Sturm auf die Stadthalle in Markdorf: Rund 650 interessierte Bürger aus dem gesamten westlichen Bodenseekreis sorgten dafür, dass die Stadthalle bei der Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen zum Stand der Trassenplanungen für den B 31-neu-Weiterbau zwischen Meersburg und Immenstaad am Dienstagabend aus allen Nähten platzte.

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Dicht gedrängt standen Dutzende Besucher an den Saalseiten, rund 50 Interessierte, die erst kurz vor Beginn gekommen waren, mussten draußen bleiben: Die Ordner schlossen eine Viertelstunde vor Beginn die Hallentüren. Regierungspräsident Klaus Tappeser entschuldigte sich gleich eingangs dafür und versprach eine zeitnahe weitere öffentliche Information.

Riedmann mahnt gemeinsames Handeln an

"Wir haben jetzt die Chance, endlich die drängenden Verkehrsprobleme unserer Region gemeinsam zu lösen", mahnte Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann in seiner Begrüßung. Dafür bedürfe es aber Kompromissbereitschaft aller Beteiligten. Eine Lösung für die Region sei nur möglich durch Verständnis auch für die Betroffenheiten der anderen Seiten.

Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann warb dafür, den schwierigen Weg zur endgültigen B-31-Trassenfindung gemeinsam zu gehen.
Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann warb dafür, den schwierigen Weg zur endgültigen B-31-Trassenfindung gemeinsam zu gehen. | Bild: Helmar Grupp

Er sei aber auch stolz auf den Andrang, so Tappeser, zeige er doch, dass die Bürger zwischen Immenstaad, Markdorf und Meersburg interessiert und engagiert die Planungen verfolgen würden. Die hatten am Ende der zweistündigen Veranstaltung eine halbe Stunde lang Gelegenheit, ihre Fragen an die Experten auf der Bühne zu richten. Und sie nutzten sie: Rund 50 Fragen aus dem Publikum durften die Fachleute beantworten. Zahlreiche Fragesteller nutzten den Anlass aber auch, um auf die Betroffenheiten ihrer jeweiligen Interessengruppen aufmerksam zu machen: Landwirte, Winzer, Mitglieder von Verkehrsinitiativen.

Ende 2019 soll die endgültige Variante empfohlen werden

In der Stadthalle ging es nun um die drei in die Endauswahl genommenen Korridore. Die sollen in den kommenden Monaten eingehend geprüft werden. Zum Jahresende soll dann eine Variantenempfehlung erfolgen. Die weiteren Schritte – Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung und das Planfeststellungsverfahren – liegen noch in weiterer Ferne. Über einen potenziellen Baubeginn wurde am Dienstagabend kein Wort verloren.

Regierungspräsident Klaus Tappeser versprach weitere zeitnahe öffentliche Info-Termine des Regierungspräsidiums. Der immense Zulauf zeige, dass das Thema B 31-neu die Bürger in der Region bewege, so Tappeser.
Regierungspräsident Klaus Tappeser versprach weitere zeitnahe öffentliche Info-Termine des Regierungspräsidiums. Der immense Zulauf zeige, dass das Thema B 31-neu die Bürger in der Region bewege, so Tappeser. | Bild: Helmar Grupp

Durch 52 Folien gerauscht

Umweltgutachter Burchard Stocks rauschte durch 52 Folien, die die Vor- und Nachteile der drei Korridore aufzeigten. Eingehender zeigte er die gravierenden Konflikte auf: Im Weingartenwald und in der Lipbach-Senke zwischen Kluftern und Immenstaad gibt es streng geschützte Tierarten, die Senke selbst ist zudem Naturschutzgebiet. Ein Grund, weshalb Stocks nachträglich noch einen alternativen Trassenverlauf mit Tunnel zwischen der Feriensiedlung und Immenstaad erarbeitet hatte – was ihm herbe Kritik von Lothar Wölfle eintrug. "Diese Abschwenkung zerschneidet Immenstaad nicht nur, sondern schnürt es auch noch ein", kritisierte der Landrat.

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Stocks wie auch die anderen Experten betonten indes mehrfach, dass auch der weitere Prozess ergebnisoffen sei. Lärm- und Schadstoffgutachten etwa würden nun erst ausgearbeitet. Aus diesem Grunde, so Stocks auf mehrfache Nachfragen aus dem Publikum, könne er zum jetzigen Zeitpunkt auch noch keine Aussagen zu etwaigen Lärmschutzmaßnahmen treffen. Fakt sei aber, dass gerade die kritischen Naturflächen geschont werden müssten. Tue man dies nicht, wäre dies ein K.o.-Kriterium für eine Trasse. Jegliche Planung müsse gerichtsfest sein, so Stocks: "Es hat keinen Sinn, jahrelang zu planen, wenn man vor Gericht dann eine Ehrenrunde drehen muss."

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Lange Bauzeit bei einem B 31-alt-Ausbau

Das Dilemma: Schützenswerte Flächen sowohl im Hinterland, was den C-Korridor betrifft, als auch ausgedehnte Landschaftsschutzflächen entlang des Seeufers. Interessant: Die konfliktärmste Variante könnte die mittlere Trasse B sein. Sie würde Stetten entlasten und biete einen Kompromiss bei den Eingriffen in Landwirtschaft und Natur, so Stocks. Bei der Ausbauvariante A hingegen sei wegen des Tunnelbaus ebenfalls ein erheblicher Flächenbedarf nötig, während der Bauzeit wäre mit erheblichen Staus zu rechnen und sie würde eine deutlich längere Bauzeit benötigen als die Trassen B und C "auf der grünen Wiese", wie Technikplaner Hans-Jochen Münnich erläuterte. Platz für einen vierspurigen Ausbau samt Radweg sei hingegen durchaus auf der bestehenden B 31.

Sogar mit Reisebussen waren die Immenstaader, Hagnauer, Meersburger, Stettener und Daisendorfer nach Markdorf angereist.
Sogar mit Reisebussen waren die Immenstaader, Hagnauer, Meersburger, Stettener und Daisendorfer nach Markdorf angereist. | Bild: Helmar Grupp

Eingriffe in den Weinbau?

Bei der Variante C wiederum müsste die B 31-neu auf einem kurzen Teilstück vor Stetten parallel zur B 33 geführt werden. Dies gehe nicht anders, da die Neubautrasse eine Schnellstraße sei und auf der B 33 daher die langsamen Verkehre abgewickelt werden müssten, so Stocks. Zudem müsste nördlich von Meersburg in die Weinbauanlagen eingegriffen werden – was die Planer, so wurde in der Stadthalle versichert, aber so weit als nur möglich vermeiden wollen.

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2030 mehr Verkehr als heute

An der Vierspurigkeit führe kein Weg vorbei: Das stellte Verkehrsgutachter Claus Kiener klar. Er gehe definitiv davon aus, dass es 2030 mehr Verkehr in der Region gebe als heute, nicht weniger. Dies sei das Ergebnis der Abfrage aller Gemeinden zu ihren Wohn- und Gewerbeplänen. Überall sei ein weiteres Wachstum vorgesehen, dies wiederum führe zu mehr Bevölkerung und ergo auch zu mehr Verkehr. "Wir werden mehr Verkehr haben als heute, deswegen müssen wir die Verkehre optimal planen", so Kiener: "Und deswegen kommen wir um einen vierspurigen Querschnitt auch nicht herum." Dies sieht man auch beim Regionalverband Bodensee-Oberschwaben so.

 

Verbandsdirektor Wilfried Franke verwies darauf, dass die Einwohnerzahl der Bodenseeregion bis 2030 um 60- bis 70 000 Menschen zunehmen dürfte. Außerdem stünden mit B 30-Ravensburg-Süd, B 31-Friedrichshafen und B 31-Überlingen noch drei große Baumaßnahmen in der Pipeline. Seien die fertiggestellt, werde der Druck auf den B-31-Bereich am See nochmals spürbar steigen. "Die Mobilität wird zunehmen, wir müssen versuchen, sie noch deutlich stärker auf den Umweltverbund zu übertragen", appellierte er auch an einen kräftigeren Ausbau des ÖPNV.