Seit gut einer Woche ist sie zu haben; in sieben Wochen wird das System gestartet. Dann kann jeder Inhaber einer E-Card mit Bus und Bahn fahren, die im Bodo-Verbundgebiet im Nahverkehr unterwegs sind, ohne Geld oder Geldkarte zücken oder ein Papierticket kaufen zu müssen. Wenn alle 550 Busse und 60 Bahnhaltestellen mit den Kartenleseterminals ausgerüstet sind, kommt die E-Card mit dem Fahrplanwechsel ab 10. Dezember zum Einsatz.

 

  1. Wo gilt die E-Card? Derzeit in den Landkreisen Ravensburg und Bodenseekreis und hier auch in allen Stadtverkehren, allerdings nicht in Fernverkehrszügen wie IC oder EC. Ab dem 1. Januar gehört auch der Landkreis Lindau zum Bodo-Verbundgebiet.
  2. Wie funktioniert die E-Card? Im Bus hält man die Karte beim Ein- und Aussteigen an das Terminal. Ein Signalton und die Anzeige im Display bestätigen den erfolgreichen Check-in. So meldet sich der Fahrgast an und wieder ab (siehe Bilder), danach wird später der Fahrpreis berechnet. Auf dem Bahnhof erfolgen Check-in und Check-out am Bahnhof, nicht im Zug. Beim Umsteigen meldet sich der Fahrgast in jedem Verkehrsmittel an und wieder ab.
  3. Was passiert, wenn der Fahrgast vergisst, sich beim Aussteigen am Terminal abzumelden? "Das kann natürlich passieren", beruhigt Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler, gerade bei solch einem neuen Angebot. Dann bekommt der Fahrgast eine E-Mail von Bodo und wird aufgefordert nachzumelden, an welcher Haltestelle er den Check-out vergessen hat. "Dann tragen wir das nach." Passiert das vier Mal oder öfter in einem Monat ohne nachvollziehbare Erklärung, behält sich Bodo aber vor, dass beim nächsten vergessenen Check-out der Tageshöchstpreis angesetzt wird.
  4. Und wenn das Terminal nicht funktioniert? Dann bleibt nur, beim Fahrer im Bus oder am Automaten am Bahnsteig ein herkömmliches Papierticket zu kaufen – falls man nicht einer der rund 3000 Nutzer der Bodo-App fürs Handyticket ist. Wer den Papierfahrschein dann bei der Bodo-Geschäftsstelle einreicht, bekommt nachträglich die für E-Card-Nutzer vereinbarte Gutschrift von zehn Prozent (bis zu 19 Fahrten pro Jahr) oder 20 Prozent (für jede Fahrt darüber hinaus).
  5. Was kostet die E-Card? Die Kartengebühr beträgt einmalig 2 Euro, weitere Kosten gibt es nicht.
  6. Wie funktioniert die Abrechnung? Jeder E-Card-Besitzer erhält ein Kundenkonto und entscheidet, mit welchem Betrag – wenigstens 15 Euro – es aufgeladen wird. Dieser Betrag wird per Sepa-Lastschriftmandat vom persönlichen Bankkonto abgebucht. Alle in einem Monat absolvierten Fahrten werden im Folgemonat abgerechnet und der Betrag vom Kundenkonto abgebucht. Unterschreitet der Kontostand 5 Euro, wird der vereinbarte Aufladebetrag automatisch wieder auf dem Kundenkonto gutgeschrieben und steht somit wieder auf der E-Card zur Verfügung. Partner der E-Card-Abrechnung ist die Kreissparkasse Ravensburg. Jeder Nutzer erhält mit der Abrechnung auch eine detaillierte Aufstellung über seine Fahrten und den aktuellen Kontostand. Fahrten und Buchungen können auch im Kundenportal überprüft werden; hier loggt man sich mit der E-Card-Kundennummer und einem Passwort ein. Mit diesem System ist die E-Card übrigens übertragbar.
  7. Kann man die E-Card wieder kündigen? Ja, ohne Frist, allerdings nur auf dem Postweg. Danach kommt die Schlussabrechnung, die E-Card wird gesperrt und kann entsorgt werden. Eventuelles Guthaben wird dem persönlichen Bankkonto wieder gutgeschrieben.
  8. Welche Daten werden auf der Karte gespeichert? Auf der E-Card sind nach Angaben von Bodo keine persönlichen Daten wie Name und Wohnort oder die Bankverbindung des Nutzers gespeichert, sondern nur die letzten zehn Fahrten zu Prüfzwecken. Die E-Card sei sicher verschlüsselt nach dem Standard des E-Ticket Deutschland, so Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler. Die Daten werden in Deutschland gespeichert.
  9. Wo bekommt man die E-Card? Nur mit einem Bestellschein, den man im Internet unter www.bodo-ecard.de herunterladen kann. Den schickt man ausgefüllt per Post an die Bodo-Geschäftsstelle (Bahnhofsplatz 5, 88214 Ravensburg). Für die ersten 500 Besteller entfällt die Kartengebühr.

 

"Auf Chipkarte nur Daten speichern, die für Einsatzweck nötig sind"

Jens Ambrock ist Referent beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Die Antworten beruhen auf persönlichen Auffassungen.

Wie sicher sind aus Ihrer Sicht RFID-basierte Kartensysteme?

Karten mit RFID-Chip, wie die E-Card, nutzen einen ungesicherten Übertragungsweg. Das heißt, jeder, der ein Lesegerät besitzt und betreibt, kann die Daten aus allen Karten lesen, die in die Nähe des Geräts gelangen. Die maximale Entfernung zwischen Karte und Lesegerät liegt in der Regel bei wenigen Zentimetern, kann je nach Lesegerät im Einzelfall auch deutlich weiter sein. Karteninhaber können sich vor unbefugter Auslesung ihrer Karte schützen, indem sie sie in Alufolie einwickeln. Dann sind aber auch die Nutzervorteile der RFID-Karte nicht mehr gegeben, die ja gerade einen automatischen kontaktlosen Abgleich des Fahrgastes beim Einstieg in ein Verkehrsmittel ermöglichen soll.

Welche Daten darf ein Verkehrsunternehmen oder Betreiber einer Gästekarte auf solch einer Chipkarte speichern?

Die Chipkarte darf nur solche Daten enthalten, die zur Erfüllung ihres Einsatzzwecks notwendig sind. Wenn es sich um eine Tageskarte mit unbegrenzten Freifahrten handelt, müssen lediglich der Zeitraum und das Gebiet gespeichert sein, an beziehungsweise in dem die Karte gültig ist. Werden mittels der Karte einzelne Fahrten abgerechnet, muss hingegen nachvollziehbar sein, wer wann wo ein- und ausgestiegen ist. Diese Informationen müssen aber nicht auf der Karte hinterlegt sein. Die Karte muss dann nur eine eindeutige Kundennummer beinhalten, mittels derer das System den Fahrgast wiedererkennen kann. Die weiteren Daten zum Kundenkonto sind dann im System hinterlegt.

Ist es aus abrechnungstechnischen Gründen mit den am Verkehrsverbund beteiligten Unternehmen überhaupt notwendig, personalisierte Daten auf der Karte zu speichern?

Bei Flatrate-Tarifen ersetzt das automatische Auslesen den Blick des Kontrolleurs, der sich auch nur für die Gültigkeit der Fahrkarte zu interessieren hat und nicht nach dem Namen des Passagiers fragt. Insofern ist dann auch keine Personalisierung zulässig. Dient die Karte der Abrechnung von Einzelfahrten, kann auf personenbezogene Daten nicht vollständig verzichtet werden. In jedem Fall genügt es aber, eine Kennung wie zum Beispiel die Kundennummer auf der Karte zu speichern. Damit kann der Verkehrsverbund den Kartennutzer eindeutig identifizieren, während ein Dritter, der die Karte unbefugt ausliest, keinen Personenbezug herstellen kann.

Weitere persönliche Daten dürfen dann nicht gespeichert werden – insbesondere nicht der Name im Klartext oder in verkürzter Form.

Dürfen mit solchen Karten Bewegungsprofile erstellt werden? Was ließe sich mit solchen Daten anstellen?

Bewegungsprofile kann nur erstellen, wer mehrere Lesegeräte an verschiedenen Orten aufstellt. Dies betrifft vor allem die Verkehrsbetriebe, die solche Karten ausgeben. Zulässig ist das Anlegen von Bewegungsprofilen der Fahrgäste zunächst nur, soweit dies zur Abrechnung der einzelnen Strecken erforderlich ist. Darüber hinaus besteht vielfach Interesse an Ortsdaten, weil sich daraus Rückschlüsse für gezielte Werbung ziehen lassen. Wer sich etwa regelmäßig in der Nähe von Sportplätzen oder Universitäten aufhält, wird oftmals andere Kaufinteressen haben als jemand, der etwa häufig Rotlichtviertel aufsucht. Zudem kann man aus Bewegungsdaten im Nahverkehr ableiten, ob jemand einer regelmäßigen Arbeit nachgeht, ob er abends ausgeht oder ob er Kinder zur Schule begleitet. Solche Auswertungen zu Werbezwecken dürfen aber nur auf Grundlage einer ausdrücklichen, freiwilligen Einwilligung des Karteninhabers gemacht werden.

Fragen: Katy Cuko