, als würde das Wetter den als Orca bekannten Extremschwimmer wieder einmal im Stich lassen. „Der Föhnsturm war extrem heftig und brachte zu viele Wellen mit sich, sodass ich bald wieder aus dem See heraus musste“, erzählt Bruno Dobelmann. Besser war es am Freitagabend gelaufen. Da war es ihm gelungen, den ersten Kilometer zu schwimmen.

Sein Ziel war es, innerhalb von 24 Stunden fünf sogenannte Eismeilen zu schwimmen, das sind rund acht Kilometer im fünf Grad kalten Bodensee vor Nonnenhorn. „Ich hoffe aber, dass es mir bis Sonntag gelingt, insgesamt rund sechs bis sieben Meilen zu schwimmen“, erzählte er am Samstagnachmittag. „Nach dem Föhnsturm war das Wasser zwar viel kälter, aber ich will am frühen Samstagabend, wenn es geht, noch mal rund 40 Minuten lang schwimmen, also etwa zwei Kilometer“, so Dobelmann. Zur Absicherung wurde Dobelmann von einer Mannschaft der Wasserwacht Nonnenhorn mit einem Motorboot begleitet.

Als er am Samstag nach der ersten Runde aus dem Wasser stieg, lag die Außentemperatur zwar bei lauschigen 18 Grad, trotzdem zitterte Dobelmann am ganzen Körper und seine Körpertemperatur war auf knapp über 35 Grad gesunken. Die Wassertemperatur betrug etwa 4,2 Grad. Trotz wärmender Decke und einer Wärmflasche im sehr gut geheizten Haus der Nonnenhorner Wasserwacht schlotterte Dobelmann unaufhörlich weiter, während Professor Beat Knechtle Blut abnahm und seine Temperatur kontrollierte. „Die Blutabnahme am Ohr ist schmerzhafter als das Schwimmen“, so Dobelmann.

Bruno Dobelmann beim Medizincheck mit dem Schweizer Professor Beat Knechtle (rechts), nachdem Dobelmann rund 1,9 Kilometer im etwa fünf Grad kalten Bodensee geschwommen ist.
Bruno Dobelmann beim Medizincheck mit dem Schweizer Professor Beat Knechtle (rechts), nachdem Dobelmann rund 1,9 Kilometer im etwa fünf Grad kalten Bodensee geschwommen ist. | Bild: Susanne Hogl

Laut Mediziner Knechtle ist der Orca mit seinem exotischen Hobby ein Glücksfall. „Ich kenne sonst weltweit niemanden, der sich freiwillig für so eine Studie zur Verfügung stellt. Wir erhoffen uns durch eine lange Beobachtungszeit interessante Erkenntnisse darüber, was im Körper wirklich passiert, wenn er so lange Zeit extremen Bedingungen ausgesetzt ist“, erklärte Knechtle. In einem sind sich die beiden aber schon jetzt einig, einfach im Winter in eine Badehose zu schlüpfen und sich dann in den eisigen Bodensee zu stürzen, davon raten sie dringend ab. „Diese Art zu schwimmen würden wir nur extrem Fortgeschrittenen empfehlen, so Dobelmann und Knechtle.

Der 57-jährige Dobelmann hat zwar jetzt schon wieder einen neuen Rekord in der Tasche, aber bereits wieder große Pläne. „Ich will zwar jetzt erst einmal eine längere Pause machen, kann mir dann aber vorstellen, eine größere Strecke in der Ostsee zu schwimmen“, so Dobelmann. Es sieht so aus, als käme der Orca von seinem eisigen Element auf Dauer wohl doch nicht los.