Ein Mann bricht im Supermarkt zusammen, der Kassierer ruft den Notarzt. Eine Minute später stürmt eine Frau in den Markt, die drei Straßen weiter beim Einkaufen war. Sie arbeitet beim Deutschen Roten Kreuz, ist eigentlich nur privat in der Stadt unterwegs. Sie übernimmt die Herzdruckmassage und rettet dem Mann damit das Leben.

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Wenige Minuten später kommen die Einsatzkräfte an und übernehmen die medizinische Versorgung. Der Vorfall ist zwar ein erfundenes Szenario, doch eine Frage bleibt: Wie konnte die Helferin wissen, dass es hundert Meter von ihrem Standort entfernt einen medizinischen Notfall gibt? Die Antwort liefert Robert Hohl. Er ist für den Einsatzdienst und die Organisation der Rettungswachen verantwortlich und Projektleiter für die App "Bosretter".

Über GPS geortet und alarmiert

Die Lebenretter-App ist seit Ende August im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg in Betrieb, im Optimalfall funktioniert sie wie im Beispiel. Robert Hohl erklärt: "Geht in der Leitstelle ein Anruf wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstands ein, alarmieren wir alle Rettungswägen in der Nähe. Bei einem solchen Fall geht es um Minuten. Durch die App alarmieren wir gleichzeitig Hilfskräfte, die in der Nähe des Notfalls sind." Die Leitstellen lösen den Hilferuf über die App nur in lebensbedrohlichen Situationen aus – dann muss es schnell gehen. Die registrierten App-Nutzer werden in einem Zwei-Kilometer-Radius durch die GPS-Daten ihrer Smartphones geortet und alarmiert.

Navigation weist Weg zum Einsatzort

In einer Übersicht sieht der Ersthelfer Details zur Rettung: Wo ist der Einsatzort? Wann wurde der Alarm ausgelöst? Wie weit bin ich entfernt? Und natürlich: Um was für einen Notfall handelt es sich? Wird der Einsatz angenommen, weist eine Navigation den Weg zum Notfall-Standort. Dazu gibt es konkrete Informationen zum Zustand des Patienten. Ist der Retter am Ziel angekommen und leitet eine Erstversorgung ein, ist das Ziel von "Bosretter" erfüllt: Der Patient wird in der Zeit zwischen dem eingehenden Notruf und dem eintreffenden Rettungspersonal optimal versorgt – durch einen geschulten Ersthelfer.

Bislang 93 Nutzer registriert

Denn: Nicht jeder kann sich bei "Bosretter" anmelden und zum Lebensretter werden. Robert Hohl sagt: "Wir wollen es professionell halten. Wir haben den Anspruch, dass sich die Nutzer regelmäßig fortbilden." Deshalb wird die Freigabe zur Anmeldung nur an DRK-Mitarbeiter oder ehrenamtliche Helfer des Rettungsdienstes vergeben. Aktuell sind 93 Nutzer registriert.

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Bisher nutzen die DRK-Rettungskräfte aus dem Bodenseekreis und aus dem Landkreis Ravensburg das Alarmiersystem für Mitarbeiter in Zivil. Die DRK-Leitstelle im Landkreis Sigmaringen soll noch dazu kommen, auch ein deutschlandweiter Einsatz ist vorstellbar, erklärt Robert Hohl. "Wir würden natürlich bei Interesse die Mitarbeiter anderer Hilfsorganisationen, wie beispielsweise der Feuerwehr, hineinnehmen."

App ersetzt Alarmierung per SMS

Die Idee zur Lebensretter-App entstand vor rund eineinhalb Jahren – beim DRK Rettungsdienst Bodensee-Oberschwaben. Die Kreisverbände zeigten sich offen, eine Firma aus Berlin wurde mit der Programmierung beauftragt.

So sieht die App zum Lebenretten aus: Die Bereitschaft ist auf dem Smartphone aktiviert, jetzt wird der Helfer im Notfall alarmiert.
So sieht die App zum Lebenretten aus: Die Bereitschaft ist auf dem Smartphone aktiviert, jetzt wird der Helfer im Notfall alarmiert. | Bild: Julian Kares

Die Arbeit mit der App bietet auch einen finanziellen Vorteil. "Bei einem lebensbedrohlichen Notfall, wie bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, alarmieren wir die Helfer-vor-Ort-Gruppen. Sie bekommen die Informationen zum Einsatz per SMS. Das kostet einiges an Geld. Wir wollten die SMS mit der App ablösen", sagt Robert Hohl, der acht Jahre lang in der hausinternen IT gearbeitet hat.

Jede Sekunde zählt

Die Rettung des DRK wird daher mit "Bosretter" digitaler, einfacher und großflächiger. Nun erhalten nicht nur die Mitarbeitern in den Helfer-Gruppen, die schnell am Einsatzort sein können, eine Nachricht. Bei jedem angemeldeten Nutzer im Umkreis vom zwei Kilometern klingelt das Smartphone. Und dann zählt jede Sekunde.

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