Martin Burger, Leiter der Bergrettung Vorarlberg, steht dem guten Wetter mit gemischten Gefühlen gegenüber: "Bislang war das Wetter nicht gut und die Sicht schlecht, wenn jetzt die Sonne rauskommt, dann geht für uns die Arbeit erst richtig los, dann wollen alle in den Schnee", erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch Burger weiß aus jahrelanger Erfahrung, dass viele Skifahrer oft zu wenig Wissen und Kondition mitbringen. "Gerade wer auf Skitouren geht, der sollte absolut fit sein, da reicht es nicht, einen Monat vor dem Winterurlaub ein paar Dehnübungen zu machen."

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Bergrettung rät, Lawinenkurse zu besuchen

Neben der Ausdauer sollten gerade Tourengänger auf eine gute Ausrüstung achten und einen Lawinenkurs besuchen, rät Burger: "Wir wissen, dass die beste Ausrüstung nichts hilft, wenn man nicht weiß, wie man sie im Ernstfall anwenden muss. Mir haben Profiskifahrer erzählt, dass sie drei Mal probiert haben, ihren Lawinenairbag zu aktivieren und es ihnen nicht gelungen ist, den Griff zu ziehen", erzählt der Leiter der Bergwacht. Wenn man hinfalle, sei es oft so, dass man sich reflexartig mit den Händen aufstütze statt den auf Brusthöhe angebrachten Airbaggriff zu betätigen.

Martin Burger, Leiter der Bergrettung Vorarlberg.
Martin Burger, Leiter der Bergrettung Vorarlberg. | Bild: Bergrettung Vorarlberg

Aribags sind nicht immer hilfreich

Lawinenrucksäcke könnten Wintersportlern eine trügerische Sicherheit vermitteln. "Es kann schon sein, dass die Wintersportler dann in Hänge fahren, die sie ohne Lawinenairbag nicht fahren würden, weil sie sich dadurch sicherer fühlen", sagt Burger, der selbst keinen Lawinenairbag besitzt. Selbst wenn die Airbags wie im Fall der drei in Lech tödlich verunglückten Skifahrer aus Oberschwaben ausgelöst werden können, seien sie nicht immer hilfreich. Wenn die Schneemassen zu schwer seien oder die Verunglückten gravierend verletzt, seien Airbags kein Rettungsgarant. Burger gibt aber auch zu bedenken, dass viele Wintersportler unbewusst in freiem Gelände oder auf gesperrten Pisten unterwegs seien: "Wenn die Sicht schlecht ist, kann es schon passieren, dass die Variantenfahrer plötzlich auf einer gesperrten Abfahrt landen, oder, dass sie Spuren folgen, die sie im Schnee sehen."

Auch für die Rettungskräfte sind aufwendige Bergungsaktionen oft lebensgefährlich und sehr belastend.
Auch für die Rettungskräfte sind aufwendige Bergungsaktionen oft lebensgefährlich und sehr belastend. | Bild: Bergrettung Tirol

Schlechte Sicht erschwert Rettungseinsätze

Schlechte Sicht erschwert auch den Rettungskräften ihren Einsatz, weiß Wolfgang Elmenreich, Vizebürgermeister von Au im Bregenzerwald und Leiter der örtlichen Lawinenkommission. "Wenn alpine Unfälle passieren, können wir teilweise wegen des schlechten Wetters nicht mit dem Helikopter los und dann kann es schon mal eine Stunde dauern, bis wir oben auf dem Berg sind", sagt er. Elmenreich erzählt aber auch von Skifahrern, die die Rettung verständigen, weil sie erschöpft sind und ins Tal gebracht werden wollen. "Wir beobachten leider immer wieder Skifahrer, die ganz bewusst in Hänge gehen, die von uns kurz vorher abgesperrt worden sind, das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen."

Großanlegte Suchaktionen von Lawinenopfern können für die Geretteten teuer werden.
Großanlegte Suchaktionen von Lawinenopfern können für die Geretteten teuer werden. | Bild: Christoph Schöch, Bergrettung Vorarlberg

Je mehr Rettungskräfte im Einsatz sind, desto teurer ist der Einsatz

Eine Rettung, gerade wenn sie mit vielen Rettungskräften und einem Hubschraubereinsatz verbunden ist, kann teuer werden und wird nicht automatisch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wie Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben in Ravensburg, bestätigt. "Die Kosten für die Luftrettung zum nächst erreichbaren Krankenhaus werden von der AOK im Rahmen einer Kostenerstattung in Höhe der deutschen Vertragssätze übernommen, sofern der Transport medizinisch notwendig war. Leider sind die Kosten in Österreich für eine Luftrettung ausgesprochen teuer, somit verbleibt den Versicherten ein großer Eigenanteil", erzählt er. Laut Beierl werden von der Krankenkasse keine Bergungskosten übernommen, wenn ohne medizinische Notwendigkeit eine aufwendige Flugrettung organisiert werden muss. Falls Wintersportler nachweislich in gesperrtes Gelände fahren, wird laut Beierl eine nachträgliche Prüfung der Haftungsfrage (Vorsatz) erfolgen, was unter Umständen zu einer Prüfung eines Selbstverschuldens führen kann – mit der Konsequenz einer Kostenbeteiligung. Von den Kassen getragen werden in diesem Fall nur die medizinischen Behandlungskosten. Die AOK rät allen Versicherten, immer eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, da darin in der Regel auch die Kosten für einen Rücktransport enthalten sind.

Die Vorarlberger Bergrettung trainiert immer wieder den Ernstfall, beispielsweise hier zu sehen die Rettung mithilfe von Hunden und Hubschrauber.
Die Vorarlberger Bergrettung trainiert immer wieder den Ernstfall, beispielsweise hier zu sehen die Rettung mithilfe von Hunden und Hubschrauber. | Bild: Klaus Hartinger, Bergrettung Vorarlberg

Standardeinsatz kostet 408 Euro pro Stunde

Wer Mitglied beim Deutschen Alpenverein (DAV) ist, dem werden die anfallenden Kosten bis zu einer Höhe von 25 000 Euro bei Bergunfällen, Rettungs- und Suchaktionen in der Regel erstattet. Ähnliche Regelungen gibt es für Mitglieder der Bergwacht. Wie teurer eine Rettung werden kann, weiß Martin Burger von der Bergrettung Vorarlberg genau: "Ein Standardeinsatz, an dem zehn bis 30 Rettungskräfte beteiligt sind, kostet pro Stunde 408 Euro. Ein Großeinsatz, bei dem mehrere Bergwachtstationen beteiligt sind, kostet pro Stunde schon 860 Euro. Wenn dann noch ein Hubschrauber benötigt wird, kostet die Flugminute über 90 Euro", rechnet er vor.

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Aufenthalt auf gesperrten Pisten und in Wildschutzzonen kann teuer werden

Doch auch wenn den Skifahrern, die sich auf gesperrten Pisten oder in gekennzeichneten Wildschutzzonen bewegen, nichts passiert, können sie in Vorarlberg zur Kasse gebeten werden: "Bei uns gibt es in einigen Skigebieten Kontrollen durch die Liftbetreiber. Wer dann auf einer gesperrten Piste erwischt wird, muss seine Liftkarte abgeben," erzählt Burger. Teuer kann es nach dem Vorarlberger Jagdgesetz auch für all jene Wintersportler werden, die gerne durch Waldgebiete fahren oder laufen und dabei nicht auf die Ruhezonen für Wildtiere achten. Dann drohen Geldstrafen in einer Höhe von bis zu 7000 Euro.

Eines will der Leiter der Bergwacht allen Skifahrern mit auf den Weg geben: "Meistens geht es ja gut, aber man sollte sich nicht darauf verlassen, sondern immer mit dem notwendigen Respekt und nicht zu hohem Tempo unterwegs sein."

 

Was Wintersportler zum Thema Lawinengefahr wissen müssen

  • Liftkarten bei Sperrungen: Nach Auskunft einiger Liftbetreiber in Vorarlberg und Tirol müssen Wintersportler auch dann den vollen Preis für die Liftkarten zahlen, wenn nur ein Teil der Liftanlagen geöffnet ist, wie es beispielsweise am Dienstag in den meisten Skigebieten der Fall war. Als Grund nennen die Betreiber, dass es sich bei den Sperrungen um höhere Gewalt handle und die Sicherheit vorgehe. So waren am Mittwoch im Arlberggebiet nur 58 von 88 Anlagen in Betrieb, am Sonnenkopf fünf von 22 Anlagen und in Laterns vier von 6. In Balderschwang laufen sieben von 13 Liften wieder. Außerdem sind in Vorarlberg wegen Lawinenabgängen und der immer noch sehr großen Lawinengefahr etliche Straßen gesperrt. Tagesaktuelle Informationen dazu im Internet auf:
    http://www.vorarlberg.at
  • Rettung: Von Rettung wird gesprochen, wenn ein Bergsportler so schwer verunglückt, dass ihm der Transport auf dem Landweg nicht zuzumuten ist, weil sich dadurch sein Zustand verschlechtern könnte oder der Transport im Krankenwagen zu lange dauern würde und deshalb eine Gefahr darstellt. Bei einer Rettung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Kosten in der Regel voll.
  • Bergung: Bei einer Bergung hingegen kommt der Hubschrauber aus dem Grund zum Einsatz, dass der Unfall in unwegsamem Gelände passiert ist, das mit einem Krankenwagen nicht befahrbar ist. Der Transport mit dem Hubschrauber erfolgt hier in den meisten Fällen auch nicht direkt ins Krankenhaus, sondern lediglich bis zur Talstation. Ab hier geht der Transport auf dem Landweg weiter. Bergungskosten sind kein Gegenstand der GKV und müssen vom Unfallopfer, zumindest in Teilen, selbst getragen oder durch eine private Zusatzversicherung abgedeckt werden, informiert Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben. Wenn es um das Thema Bergungskosten geht, sei es wichtig, den Unterschied zwischen einer Bergung und einer Rettung zu machen. Hier sei es oftmals eine Frage der Abgrenzung, wodurch es zu höheren Kosten für den gesetzlich Krankenversicherten kommen könne. Verletzt sich ein Wintersportler bei einem Skiunfall und kann nicht auf normalem Wege abtransportiert werden, komme es zum Einsatz von Rettungshubschraubern. Aber: Auch in diesem Fall liege eine Bergung vor. Die Kostenübernahme werde dann selbst in Deutschland nur zu einem Teil von der Krankenkasse übernommen.
  • Notfallnummern: Notruf in ganz Europa: 112; Alpin-Notruf Österreich: aus dem Inland 140, aus dem Ausland mit Vorwahl +43 und der jeweiligen österreichischen Ortsvorwahl; Schweiz aus dem Inland: 1414, aus dem Ausland: +41 333 333 333. (hog)