Damit die Strecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell nicht als letzte Dieselstrecke von schnelleren Verbindungen abgehängt ist, hat der Kreistag seine Unterstützung für die Elektrifizierung zugesagt. Der Bodenseekreis sei bereit, sich an den Kosten der Planungsphasen I und II zu beteiligen. Auch einer möglichen Beteiligung an den Betriebskosten des Vorzugskonzepts wurde zugestimmt. Der nächste Schritt führt Landrat Lothar Wölfle unter anderem nach Konstanz, damit es für die Strecke zwischen Bodman-Ludwigshafen und Radolfzell ein ähnliches Signal gibt.

"Vielleicht braucht es eine Initialzündung der Region", sagte Landrat Lothar Wölfle im Kreistag über die Bodenseegürtelbahn, die mit Eigeninitiative dem Erfolgsbeispiel Südbahn folgen könne. Die Kreisräte teilten diese Einschätzung. Denn wegen ihrer regionalen Verbindungen wurde die Verbindung von Friedrichshafen nach Radolfzell nicht im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt. Damit sei auch in Zukunft nicht zu rechnen, sagte Wilfried Franke, Verbandsdirektor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben: "Entweder wir warten weiter oder versuchen, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen."

Die Notwendigkeit einer Elektrifizierung bestritt keiner der Kreisräte, doch die Ankündigung der Sitzungsvorlage, dass durch diesen Beschluss noch keine finanziellen Auswirkungen entstünden, sorgte für Kritik. "Eine kommunale Mitfinanzierung ist nur vorstellbar, wenn die GVFG den Großteil übernimmt", sagte Dieter-Alfons Hornung (CDU). Franke erläuterte zwei Finanzierungsmodelle: Das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz fördert bis zu 75 Prozent, allerdings nur bei Projekten mit zuwendungsfähigen Kosten unter 50 Millionen Euro.

Geeigneter sei das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz-Bundesprogramm (GVFG), das bis zu 60 Prozent der Kosten übernimmt – allerdings nur in Verdichtungsräumen. Franke werde noch abklären, ob der Bodenseekreis als solcher gilt. Dann sei eine Finanzierung möglich, bei der 60 Prozent der Kosten der Bund, 20 Prozent das Land und 20 Prozent die Region tragen. Für einen Bodenseefonds, den die Initiative Bodensee-S-Bahn vorschlage, habe er bisher keinen Ansatz zur Realisierung gefunden. Insgesamt überwog der Optimismus: Roland Karl Weiß von den Freien Wählern stimmte Hornung zwar zu, zitierte dann aber Ferdinand Graf von Zeppelin: "Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es auch gelingen." SPD-Fraktionssprecher Norbert Zeller sagte, dass der Weg "schrittweise konsequent in Einigkeit" vielleicht sogar ein wenig schneller gelinge als bei der Südbahn. "Ich glaube, wir werden uns noch an den Tag erinnern", sagte Landrat Wölfle. Er sprach kurz auch die aktuelle Situation an: Er habe mit dem Verkehrsverbund Bodo die derzeitigen Probleme in Stuttgart vorgebracht. Nun liege es am Land zu handeln. Die SPD wollte einen Ergänzungsantrag mit Verbesserungsvorschlägen einbringen, der wird in der Sitzung am 31. Mai besprochen.

 

Rund um die Bahnstrecke

  • Referenzkonzept: Nach der Elektrifizierung sollen ein Interregio-Express (IRE) und eine Regionalbahn zwischen Friedrichshafen und Radolfzell pro Stunde fahren, das ist Landesstandard. Aktuell fährt zwar stündlich eine Regionalbahn, doch der IRE zwischen Ulm und Basel hält nur im Zwei-Stunden-Takt. Die Infrastrukturkosten belaufen sich auf 4,6 Millionen Euro.
  • Vorzugskonzept: Neben dem stündlichen IRE soll es eine halbstündliche Regionalbahn-Verbindung geben. Die Regionalbahn soll dann bis Singen statt nur bis Radolfzell fahren. Die Infrastrukturkosten werden mit 41,1 Millionen Euro angegeben, für die Region entstehen einmalige Mehrkosten von 36,5 Millionen Euro. Der Kreistag favorisiert dieses Konzept.
  • Betriebskosten: Ein Gutachten rechnet für das Vorzugskonzept mit Mehrkosten von 9,2 Millionen Euro pro Jahr, dazu kommen Einnahmeverluste für den IRE in Höhe von 240 000 Euro. Demgegenüber stehen Mehrerlöse von rund 2,4 Millionen Euro pro Jahr. Die Region muss letztlich voraussichtlich mit jährlichen Kosten von 6,8 Millionen Euro rechnen. Wilfried Franke sagte auch: "Jede Zahl, die wir heute nennen, ist in fünf Jahren höher."
  • Modell Südbahn: Bereits für die Elektrifizierung der Südbahn gab es wichtige Signale aus dem Bodenseekreis, etwa die Übernahme von Planungskosten in Höhe von 2 Millionen Euro. Bis 2021 sollen von Ulm nach Lindau keine Dieselloks mehr fahren.