Unter dem Titel "Kein Erfolgsmodell" wird die im vergangenen Jahr neu eingeführte Gästekarte im Magazin "Der Steuerzahler" als "teuer für den Steuerzahler" bewertet. Das Fazit in dem Beitrag fällt wenig schmeichelhaft aus: "Aus Sicht des Bundes der Steuerzahler kann man das Projekt EBC wohl für gescheitert erklären. Es sieht nach einem Fass ohne Boden aus, nachdem Jahr für Jahr die Steuerzahler für Zuschüsse geradestehen müssen und zudem noch ein millionenschweres Darlehen gewährt wurde."

Für den Landkreis ist der Beitrag "eine Sichtweise". "Sie zu einem Urteil hochzustilisieren, wäre nicht legitim", nimmt Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamts, Stellung. Außerdem stütze sich die im Artikel vertretene Wertung "auf teilweise nicht korrekte, unvollständige und falsch in den Zusammenhang gebrachte Informationen".

Fakt ist: Der Bodenseekreis als Hauptgesellschafter der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), die die EBC betreibt, hat viel in die elektronische Gästekarte investiert. Eine Fehlinvestition, denn mit Saisonbeginn wird es die EBC nur noch im Papierformat geben. Die Kosten für die Chipkarte sind beziffert: 350.000 Euro hat der Kreis zwischen 2013 und 2016 für die touristische, technische und rechtliche Beratung sowie eine Marktforschungsstudie finanziert. Darüber hinaus wurden nach Angaben des Landratsamtes eine halbe Million Euro in das elektronische Fahrgeldmanagement-System investiert. Das ist Grundlage, damit Chipkarten in Bus und Bahn überhaupt als Fahrschein eingesetzt werden können. Das kommt mittlerweile dem Verkehrsverbund Bodo zugute, der gerade die e-Card für Gelegenheitsfahrer eingeführt hat.

Schon jede Menge Geld geflossen

Dazu kommt das Darlehen von 1,2 Millionen Euro, das der Landkreis der DBT für die Einführung der EBC bewilligt hat. Nach Aussage von Geschäftsführer Enrico Heß wurde dieser Betrag auch abgerufen und sei großteils an die Geios AG geflossen. Die erst 2015 gegründete Firma hatte 2016 nach EU-weiter Ausschreibung den Auftrag als technischer Dienstleister der EBC erhalten und ist schon wieder pleite – ein Grund, warum die Chipkarte das erste Betriebsjahr nicht überstanden hat. Damit ist die teure EBC-Technik nutzlos und belastet die DBT. Ist die Gesellschaft finanziell überhaupt in der Lage, das Darlehen an den Kreis zurückzahlen? "Für diese Bewertung ist es noch zu früh", antwortet der Kreissprecher. Ob aus der aktuellen Situation ein strukturelles Problem wird, hänge nicht zuletzt von der künftig einsetzbaren Technik und der Teilnahme weiterer Gemeinden am EBC-Modell ab. "Im Augenblick gehen die Gesellschafter davon aus, dass das gewährte Darlehen auch zurückgezahlt wird."

In die Rechnung fließen aber auch die Gesellschafterzuschüsse ein, die der Bodenseekreis an die DBT leistet. Jeweils 300.000 Euro flossen 2014 und 2015, je 400.000 Euro in den zwei folgenden Jahren. Für 2018 zahlt der Bodenseekreis sogar 520.000 Euro als Gesellschafterzuschuss – macht in der Summe 1,9 Millionen Euro für die DBT aus dem Kreishaushalt. Die hat 2016 trotzdem einen Jahresverlust von knapp 60.000 Euro erwirtschaftet, auch wenn die DBT durch den guten Abschluss im Vorjahr einen Bilanzgewinn von 40.000 Euro ausweisen konnte.

DBT mit einem strukturellen Problem

Ein strukturelles Problem hat die DBT aber schon heute, und damit alle fünf kommunalen Gesellschafter, neben dem Bodenseekreis die Landkreise Lindau und Sigmaringen sowie die Stadt Stockach und Bodman-Ludwigshafen. Gemeinden und Landkreise dürfen sich an einem privaten Unternehmen nur beteiligen, wenn es mindestens 25 Prozent seiner Aufwendungen aus eigenen Erlösen decken kann. Die DBT hat es nach Auskunft des Landratsamtes aber nur in einem Jahr geschafft, ein Viertel der Ausgaben selbst zu erwirtschaften. Überprüft wird das vom Regierungspräsidium Tübingen als Kommunalaufsicht allerdings nicht. Außerdem gibt es ein Hintertürchen: Der Landkreis könne eine Ausnahmeregelung beantragen und nachvollziehbar begründen, warum die DBT dauerhaft nicht genug erwirtschaften kann. "Vor diesem Hintergrund besteht derzeit nach hiesiger Einschätzung keine Verpflichtung, die Gesellschaft aufzulösen", schreibt die Tübinger Behörde auf Nachfrage.

Das würde allerdings bedeuten, dass die DBT auf Dauer am Tropf des Steuerzahlers hinge. "Der Bund der Steuerzahler wird die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen", schließt der Beitrag im Wirtschaftsmagazin.

EBC-Einnahmen

Auch im Format als Papierkarte verlangt die DBT von allen Gemeinden, die die EBC-Gästekarte künftig einsetzen wollen, einen Beitrag von 1 Euro pro Gast und Übernachtung. Dieser "Solidarbeitrag" wurde aufgrund einer Kalkulation für den Betrieb einer Chipkarte festgesetzt, die nicht öffentlich ist. 75 Cent gehen an den Verkehrsverbund Bodo, der den Touristen freie Fahrt mit Bus und Bahn im Nahverkehr dafür bietet. Je 25 Cent erhält die DBT als Kartenbetreiber. Bei rund 500.000 Übernachtungen in den vier EBC-Gemeinden Eriskirch, Langenargen, Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen kassierte die DBT im vergangenen Jahr also rund 125.000 Euro für den EBC-Betrieb. 2017 wurden nach DBT-Angaben rund 68.000 Chipkarten ausgegeben. (kck)