Dass das Landratsamt zu den fünf größten Arbeitgebern in Friedrichshafen gehört, dürfte viele verwundern. Doch genauso ist es: Nach den Industriebetrieben ZF und MTU hat die Kreisbehörde neben der Häfler Stadtverwaltung und dem Klinikum die meisten Beschäftigten. Knapp 1300 Stellen wies der Bodenseekreis für 2018 aus, wobei es durch viele Teilzeitbeschäftigte gut 400 Köpfe mehr waren, wobei auch die Straßenmeisterei oder die beruflichen Schulen eingerechnet sind.

Platz für 400 Mitarbeiter mehr

Mit der steigenden Zahl der Mitarbeiter stieg von Jahr zu Jahr auch der Platzbedarf im Landratsamt. 2006 bezog die Behörde das neue Hochhaus an der Albrechtstraße. „Damals hatten wir hier insgesamt 620 Arbeitsplätze. Heute sind es 1018“, erklärt Landrat Lothar Wölfle, und jeder brauche in der Regel einen Schreibtisch. Dabei war der Neubau von Anfang an knapp kalkuliert. So wuchs mit den Jahren der Druck, in den Gebäuden an der Albrecht- und Glärnischstraße Platz zu schaffen, ohne dass mehr Bürofläche zur Verfügung stand.

„Das Wort Flächenmanagement ist hier seit zwei Jahren das Unwort schlechthin“, sagt Lothar Wölfle. Der Behörde blieb nichts anderes übrig, als mit einem neuen Raumkonzept auf der gleichen Fläche mehr Platz für immer mehr Mitarbeiter zu schaffen. Dafür waren teils enorme Umbauten und Umzüge ganzer Büros bei laufendem Betrieb vor allem im alten Landratsamt an der Glärnischstraße nötig. Manche Abteilung musste sogar mehrfach umziehen. Im Frühjahr sollen die Arbeiten laut Plan abgeschlossen sein – vorerst. „Dann fangen wir von vorne an“, sagt der Landrat. Denn wegen des neuen Bundesteilhabegesetzes müssen die nächsten 18 Stellen in den Behördenbetrieb integriert werden.

Großraumbüro im alten Sitzungssaal

Bei einem Rundgang wird schnell klar, dass auch das neue Raumkonzept auf Kante genäht ist. Deutlich wird das beispielsweise im Jugendamt. Hier wurden Besprechungsräume zu Büros umfunktioniert und stattdessen zwei Glaskästen im Gang eingerichtet. Die reichen aber hinten und vorn nicht, um in Ruhe Gespräche zu führen. Für das Jobcenter wurde ein Großraumbüro mit 25 Arbeitsplätzen geschaffen. „Die Beratungsqualität hat sich verschlechtert“, gibt der Landrat zu. Aber in manchen Abteilungen ging es nicht anders, wobei die Mitarbeiter immer mitentscheiden konnten, wie in ihrem Bereich mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, sagt der Landrat.

In der Liegenschaftsabteilung entschieden sich die Mitarbeiter dafür, auf der linken Seite des früheren Gangs offene Vierer-Büros mit halbhohen Trennwänden zu schaffen.
In der Liegenschaftsabteilung entschieden sich die Mitarbeiter dafür, auf der linken Seite des früheren Gangs offene Vierer-Büros mit halbhohen Trennwänden zu schaffen. | Bild: Katy Cuko

Wie schwierig die räumliche Situation vor allem im alten Landratsamt ist, zeigt Lothar Wölfle am derzeitigen Domizil des Kreisumweltamts. Das ist übergangsweise in den alten Sitzungssaal gezogen, bis die angestammten Räume fertig sind. Dieser „Übergang“ dauert allerdings schon fast zwei Jahre an. „Wer behauptet, unsere Raumnot sei doch nicht so schlimm, den führe ich hier hinein“, sagt der Landrat und überlässt dem Amtsleiter das Wort.

Das könnte Sie auch interessieren

„Eigentlich ist es unzumutbar, hier zu arbeiten“, nimmt Peter Neisecke kein Blatt vor den Mund. Wo früher der Kreistag tagte, teilen sich 27 Mitarbeiter seines Amts diesen zum Großraumbüro umfunktionierten Saal auf knapp 200 Quadratmeter Fläche. „Hier zieht es wie Hechtsuppe“, sagt der Amtsleiter und verweist auf kaputte Fenster, Risse in Balken und zusätzliche Heizstrahler an der hohen Decke, um das Büro einigermaßen warm zu bekommen. Wenn das Umweltamt im Frühjahr hier auszieht, zieht übrigens das Landwirtschaftsamt ein. Die Vorbereitungen laufen schon.

So sah der Flur des Liegenschaftsamtes (oben) früher aus, mancher Flur im alten Landratsamt heute aber immer noch.
So sah der Flur des Liegenschaftsamtes (oben) früher aus, mancher Flur im alten Landratsamt heute aber immer noch. | Bild: Katy Cuko

Kurzfristig wird sich an den Arbeitsbedingungen im Landratsamt nichts ändern. Immerhin steht der seit 2015 ins Auge gefasste Neubau auf dem heutigen Parkplatz nun auf der Tagesordnung. Hier sollen in ein paar Jahren rund 550 Mitarbeiter des Landratsamts mal ihren Arbeitsplatz finden. Baurecht für das Hochhaus wird es nach dem aktuellen Zeitplan frühestens Mitte 2022 geben. Frühestens im Jahr 2028, so rechnet der Landrat, wird Raumnot im Landratsamt kein Thema mehr sein.

Zwei Glaskästen, „Cube“ genannt, stehen im Jugendamt nun als Besprechungsräume zur Verfügung. Nicht die beste Lösung, gibt auch Landrat Lothar Wölfle zu.
Zwei Glaskästen, „Cube“ genannt, stehen im Jugendamt nun als Besprechungsräume zur Verfügung. Nicht die beste Lösung, gibt auch Landrat Lothar Wölfle zu. | Bild: Katy Cuko