Ausnahmezustand in Lindau: Am ersten Wochenende des neuen Jahres waren allein in Lindau rund 70 Zentimeter Schnee gefallen und nichts ging mehr. Die Räumdienste kamen nicht mehr nach, die Busse blieben stehen und die Schulkinder durften sich über drei Tage längere Weihnachtsferien freuen. Etliche Straßen, darunter auch die B 31 und die A 96, waren zeitweise gesperrt und viele Bahnstrecken blockiert. Unzählige Bäume hielten den Schneelasten nicht mehr Stand und Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk (THW) und Räumdiensten schoben massenweise Überstunden.

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Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Die österreichischen Nachbarn in Vorarlberg ziehen Bilanz: In Summe waren bei den Sicherheitskräften in Vorarlberg, dazu zählen Feuerwehr, Bergrettung, Rotes Kreuz, Kriseninterventionsteam, Landeswarnzentrale, Bezirkshauptmannschaften, Lawinenkommissionen der Gemeinden und Liftbetreiber sowie Polizei und Bundesheer, insgesamt etwa 4550 Menschen im Einsatz.

Jasmin und Klaus Winter vom Restaurant Standhaus in Lindau luden kurzerhand alle Helfer zum Mittagessen ein.
Jasmin und Klaus Winter vom Restaurant Standhaus in Lindau luden kurzerhand alle Helfer zum Mittagessen ein. | Bild: Susanne Hogl

Dabei wurden rund 35 400 Einsatzstunden geleistet. Über die Einsatzzentrale Luft wurden mehr als 200 Überwachungs- und Versorgungsflüge mit Hubschraubern absolviert. Diese waren insgesamt fast 48 Stunden in der Luft und haben 218 Menschen transportiert.

Nicht jeder hatte Verständnis

"Mit großem Aufwand und persönlichem Engagement wurde Vorsorge getroffen, um die größtmögliche Sicherheit gewährleisten zu können und im Ernstfall in kürzester Zeit einsatzbereit zu sein", so die Bilanz von Markus Wallner, dem Vorarlberger Landeshauptmann.

Waren fast pausenlos im Einsatz: Die Einsatzkräfte, die versuchten, den schweren Schneemassen Herr zu werden.
Waren fast pausenlos im Einsatz: Die Einsatzkräfte, die versuchten, den schweren Schneemassen Herr zu werden. | Bild: Susanne Hogl

Einer, der mitten im Geschehen war, ist Wolfgang Elmenreich, Vize-Bürgermeister von Au und Leiter der örtlichen Lawinenkommission: "So bald es ging haben wir Erkundungsflüge mit dem Hubschrauber gemacht, aber die Lage war schon extrem, da sehr viel Schnee in kurzer Zeit gefallen war", erinnert er sich. Es gab aber auch Erlebnisse, für die ihm jedes Verständnis fehlt: "Es haben Leute bei uns angerufen, die nicht verletzt waren. Weil sie vom Berg nicht mehr herunterkamen, haben sie sich beschwert, dass alles so lange dauert", erinnert sich Elmenreich.

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Auch Dany Hemkens, Leiter der städtischen Straßenreinigung in Lindau, kennt solche Situationen: "Leider hatten nicht alle Bürger Verständnis. Sie haben erwartet, dass wir überall gleichzeitig sein sollen, um den Schnee, der betonartig war, wegzuräumen." Aber, es gab auch andere Situationen: So lud Ralf Winter, Chef des Restaurants Strandhaus in Lindau, kurz entschlossen alle Helfer zu einem Mittagessen ein. "Etliche Bürger waren sehr froh und haben uns mit Tee bewirtet oder uns Schokolade zugesteckt," sagt Hemkens.

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Trotzdem wird das Schneechaos möglicherweise noch ein Nachspiel haben. Der Lindauer Landrat Elmar Stegmann, der gleichzeitig Leiter des Katatstrophenschutzes ist, hat der Stadt Lindau einen Fragenkatalog zukommen lassen, da er wissen will, ob die Stadt im nötigen Ausmaß ihrer Räumpflicht nachgekommen ist. "Wir warten jetzt die Antworten der Stadt ab und dann sehen wir weiter. Wir erwarten aber auch, dass die Stadt Vorschläge macht, wie es beim nächsten Mal besser laufen könnte", erklärte Landratsamtsprecherin Sibylle Ehreiser.

Das soll sich künftig ändern

Bei der Stadt Lindau gibt es erste Ideen, was beim nächsten Schnee anders laufen soll: "Wir hatten beim Räumen oft Probleme. Gerade in den Nebenstraßen haben Autos den Weg blockiert und manche weigerten sich, ihre Fahrzeuge wegzufahren.

Nichts ging mehr in Lindau, als der große Schnee kam. Auch viele Zugstrecken blieben gesperrt.
Nichts ging mehr in Lindau, als der große Schnee kam. Auch viele Zugstrecken blieben gesperrt. | Bild: Susanne Hogl

Wir überlegen jetzt, in den Wintermonaten die Parkverbotszone auszuweiten", betont Stadtsprecher Jürgen Widmer. Er erklärte auch, dass durch die vielen Einsätze Mülleimer ungeleert blieben und der Weihnachtsbaum vor dem Rathaus erst Mitte Januar weggeschafft werden konnte. Nach Angaben der Feuerwehren im Landkreis Lindau mussten sie zu etwa 100 Einsätzen ausrücken, 600 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

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Auch bei der Polizei in Kempten war viel los: "Wir können die Zahl der Einsätze nicht beziffern, aber das Arbeitsaufkommen war erhöht. Zu uns gehört die alpine Einsatzgruppe, die zum Einsatz kam, als eine Lawine ein Hotel teilweise zerstörte", erklärt Christian Eckel.

Der Lindauer Hafen unter einer dicken Schneedecke.
Der Lindauer Hafen unter einer dicken Schneedecke. | Bild: Susanne Hogl

So viele Helfer waren im Einsatz

  • Lindau: Nach Angaben der Stadt Lindau waren in der Zeit von 5. bis 12. Januar rund 106 Helfer der Garten- und Tiefbaubetriebe (GTL) und von privaten Dienstleistern im Einsatz. Insgesamt wurden rund 4000 Arbeitsstunden gezählt. Für die zugekauften Dienstleistungen bezahlte die Stadt 61 000 Euro und gab für 400 Tonnen Streusalz rund 36 000 Euro aus. In einem durchschnittlichen Winter liegt der Streusalzverbrauch zwischen 400 und 700 Tonnen.
  • Vorarlberg: 4500 Helfer waren in Vorarlberg im Einsatz und haben dabei ungefähr 35 400 Einsatzstunden geleistet. Hubschrauber waren für mehr als 200 Überwachungs- und Versorgungsflüge fast 48 Stunden in der Luft. (hog)