Ein ganz besonderes, mit Sicherheit ziemlich eisiges Erlebnis erwartet fünf Männer und eine Frau. Am Samstag starten sie in Hamburg als Team Schwabenstahl-Volvo-Power bei der Rallye Baltic Sea Circle. Vor ihnen liegen 7500 Kilometer – ohne Anreise vom Bodensee – durch zehn Länder.

Bild: Ellen Knopp

Über Stockholm und die Lofoten führt die Rallye zum Nordkap. Über Finnland, das russische St. Petersburg, das Baltikum und Polen geht es zurück nach Hamburg. Und das mit Autos der Marke „Old School“, das heißt, sie sind mindestens 15 Jahre alt. Die drei Volvos des Teams Schwabenstahl haben sogar schon 20 Jahre auf dem Buckel. Technisch auf Vordermann gebracht, mit neuen Winterreifen ausgestattet und mithilfe eines doppelten Bodens zum rollenden Hotel umgebaut, werden sie für 16 Tage das Zuhause der sechs Rallye-Fahrer sein. Ohne Navi, ohne Autobahn, ohne GPS – nur mit Karte, Kompass und jeder Menge Abenteuerlust wollen sie den Norden Europas erobern.

Polarlichter, Sauna und Rentiere

Tanja Zwerger aus Oberteuringen reizt, dass es sich bei der Rallye um eine ganz andere Art von Urlaub handelt. „Da kommt man komplett raus aus der Komfortzone und die Gedanken sind ganz woanders, als im Alltag.“ Sie weiß, wovon sie spricht, war sie 2016 doch mit drei weiteren Teammitgliedern bereits bei der Allgäu-Orient-Rallye dabei. „Da waren wir auf Wüstensand unterwegs. Jetzt schauen wir, wie es in der Kälte klappt“, sagt die 31-Jährige.

Das Team ist bereit für die anstehende Rallye.
Das Team ist bereit für die anstehende Rallye. | Bild: Patrick Zwerger

Sie gehe davon aus, dass die Herausforderung noch eine Stufe höher sein werde. „Aber einfach kann jeder.“ Mit Ausnahme von Stefan Theis aus Illmensee war noch keiner der sechs in Skandinavien. „Ich war bisher auch nur südlich des Polarkreises und das im Sommer“, sagt Theis, der zum ersten Mal eine Rallye fährt. Ebenso wie die anderen reizen auch ihn die zu erwartenden Polarlichter, die finnische Sauna und natürlich die Rentiere.

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Wochenlang haben die Ingenieure mit Schraubertalent an den Autos gewerkelt. Als Geisteswissenschaftler ist Patrick Zwerger in erster Linie für den Blog zuständig. „Die größte Baustelle war ein neues Getriebe für ein Allradfahrzeug“, berichtet Stefan Theis. 500 bis 600 Kilometer wird das Team Schwabenstahl täglich zurücklegen – im günstigsten Fall auf trockenem Asphalt, aber mit ziemlicher Sicherheit auch auf geschlossener Schneedecke und auf eisiger Schlaglochpiste. Zur Sicherheit werden die Fahrer Schneeketten und eine Abschleppstange mitnehmen. „Aber wir sind sehr sicher, dass die Autos durchhalten“, sagt Tanja Zwerger.

Vorfreude auf den Rallyestart am 23. Februar in Hamburg (von links): Christoph Wößner, Stefan Theis und Tanja Zwerger gehören zum Team Schwabenstahl-Volvo-Power".
Vorfreude auf den Rallyestart am 23. Februar in Hamburg (von links): Christoph Wößner, Stefan Theis und Tanja Zwerger gehören zum Team Schwabenstahl-Volvo-Power". | Bild: Claudia Wörner

Investiert haben die Nordkap-Fahrer in dicke Winterjacken und sehr gute Schlafsäcke mit einer Komfortzone von 20 Grad Minus. "Auch die Volvos haben wir gut gedämmt, sodass wir nachts eigentlich kein Problem haben sollten", hofft Christoph Wößner aus Immenstaad. Skihosen und dicke Pullis sollen tagsüber warm halten. Seine Eltern hätten trotzdem Angst, dass er unterwegs erfrieren könne. "Wir wollen viele Dinge einfach auf uns zukommen lassen und nicht zu viel planen", betont Rallye-Neuling Wößner. Bis auf Stefan Theis, der für den Notfall ein paar Dosen Wurst einpacken will, möchten die Teammitglieder die lokale Küche vor Ort testen.

Zur Not Beifahrer wechseln

Die Reaktionen im Familien- und Bekanntenkreis würden in Sachen Baltic Sea Circle zwischen Unverständnis und Desinteresse schwanken, berichtet Theis. Nur seine Schwester sei begeistert. In Sachen Gruppendynamik sind die Teammitglieder entspannt und ohne Bedenken. Wößner geht eher davon aus, dass die Extremerfahrung die Gruppe noch mehr zusammenschweißen wird. "Zur Not kann man ja mal den Beifahrer wechseln", meint Tanja Zwerger. Als einzige Frau unter Männern hätte sie auch bei der ersten Rallye keinerlei Problem gehabt.

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Nun sind alle gespannt, was auf sie zukommt. Am Freitag, zum Teil nach einem halben Arbeitstag, fahren sie zum Start nach Hamburg. Dort bekommt das Team ein Roadbook mit den Stationen. Wer ambitioniert ist, kann unterwegs auch Aufgaben lösen. "Wenn sie Spaß machen, sind wir dabei. Ansonsten ist für uns der Weg das Ziel", sind sie sich einig.