Die Gemeinde Kressbronn nimmt es mit den Kita-Gebühren ganz genau. Die wurden zuletzt im Sommer 2017 anhand einer detaillierten Liste aller Kosten kalkuliert. Von Personalausgaben über Heizung, Strom und Grundsteuer bis hin zu Abschreibungen oder Kapitalzinsen sind die Ausgaben für die Kindergärten aufgestellt. Der Betrieb des Parkkindergartens mit Krippe etwa kostet jährlich knapp 835 000 Euro. Rechnet man die Zuschüsse von Land und Landkreis weg, bleiben 650 000 Euro Abmangel pro Jahr stehen. Legt man diese Kosten auf jedes Kind um, ergäbe das im Durchschnitt einen maximalen Beitragssatz von 493,76 Euro pro Monat.

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Tatsächlich verlangt die Gemeinde derzeit 335 Euro für einen Halbtagsplatz in der Krippe und 503 Euro im Monat für die Ganztagsbetreuung eines Kindes, das ein Jahr alt ist. Für ein Kindergartenkind liegen die Gebühren zwischen 114 und 250 Euro. Dass in Kressbronn streng aufs Geld geschaut wird, zeigt eine sogenannte Sanktionsgebühr laut Satzung: Wer sein Kind länger als vertraglich vereinbart in der Einrichtung lässt, zahlt je angefangene halbe Stunde 35 Euro extra.

Empfehlung: 20 Prozent der Kosten als Elternbeitrag

Damit, rechnet die Verwaltung in dem Regelwerk vor, decken die Elternbeiträge im Parkkindergarten exakt 20 Prozent der Kosten – genau so, wie es die Kirchen und kommunalen Spitzenverbände in Baden-Württemberg seit vielen Jahren empfehlen. Im letzten Rundschreiben von Städte- und Gemeindetag wird für Kinderkrippen ein Beitragssatz von 365 Euro im Monat (bei elf Beiträgen pro Jahr) für eine Betreuungszeit von 30 Stunden pro Woche empfohlen, für Kindergärten 124 Euro.

In vielen Rathäusern wird diese Empfehlung der Kirchen und Spitzenverbände nach wie vor als Entscheidungsgrundlage hergenommen, um fast jährlich steigende Elternbeiträge auch vor ihren Gemeinderäten zu rechtfertigen. Für den Kressbronner Bürgermeister Daniel Enzensperger ist ein Vergleich der Elternbeiträge gar nicht möglich. "Qualitativ gibt es bei den Kinderbetreuungseinrichtungen im Bodenseekreis erhebliche Unterschiede", meint er. Doch diese enorme Spanne der Krippengebühren im Bodenseekreis und in Teilen des Landkreises Sigmaringen (siehe Grafik) hat nicht nur mit Ausstattung und Kosten zu tun. Denn eine gute Kinderbetreuung wird längst nicht mehr überall nur als Kostenfaktor im Haushalt betrachtet.

Inzigkofen will familienfreundlich sein

Ein Beispiel dafür ist Inzigkofen mit vier Kitas, darunter ein kirchlicher Kindergarten. "Wir versuchen, uns das Prädikat familienfreundliche Gemeinde zu bewahren", sagt Bürgermeister Bernd Gombold. Der Ort mit rund 3000 Einwohnern hat mit Sigmaringen und Meßkirch zwei große Nachbarn. "Wenn man nicht dagegen hält, sind Familien mit Kindern schnell weg." So kostet der Halbtagskrippenplatz für alle Eltern 105,35 Euro und gerade mal zehn Euro mehr als vor fünf Jahren, als der SÜDKURIER die Elternbeiträge erstmals vergleichend gegenübergestellt hat. Auch der Ganztagsplatz ist mit 225,74 Euro nahezu unschlagbar günstig.

Markdorf staffelt Beiträge nach dem Elterneinkommen

Friedrichshafen hat seine niedrigen Gebühren seit 2014 nicht erhöht und ist preislich für Eltern mit am günstigsten. Überlingen bietet den Eltern Platz-Sharing an; hier kann man die Betreuung wahlweise an zwei bis fünf Tagen pro Woche buchen. Preislich liegt die Kurstadt im vorderen Mittelfeld. Markdorf staffelt als einzige Gemeinde die Beiträge auch nach dem Einkommen der Eltern. Hat eine Familie brutto weniger als 3300 Euro zur Verfügung, reduziert sich der Ganztagstarif von 476 Euro auf 359 Euro. Bis zu einem Verdienst von 4300 Euro brutto zahlen Eltern 418 Euro. Die sogenannte Sozialstaffel der Beiträge nach Anzahl der Kinder bietet inzwischen fast jede Kommune an. Aber auch andere Gemeinden wie Uhldingen-Mühlhofen etwa versuchen, die Krippengebühren moderat zu halten.

Am teuersten ist es im "Speckgürtel" von Friedrichshafen

Von solchen Beiträge können die Eltern in Immenstaad, Eriskirch, Meckenbeuren, Oberteuringen oder Langenargen im "Speckgürtel" von Friedrichshafen oder in Meersburg nur träumen. Familie Stengel beispielsweise hat zwei Kinder mit vier und zwei Jahren und zahlt für die Ganztagsbetreuung der beiden inklusive Essen 750 Euro im Monat, damit beide berufstätig sein können. Nur Wohnen kostet noch mehr. "Unser Zwergenhaus ist eine tolle Einrichtung, da fühlen sich alle wohl. Aber viele Eltern klagen über die hohen Beiträge", sagt Sebastian Stengel, Vorsitzender des Elternbeirats in der Langenargener Kita. Mit 365 Euro für einen Halbtags-Krippenplatz und 548 Euro für die Ganztagsbetreuung gehört Langenargen zu den teuersten Gemeinden für Eltern mit Knirpsen unter drei Jahren.

Kinderstube statt Krippe in der Kita

In Sipplingen gibt es mit der "Kinderstube" die einzige Einrichtung nach dem Modell der Tagespflege in externen Räumen im Bodenseekreis. Zwei staatlich anerkannte Erzieherinnen stehen hier gemeinsam als Tagesmutter für die Kleinkindbetreuung zur Verfügung. Maximal neun Kinder werden gleichzeitig von den Frauen betreut. "Sie haben jeweils eine Bezugsperson", erklärt Barbara Horneffer vom Jugendamt im Bodenseekreis. Für die Eltern ist somit immer die gleiche Ansprechpartnerin da. So werden Informationen eins zu eins weitergegeben.

Ein weiterer Vorteil: Die Eltern können die Betreuung im Rahmen der Öffnungszeiten von morgens bis in den späten Nachmittag frei wählen. Abgerechnet wird pro Stunde. Die pauschalen Kosten sind denen in Kindertagesstätten gleichgestellt, erklärt Barbara Horneffer. Für das erste Kind im Krippenalter werden laut Satzung des Bodenseekreises pro Betreuungsstunde derzeit 2,51 Euro verlangt. Für einen Halbtagsplatz mit 30 Wochenstunden wären das 301,20 Euro. Für Eltern, die Sozialleistungen beziehen, übernimmt der Bodenseekreis die Kosten.

Möglicherweise wird es auch bald in anderen Gemeinden Kindertagespflege in externen Räumen geben. Das Interesse sei da, sagt Barbara Horneffer, und es gebe Fachkräfte, die sich so selbstständig machen möchten. Das Jugendamt erarbeite hierzu gerade ein Konzept, wie das in der Praxis funktionieren könnte. (kck)