Eine Ausnahmegenehmigung für einen Berufsfischer, der auf Laichfang von Sandfelchen gehen darf, sorgt beim Verband badischer Berufsfischer am Bodensee für Unmut. Kritiker befürchten, dass hier ein Elterntierstamm in Vorbereitung für die Zucht in Netzgehegen aufgebaut werden soll. Der Laichfang auf Blaufelchen – "Brotfisch" des Sees – musste in diesem Winter mangels laichreifer Felchen für alle Bodenseefischer international abgesagt werden. Der Sandfelchen hingegen, welches bei den Erträgen im Fischfang keine Rolle spielt, gilt aufgrund seiner robusten Art als geeignet für Zuchtzwecke.

Während die Brut von Blaufelchen nach der gängigen Praxis zeitnah im Frühling ausgesetzt wird, um die Erträge der Fischer zu stabilisieren, verbleibt die Brut der Sandfelchen in der Brutanstalt, um einen Elterntierstamm zu gründen.

Elke Dilger, Vorsitzende der badischen Berufsfischer: "Mir fehlt die Grundlage zum Aufbau eines Elterntierstammes, denn die Zucht von Felchen in Netzgehegen ist meines Wissens nach noch verboten."
Elke Dilger, Vorsitzende der badischen Berufsfischer: "Mir fehlt die Grundlage zum Aufbau eines Elterntierstammes, denn die Zucht von Felchen in Netzgehegen ist meines Wissens nach noch verboten."

Elke Dilger, Vorsitzende des Verbands der badischen Berufsfischer, fehlt dabei "die Grundlage zum Aufbau eines Elterntierstammes, denn die Zucht von Felchen in Netzgehegen ist meines Wissens nach noch verboten." Ende November erhielt Dilger nach eigenem Bekunden die Information, dass der Berufsfischer Martin Meichle aus Hagnau eine Sondergenehmigung für den Laichfischfang auf Sandfelchen erhalten habe.

"Ungerechtigkeit gegenüber allen anderen Fischern"

Meichle ist Vorsitzender der Genossenschaft Bodenseeregiofisch, welche die Einführung von Aquakulturen im See befürwortet. Elke Dilger sieht in der Ausnahmegenehmigung für nur einen Fischer durch das Regierungspräsidium "eine Ungerechtigkeit gegenüber allen anderen Fischern des Bodensee-Obersees".

Norbert Zeller (SPD-Kreisrat): "Ein Schlag ins Gesicht"

Norbert Zeller, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion Bodenseekreis, schreibt auf Anfrage: "Ein Schlag ins Gesicht ist auch die Vorgehensweise, nur einen befangenen Berufsfischer mit dem Ablaichen zu beauftragen. Weder der Sachverständige der Internationalen Laichkommission der IBKF (Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei, die Redaktion), noch andere Berufsfischer wurden in den Prozess mit einbezogen." Zeller vermutet, dass damit eine Grundlage für Aquakulturen gelegt werden soll.

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Pressesprecher: "Land hat keine Pläne für Aquakulturen"

Daniel Hahn von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Tübingen verneint Pläne vonseiten des Landes, Aquakulturen im Bodensee zu realisieren. Ergänzend weist er darauf hin, "dass etwaige Anträge auf Genehmigung einer Aquakultur von den zuständigen Behörden nach den gültigen Rechtsbestimmungen zu prüfen und zu entscheiden" wären.

Zahl der benötigten Fische gering

Hahn begründet die Auswahl eines einzigen Fischers mit der geringen Anzahl an benötigten Fischen: "Da nur wenige Sandfelchen benötigt werden – in den vergangenen Jahren wurden etwa zehn laichreife Sandfelchen pro Laichsaison gefangen –, bestand keine Notwendigkeit, hier mehrere oder gar alle Berufsfischer zu beauftragen. An vier Fangtagen wurden 13 Sandfelchen gefangen und deren Laich in der Fischbrutanstalt aufgelegt." Meichle sei beauftragt worden, weil er im Besitz eines Fischereipatentes sei und nach seinem "Patentvertrag verpflichtet ist, sich an Maßnahmen des Landes für die Bewirtschaftung zu beteiligen".

Fischer Martin Meichle: "Beitrag zum Aufbau eins Elterntierstammes"

Auch Martin Meichle sieht in seiner Arbeit lediglich "einen Beitrag zum Aufbau eines Elterntierstammes, ob er für eine Aquakultur verwendet wird, hängt vom wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren ab".

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Seit 2016 habe die Staatliche Fischbrutanstalt in Langenargen den Auftrag, zu Versuchszwecken einen Laichfischstamm von Sandfelchen aufzubauen, schreibt die Pressestelle des Regierungspräsidiums Tübingen. Und weiter: "Dieser Versuch wurde gestartet im Nachgang zu dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten und von der Fischereiforschungsstelle (FFS) in den Jahren 2011 bis 2015 durchgeführten Forschungsprojekt 'Einführung von Felchen in die Aquakultur'."

Fischereiforschungsstelle: "Kein Elterntierstamm mit Blaufelchen möglich"

Roland Rösch von der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen erklärt: "Seit zwei Jahren wird erforscht, ob es prinzipiell möglich ist, Sandfelchen in der Brutanstalt aufzuziehen." Der Blaufelchen sei für eine Zucht zu empfindlich. Hahn bestätigt, dass das "Forschungsprojekt zeigte, dass Blaufelchen beim sogenannten Handling (zum Beispiel beim Sortieren oder Umsetzen der Fische) sehr anfällig sind und nach einem Handling schnell erkrankten. Ein Elterntierstamm kann deshalb mit Blaufelchen nicht etabliert werden."

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Sandfelchen weniger empfindlich

Daher müsse nach einer weiteren Felchenart gesucht werden, die sich für den Aufbau eines Elterntierstammes eigne. Die ersten Ergebnisse mit den Sandfelchen seien positiv gewesen, "sodass man mit dieser Art züchterisch weiterarbeitete."