Heute Nachmittag entscheidet der Kreistag über Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr im Bodenseekreis. Ein wesentlicher Punkt betrifft die Seebuslinie zwischen Friedrichshafen und Überlingen. Die könnte bereits mit Beginn der Landesgartenschau 2020 in Überlingen im 15-Minuten-Takt bedient werden, schlägt die Kreisverwaltung vor. Allerdings nur dann, wenn sich die Stadt an der „Echt-Bodensee-Card“ (EBC) beteilige.

Vorschlag war nicht abgestimmt

Diese Kopplung von Preis und Leistung hat die Verwaltungsspitze im Überlinger Rathaus allerdings kalt erwischt. „Der Vorschlag war nicht abgestimmt“, erklärt eine Sprecherin von Oberbürgermeister Jan Zeitler auf Anfrage des SÜDKURIER. Insofern erscheine es fragwürdig, dass der Kreistagsbeschluss vom Handeln der Großen Kreisstadt abhängig sein soll. Landrat Wölfle habe OB Zeitler am 6. November per Mail lediglich darüber informiert, „dass er in einem zügigen EBC-Beitritt der Stadt Überlingen eine Gegenfinanzierung für die erhöhte Taktung sehen würde“, heißt es weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mündlich habe OB Zeitler dem Landrat daraufhin mitgeteilt, dass eben dieser zügige Beitritt derzeit nicht möglich sei, weil zuvor die Überlinger Gremien darüber beraten und beschließen müssen. Auch ein Viertelstunden-Takt auf der Seelinie, der sicher wünschenswert sei, könne die Beratung im Gemeinderat nicht ersetzen. Der soll sich aber erst im Februar 2020 mit der EBC befassen. Ein Kreistagbeschluss heute würde die Überlinger zwangsläufig unter Druck setzen, die bisher verschmähte ÖPNV-Gästekarte einführen zu müssen, um nicht als Verhinderer eines Top-Angebots auf der Seelinie bereits im nächsten Jahr dazustehen.

Zuschuss von 430.000 Euro nötig

Die Kreisverwaltung argumentiert laut Vorlage, dass der Viertelstundentakt auf der Seelinie nur in den Sommermonaten ohne öffentliche Zuschüsse auskäme, weil Einnahmen aus der EBC-Gästekarte einfließen. Für einen Ganzjahresbetrieb müsste der Landkreis bis zu 430.000 Euro zuschießen. Für das Überlinger Rathaus stimmt die Rechnung aber nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Finanzierbarkeit einer erweiterten verkehrlichen Erschließung des EBC-Gebietes kann nicht vom Beitritt einer einzelnen Stadt zur EBC abhängig sein“, heißt es in der Stellungnahme. Schließlich gibt es mit Friedrichshafen oder Meersburg weitere Städte, die die EBC nicht eingeführt haben. Bevor man sich in Überlingen erneut über einen EBC-Beitritt unterhalte, seien Ergänzungen zum Solidarbeitrag und zu den Mitbestimmungsrechten in der Kooperationsvereinbarung wünschenswert.