Landwirte in Baden-Württemberg, die durch den heißen und trockenen Sommer massive Ernteeinbußen zu beklagen haben, können noch bis zum 30. November Dürrehilfe beantragen. Bislang ging zwar eine größere Zahl an Anfragen beim Landwirtschaftsamt des Bodenseekreises ein. „Anträge auf Dürrehilfe haben die Landwirte bisher aber noch nicht gestellt“, berichtet Amtsleiter Hermann Gabele.

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Je nach Kultur, Standort- und Bodenverhältnissen in Kombination mit der lokalen Niederschlagsverteilung sei die Betroffenheit der Landwirte im Bodenseekreis sehr unterschiedlich. „Bei Wein, Obst und Mais sind die Erträge im Allgemeinen gut, jedoch sind im einzelnen Betrieb oder an einzelnen Standorten auch bei diesen Kulturen Ertragsausfälle zu beklagen“, weiß Gabele.

Erntemengen mit großen lokalen Unterschieden

Die Getreideernte sei durchschnittlich ausgefallen, allerdings mit großen lokalen Unterschieden. Auf Wiesen und Weiden sei wegen der großen Trockenheit verbreitet der dritte und vierte Schnitt nicht mehr möglich gewesen. „Diese beiden Schnitte zusammengenommen machen in einem Normaljahr durchaus etwa 30 Prozent des Jahresertrags aus“, stellt der Amtsleiter fest. Und nur, wenn der Ertrag tatsächlich um mehr 30 Prozent geringer ausfällt als in den vergangenen drei Jahren, besteht die Chance, eine staatliche Dürrehilfe zu bekommen.

Finanzielle Hilfe ab 30 Prozent Ertragsrückgang

Der Bund sagte den deutschen Bauern finanzielle Hilfen in Höhe von bis zu 170 Millionen Euro zu. Davon sollen gut elf Millionen Euro auf Baden-Württemberg entfallen, die das Land nochmals um die gleiche Summe aufstockt. "Da sich die Landwirtschaft im Bodenseekreis in vielen Betrieben auf mehrere Kulturen stützt, wird die Förderschwelle von insgesamt 30 Prozent Ertragsrückgang häufig nicht erreicht werden", so Gabeles Einschätzung. Außerdem könnten nur jene Betriebe gefördert werden, die durch die Dürre nachweislich in eine existenzbedrohende Situation geraten sind.

Mischkulturen bewähren sich

Auch Dieter Mainberger, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Tettnang, weiß, wie hoch die Messlatte für die Dürrehilfe hängt. „Zum Glück sind die Landwirte im Bodenseekreis nicht so sehr betroffen, da die meisten Mischkulturen anbauen. Sie haben zum Beispiel Äpfel und Grünland oder Hopfen und Getreide“, erläutert Mainberger. So könne der Verlust in einem Bereich durch die teilweise besseren Erträge in anderen Bereichen ausgeglichen werden. Reine Grünlandbetriebe, wie es sie beispielsweise im östlichen Kreisgebiet um Neukirch oder im Deggenhausertal gibt, seien am Schlimmsten von der Dürre betroffen. „Aber die Maisernte hat auch hier vieles wieder wettgemacht“, relativiert er.

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Bewusst ist sowohl Hermann Gabele als auch Dieter Mainberger, dass sich die Landwirte auch künftig auf die Folgen des Klimawandels einstellen müssen. „Mit Naturereignissen im normalen Maß mussten wir Landwirte schon immer rechnen“, sagt Mainberger. Der Frost im vergangenen Jahr und die extreme Trockenheit in diesem seien jedoch für viele eine extreme Herausforderung gewesen. Hagelnetze habe man inzwischen fast flächendeckend. „Künftig müssen wir schauen, wie wir mit dem Wasser klarkommen“, unterstreicht der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Aber selbst die Argen oder die Schussen hätten in diesem Sommer nicht genug Wasser gehabt, um die Obstanlagen zu bewässern.

Staatliche Hilfe gerechtfertigt?

Soll der Staat bei extremen Wetterereingissen immer einspringen? "Nein", hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner im August gesagt. Die Landwirte müssten in Zukunft auch selbst mehr Vorsorge treffen. Dieter Mainberger fallen hingegen gleich mehrere Gründe ein, warum sich ein landwirtschaftlicher Betrieb in der finanziellen Notsituation beispielsweise von einem Handwerksbetrieb unterscheidet. "Wir sind für die Ernährungssicherung der Bevölkerung zuständig", nennt er einen Punkt. Nicht vorstellen mag er sich, was wäre, wenn Deutschland auf landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland angewiesen wäre. "Schon allein deshalb ist es nicht wünschenswert, dass immer mehr Bauern ihre Produktion aufgeben." Außerdem habe die Landwirtschaft weniger schnell wirksame Steuerungsmöglichkeiten als andere Branchen. "Wenn wir zurückfahren, dann fahren wir dauerhaft zurück", sagt Mainberger.

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Als weitere Argumente für staatliche Zuschüsse nennt er den Klimawandel und die Globalisierung. Laut Bundesagrarministerin Julia Klöckner ist die Landwirtschaft selbst nur zu sieben Prozent am Ausstoß von Klimagasen beteiligt. "Irgendwann können wir nicht mehr mithalten, wenn nur noch da produziert wird, wo es am billigsten ist", befürchtet Mainberger. Allein mit Idealismus könnten die Landwirte diese Probleme nicht lösen.