Fluggäste, die vor November 2015 ein Intersky-Ticket für 100 Euro gebucht haben, könnten rund 35 Euro zurückbekommen. Diese Rechnung ergibt sich aus dem Schlussbericht des Konkursverwalters, der jetzt, dreieinhalb Jahre nach der Einstellung des Flugbetriebs, vorliegt.

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Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Landesgericht Feldkirch hatten 2700 Gläubiger insgesamt rund 86,5 Millionen Euro zurückgefordert. Anerkannt wurden nun jedoch nur Forderungen in Höhe von 13,7 Millionen Euro, wie Gerichtspressesprecher Norbert Stütler bestätigt. Die zu verteilende Konkursmasse wird in dem Schlussbericht auf 4,7 Millionen Euro beziffert. Die Rückerstattungsquote dürfte damit bei etwa 35 Prozent liegen.

Die Anzeigetafel des Bodensee-Airports am 6. November 2015: Sämtliche Intersky-Flüge wurden gestrichen.
Die Anzeigetafel des Bodensee-Airports am 6. November 2015: Sämtliche Intersky-Flüge wurden gestrichen. | Bild: Georg Wex

Großes finanzielles Minus

Die Pleite der österreichischen Fluggesellschaft hatte dem Bodensee-Airport in Friedrichshafen 2015 einen herben finanziellen Schlag versetzt. Mit 115 000 Passagieren im Jahr war sie die wichtigste Regionalfluggesellschaft an dem Häfler Flughafen – ein Fünftel aller Fluggäste, die in Friedrichshafen abflogen, saß in Intersky-Maschinen.

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Umso erleichterter waren die Verantwortlichen der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG), als nur vier Monate später die belgische Airline VLM die wichtigen innerdeutschen Linien nach Berlin, Hamburg und Düsseldorf übernahm. Die Freude währte jedoch nur kurz, denn bereits im Juni 2016 musste auch VLM Insolvenz anmelden. Durch die beiden Pleiten erwirtschaftete der Bodensee-Airport in den Jahren 2015 und 2016 ein Minus von 3,1 Millionen Euro. Flughafen-Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr erklärte damals in einem SÜDKURIER-Interview, das Jahr 2016 sei "wie eine Achterbahnfahrt, ein ziemliches Auf und Ab" gewesen.

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Intersky-Pleite kam überraschend

Die Nachricht, dass Intersky mit sofortiger Wirkung den Flugbetrieb einstellt, kam am 6. November 2015 völlig überraschend. Die Airline sollte eigentlich verkauft werden, doch kurz vor dem Abschluss platzte das Geschäft. "Per E-Mail hat uns der Investor, die Mitteldeutsche Tourismus Entwicklungsgesellschaft mbH (MDTEG), darüber informiert, dass der geplante Kauf nicht stattfinden werde. Wir waren völlig überrascht, weil wir zuvor vier Monate lang verhandelt hatten", erklärte Intersky-Geschäftsführerin Renate Moser damals gegenüber dem SÜDKURIER.

"Das Geschäftsjahr 2016 war wie eine Achterbahnfahrt, ein ziemliches Auf und Ab."<br><br><b>Claus-Dieter Wehr</b>, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH
"Das Geschäftsjahr 2016 war wie eine Achterbahnfahrt, ein ziemliches Auf und Ab."

Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH | Bild: Katy Cuko

Noch am Vortag habe man in Verhandlungen zusammengesessen. Da die Firma Castellake aus Maastricht, die vier der fünf Flugzeuge an Intersky geleast hatte, die sofortige Rückführung der Maschinen verlangte, mussten alle weiteren Flüge gestrichen werden.

Abschlussverhandlung am 25. April

Seitdem warten die Gläubiger darauf, zu erfahren, ob und wie sie nach der Pleite entschädigt werden. Zwischen 80 und 90 Prozent von ihnen sind Ticketbesitzer, die ihre Flüge aufgrund des Konkurses nicht mehr antreten konnten. Die große Differenz zwischen den angemeldeten 86,5 Millionen Euro und den nun anerkannten 13,7 Millionen Euro sei dadurch zu erklären, dass zwei Großgläubiger ihre ursprünglichen Forderungen nicht mehr geltend gemacht haben, sagt Norbert Stütler. "Sie hätten eine Feststellungsklage einreichen müssen, worauf sie aber verzichtet haben", erklärt der Pressesprecher des Landesgerichts.

Jetzt haben Gericht und Gläubigerschutzverbände die Gelegenheit, den Schlussbericht zu prüfen. Ob es bei den genannten Summen bleibt, ist noch unklar. Denn Gläubiger, deren Forderungen nicht anerkannt wurden, könnten noch gegen diese Entscheidung klagen. In der Abschlussverhandlung am 25. April vor dem Landesgericht Feldkirch soll dann die Verteilung der Konkursmasse beschlossen werden.

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