Es ist ruhig geworden um das anfangs verpönte Aushängeschild der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), die „Echt Bodensee Card“ (EBC). Nach dem Fehlstart der neuen Gästekarte 2017 haben sich die Wogen in diesem Jahr geglättet.

Iris Stegmann, DBT-Geschäftsführerin seit März, hat keine Sorgen mehr, dass das Projekt EBC als Kurtaxe-finanzierte Gästekarte kippt. Für 2019 zieht sie ein „durchweg positives“ Fazit. Wohl wissend, dass noch viel Arbeit auf sie und ihre inzwischen acht Mitarbeiter wartet. „Das Projekt hat nach wie vor viele Kritiker“, gibt die Tourismus-Fachfrau aber auch zu.

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Hagnau stößt 2020 als zehnte Gemeinde dazu

2020 kommt mit Hagnau eine weitere Gemeinde als EBC-Anbieter hinzu. Im nächsten Jahr ist die Gästekarte dann in zehn Gemeinden mit rund 1,5 Millionen Übernachtungen verfügbar.

Wer als Gast in diesen zehn Gemeinden übernachtet, zahlt im Schnitt 1 Euro mehr Kurtaxe, kann dafür aber kostenlos im Bodo-Verbundgebiet Bus und Bahn fahren. Eine Leistung, die die Urlauber laut Iris Stegmann bei den Gastgebern immer stärker nachfragen. Und dafür sorgen, dass immer mehr Autos der Touristen an der Ferienwohnung oder am Hotel stehen bleiben.

Kommt Überlingen doch noch?

Für Iris Stegmann ist es kein Beinbruch, dass im nächsten Jahr nur ein Ort mehr dabei ist. „Es tut dem Projekt gut, langsam zu wachsen“, sagt sie. Freilich sind die Bemühungen groß, vor allem die touristischen Schwergewichte ins Boot zu holen.

Im Bodenseekreis entfielen auch 2018 allein auf Friedrichshafen und Überlingen knapp die Hälfte aller 3,3 Millionen Übernachtungen von Touristen in Betrieben mit mehr als zehn Betten. Die Hoffnung war und ist wohl immer noch groß, dass Überlingen bereits nächstes Jahr die EBC einführt, zumal hier im April die Landesgartenschau beginnt.

Lindau signalisiert bereits Interesse für 2021

Ausschließen möchte es Iris Stegmann jedenfalls nicht, dass Überlingen sich doch noch für die ÖPNV-Gästekarte entscheidet. „Dann würden wir Gas geben, damit das noch klappt“, sagt sie. Lindau habe bereits großes Interesse signalisiert, im Jahr 2021 dazuzukommen. Dann findet auf der Insel die bayrische Landesgartenschau statt.

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Gäste überwiegend zufrieden

Rückenwind bekommt die EBC durch eine Gästebefragung, die „sicher nicht repräsentativ ist“, bekennt Iris Stegmann, aber ein gutes Stimmungsbild der Urlauber wiedergebe. Bis Ende Oktober erhielt die DBT 818 ausgefüllte Fragebogen zurück. „70 Prozent der Gäste gaben an, dass sie den ÖPNV genutzt haben“, freut sich Stegmann. Und sogar 88 Prozent fänden es gut, dass man mit der EBC-Gästekarte Bus und Bahn gratis nutzen kann – wenn denn die Busse zu Stoßzeiten nicht zu voll sind. „Gerade auf der Seelinie gab es Rückmeldungen, dass Gäste nicht mehr mitgenommen wurden“, sagt Iris Stegmann.

In Meersburg endet die Gratisfahrt

Kritisch reagierten Urlauber laut Umfrage auch darauf, dass mit der EBC am Meersburger Fähranleger die Gratisfahrt endet. Im Städteschnellbus gilt das Ticket nicht, und Konstanz gehört nicht mehr zum Bodo-Verbundgebiet.

Gespräche über eine „grenzüberschreitende“ Zusammenarbeit mit dem Nachbar-Verkehrsverbund VHB liefen permanent, bestätigt Iris Stegmann – bisher ohne Erfolg. Urlauber wünschten aber, mit der Gästekarte auch über den See zu kommen. Große Rabatte für die Kursschiffahrt seien mit der EBC nicht drin.

Kommendes Jahr Vergünstigungen bei rund 200 Partnern

Zwar zählt die DBT als Kartenbetreiber im nächsten Jahr rund 200 Partner zum Pool derer, die den Gästen mit EBC kleine Vergünstigungen oder Mitbringsel gewähren. 2020 sind beispielsweise die Mainau, Seemax-Outlet in Radolfzell und eben die österreichische und Schweizer Kursschifffahrt neu dabei.

Bei diesen Partnerschaften geht es aber eher um die gegenseitige Vermarktung. So bekommen Mainaubesucher mit EBC eine Tüte Blumensamen geschenkt. Als Gegenleistung wird die Blumeninsel im EBC-Reiseführer mit großer Auflage gratis mit aufgenommen.

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Mancherorts bremsen kritische Vermieter Einführung aus

Vor allem bei Gastgebern sei noch Überzeugungsarbeit nötig, so Stegmann. Mancherorts bremsen kritische Vermieter die Einführung der EBC, die im Rathaus erwünscht ist, noch aus. „Wir haben erstmals allen Gastgebern angeboten, mit einer Schnupper-EBC für zwei Personen den ÖPNV zu testen.“ Rund 100 Vermieter hätten davon Gebrauch gemacht, weshalb die Aktion im nächsten Sommer wiederholt werden soll. Iris Stegmann weiß, dass die DBT die Gastgeber mitnehmen muss, wenn die Akzeptanz weiter steigen soll.

Vom Papier- zum Handyticket

Dafür ist vor allem eins wichtig: „Keine komplizierten Lösungen mehr“, sagt die DBT-Chefin. Von einer Weiterentwicklung der Chipkarte, mit der die Einführung der EBC 2017 floppte, redet heute keiner mehr. „Es läuft auf das Handyticket hinaus.“ Momentan sei der QR-Code auf der Papierkarte nur ein Platzhalter.

Im nächsten Schritt soll damit das Ticket digital lesbar werden. So einfach, wie das klingt, ist es aber nicht, auch wenn Bodo die nötigen Terminals bereits in den Bussen und an den Bahnsteigen hat. Aktuell arbeiten die EBC-Gemeinden mit fünf verschiedenen Gästekarten-Anbietern zusammen.

EBC-Beitrag pro Gast und Nacht bis Ende 2020 festgeschrieben

Auch finanziell sieht Iris Stegmann mit der EBC wieder Land. Wenn nur eines der drei touristischen Schwergewichte dazustoße, trage sich die Karte, sagt sie. Bis Ende 2020 ist der EBC-Beitrag von 1 Euro je Gast und Übernachtung festgeschrieben. 2021 werde Bodo seinen Preis von derzeit 75 Cent erhöhen, kündigt sie an. Der DBT-Anteil von 25 Cent, den die Gemeinden tragen müssen, ist bis Ende 2023 festgezurrt.

Was die DBT sonst noch macht

Die EBC-Gästekarte ist nur eine Aufgabe der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT). Hier ein Auszug weiterer Projekte:

  • Neuer Partner für Buchungsplattform: Den Vertrag mit dem Buchungsportal-Riesen HRS hat die DBT gekündigt. Viele Gastgeber hatten moniert, dass potenzielle Urlauber mit ihrer Suche nach einer Unterkunft am Bodensee von der EBC-Seite schnell auf anderen Seiten und so auch bei anderen Destinationen landeten. Neuer Partner ist die Lohospo GmbH. Aktuell sind rund 300 Angebote aufgeschaltet. „Das ist ausbaufähig“, sagt Iris Stegmann. Das Angebot stehe allen Gastgebern offen. Auch hier müssen sie 15 Prozent Provision bei jeder Buchung zahlen, sind damit aber auch auf anderen Lohospo-Portalen online buchbar.
  • 50 Selfie-Punkte: Bei der Tourismusmesse CMT will die DBT eine neue Kampagne starten. In 25 Orten am See wurden auf dem Boden an rund 50 Standpunkten Stellen markiert, die für ein gutes Selfie taugen. Diese „Selfie Points“ weisen so auf markante Orte mit Sehenswürdigkeiten oder interessanten Blickwinkeln hin.
  • Bodensee auch im Winter schön: Stichwort Saisonverlängerung: Auf Wunsch der Gemeinden am Bodensee will die DBT attraktive Aktionen und Angebote im Herbst und Winter in der Region im nächsten Jahr herausstellen und bekannter machen.
  • Gastgeber schulen: Die DBT hat nach Aussage von Iris Stegmann Angebot und Qualität ihrer Beratung für Gastgeber zum Thema Vertrieb weiter ausgebaut, auch für „kleine“ Vermieter.

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