Überall kann man derzeit wieder Menschen antreffen, die niesen, über Kopfschmerzen klagen und husten. Doch so lästig und unangenehm ein grippaler Infekt auch sein mag, mit einer echten Grippe, mit einer Influenza, haben diese Symptome nichts zu tun. Nach Angaben des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales und Integration sind bei der letzten schweren Grippewelle 2017/2018 rund 25 100 Menschen alleine in Deutschland an der Grippe gestorben.

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„Die Grippe haut auch die stärksten Männer um“, erklärt Elke Häberle, die als Ärztin im Gesundheitsamt des Landratsamts Bodenseekreis tätig ist. Zwar habe es in der gerade beginnenden Grippesaison bislang noch keinen Fall gegeben, aber das sei nur eine Frage der Zeit, so Häberle weiter. In ganz Baden-Württemberg meldet das Gesundheitsministerium bereits zwei Fälle in diesem Herbst.

Wollte auch in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangehen. Minister Manfred Lucha hat sich gegen die Influenza impfen lassen.
Wollte auch in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangehen. Minister Manfred Lucha hat sich gegen die Influenza impfen lassen. | Bild: Ministerium

Häberles Ansicht nach wissen immer noch viele Menschen nicht, dass in Baden-Württemberg die gut verträgliche Impfung gegen die Grippe für alle, auch Kleinkinder ab dem sechsten Lebensmonat, von den Krankenkassen bezahlt wird.

„Wir raten daher allen Menschen dazu, sich impfen zu lassen, auch wenn sie nicht zu einer klassischen Risikogruppe gehören“, betont Häberle. Ihrer Erfahrung nach sei die Impfquote leider nicht besonders hoch.

Zahlen, wie viele Grippefälle es im Bodenseekreis jährlich gibt, werden zwar erfasst. Da aber nicht alle Erkrankten zum Arzt gehen, dürfte die Dunkelziffer höher sein. „Leider müssen wir auch immer wieder feststellen, dass teilweise selbst Pflegepersonal nicht geimpft wird und dann unwissentlich Menschen, die eventuell chronisch krank und damit viel anfälliger für die Grippe sind, angesteckt werden“, so Häberle weiter.

Elke Häberle, Gesundheitsamt: „Es ist natürlich falsch zu glauben, dass man keine Erkältung oder einen grippalen Infekt bekommen kann, wenn man gegen die Grippe geimpft ist.“
Elke Häberle, Gesundheitsamt: „Es ist natürlich falsch zu glauben, dass man keine Erkältung oder einen grippalen Infekt bekommen kann, wenn man gegen die Grippe geimpft ist.“ | Bild: privat

Ihres Wissens nach dürfte es aber nicht an mangelnder Aufklärung liegen, da gerade im Bodenseekreis regelmäßig Schulungen für Heimmitarbeiter stattfänden. So gebe es immer noch Vorurteile, dass die Impfung krank machen könne, was ein Mythos sei, obwohl Nebenwirkungen natürlich immer möglich seien: „Es ist natürlich falsch zu glauben, dass man keine Erkältung oder einen grippalen Infekt bekommen kann, wenn man gegen die Grippe geimpft ist“, klärt Elke Häberle auf.

„Der Trend bei der Influenzaimpfung ist leider nach wie vor anhaltend schlecht, da die Grippe unterschätzt wird“, sagt auch Christof Metzler, Kinderarzt in Langenargen. Seiner Ansicht nach fehle es immer noch an Aufklärung, da viele Menschen grippale Infekte mit Schnupfen, Husten und Kopfschmerzen mit einer schweren Grippe verwechseln würden.

Seiner Meinung nach stellen gerade Kinder mit Grippe eine große Gefahr dar, denn: „Wenn eigentlich gesunde Kinder die Grippe bekommen, ist der Krankheitsverlauf oft nicht so schwer wie bei Erwachsenen. Aber was viele Eltern vergessen, auch wenn sich die Kinder oft rasch wieder erholen, können sie leicht ihre Großeltern anstecken“, erklärt Metzler.

Kein hundertprozentiger Schutz

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin können Kinder längere Zeit Überträger der lebensgefährlichen Grippeviren sein. Leider haben Impfungen im Allgemeinen keinen guten Ruf – und die Grippeimpfung im Besonderen nicht, so Metzler. „Ich schätze, dass die Durchimpfungsrate bei Kindern, was die Grippe angeht, nur bei fünf bis zehn Prozent liegen dürfte und auch chronisch kranke Kinder nicht immer geimpft sind“, rechnet Metzler vor.

Christof Metzler, Kinderarzt: „Wenn eigentlich gesunde Kinder die Grippe bekommen, ist der Krankheitsverlauf oft nicht so schwer wie bei Erwachsenen. Was aber viele Eltern vergessen, auch wenn sich die Kinder oft rasch wieder erholen, können sie leicht ihre Großeltern anstecken.“
Christof Metzler, Kinderarzt: „Wenn eigentlich gesunde Kinder die Grippe bekommen, ist der Krankheitsverlauf oft nicht so schwer wie bei Erwachsenen. Was aber viele Eltern vergessen, auch wenn sich die Kinder oft rasch wieder erholen, können sie leicht ihre Großeltern anstecken.“ | Bild: privat

Er verstehe zwar auch die Eltern, die neben vielen Mehrfach-Impfungen gerade im Kleinkindalter ihren Kindern nicht jedes Jahr mit der Grippeimpfung einen weiteren schmerzhaften Eingriff zumuten wollen. Aber: „Geimpft werden können Kinder ab sechs Monaten, das würde auch Sinn machen“, so Metzler. So sei der kleine Pieks das geringere Übel, wenn die Kinder dafür unter Umständen ihre Großeltern nicht anstecken.

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es laut dem Langenargener Kinderarzt auch mit der Grippeimpfung nicht. Denn: „Der jeweilige Influenzaimpfstoff ist für bestimmte Viren ausgelegt. Bei den einzelnen Grippewellen können verschiedene Viren auftreten.“ Trotzdem rät der Mediziner allen Menschen zur jährlichen Grippeimpfung, die am besten noch im November stattfinden sollte.

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