"Das wird nichts mit Aquakultur im Wasser." So schlussfolgerte der frühere Innenminister Reinhold Gall nach über zweistündiger Diskussion mit Fischern und Anglern, die eine Delegation des Arbeitskreises Ländlicher Raum und Verbraucherschutz der SPD-Landtagsfraktion sowie SPD-Kommunalpolitiker in der Fischhalle Unteruhldingen von Andreas und Marco Knoblauch geführt hatten. Zuvor hatten die Sozialdemokraten auch das Seenforschungsinstitut in Langenargen besucht.

Gall: "Keine politische Rechtfertigung und keine rechtliche Grundlage"

Für eine Aquakultur im Bodensee sehe er "keine politische Rechtfertigung und schon gar keine rechtliche Grundlage", so Gall. Sein Fazit: "Wenn das Pferd totgeritten ist, nimmt man eigentlich den Sattel ab." Gall betonte hingegen: "Ich würde eine Aquakultur an Land unterstützen", Fischzucht also nicht pauschal ablehnen. Seine Fraktion wolle überlegen, welche Initiative pro Kreislaufwirtschaft am See sie anstoßen könnte. Mit Letzterer wären auch die Berufsfischer und Angler einverstanden. Deren Hauptwortführer waren, neben den Gastgebern Knoblauch, Elke Dilger, Vorsitzende der Badischen Berufsfischer, und Thomas Lang, Vizepräsident des Landesfischereiverbandes.

Eine Fischfarm im Mittelmeer bei Marseille: Eine Genossenschaft möchte im Bodensee ebenfalls Fische in Netzgehegen züchten, doch das Vorhaben ist umstritten.
Eine Fischfarm im Mittelmeer bei Marseille: Eine Genossenschaft möchte im Bodensee ebenfalls Fische in Netzgehegen züchten, doch das Vorhaben ist umstritten. | Bild: BORIS HORVAT/AFP

Fischer wollen Abstimmungsrecht in Fischerei-Gremium

Die Fischer gaben den Sozialdemokraten ein weiteres wichtiges Anliegen mit: Sie wünschen sich mehr Mitsprache sowie ein Abstimmungsrecht in der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF). So laufe derzeit in Baden-Württemberg, anders als etwa in Bayern, die Probefischerei, bei der man überprüfe, ob die Fische laichbereit seien, ganz ohne Beteiligung der Fischer ab. Auch bei der Reduzierung der Patente für Berufsfischer bestimme man über deren Köpfe hinweg. "Wir Fischer am Bodensee haben nichts zu sagen", monierte Andreas Knoblauch.

"Unabsehbare Folgen für Wildfische"

So habe man auch das Thema Felchenzucht in Netzgehegen vorangetrieben, obwohl die meisten Fischer sich schon vor Jahren dagegen ausgesprochen hätten. Vehement listeten deren Vertreter erneut die Argumente auf, die aus ihrer Sicht gegen Netzgehege sprechen, zuvorderst die unabsehbaren Folgen für den Fischwildbestand und das Gewässer.

Von Aquakultur, fand Andreas Knoblauch, profitierten doch nicht die Fischer, sondern nur die frisch gegründete Genossenschaft. Thomas Lang meinte: "Die wollen nichts anderes als die billige Produktionsfläche Bodensee." Statt den Aufbau einer Aquakultur mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen, solle die Landesregierung mit dem Geld lieber andere Maßnahmen fördern. Ein Beispiel: "Man muss die Laichplätze reaktivieren", so Lang.

Immer weniger haben die Fischer ihren "Brotfisch" Felchen in den Netzen, weil der See ihnen kaum noch Nahrung bietet.
Immer weniger haben die Fischer ihren "Brotfisch" Felchen in den Netzen, weil der See ihnen kaum noch Nahrung bietet. | Bild: Archiv/FFS Langenargen

Genossenschaftsmitglied plädiert für Pilotversuch

Ein Mitglied der Genossenschaft, der Forellenzüchter Stephan Hofer aus Oberndorf, stieß auch zu dem Gespräch. Knoblauch unterstrich, er arbeite seit 30 Jahren gut mit Hofer zusammen, doch wenn es um Fischzucht im See gehe, "sind wir zwei unterschiedliche Menschen". Die Fischer, so Knoblauch, dürften kein Fitzelchen Fischabfall in den See werfen. Und dann denke man über Fischzucht mit jeder Menge Eintragungen nach. Letztere, so räumte Hofer ein, erzeuge schon "einen gewissen Fußabdruck". Der Wunsch der Genossenschaft sei, dass man es mit Aquakultur im See "mal versucht im kleinen Umfang".

Doch Andreas Knoblauch befürchtet: "Wenn das einmal losgeht, könnte es theoretisch jeder machen." Dilger betonte: "Eigentlich müssten wir das gar nicht diskutieren: Es ist verboten." Norbert Zeller, SPD-Kreisrat und früherer Abgeordneter im Landtag, der die SPD-Fraktion auf dem Laufenden hält und den Kontakt zu den Fischern herstellte, unterstrich: "Für uns als politisch Handelnde hat der See als Trinkwasserspeicher oberste Priorität. Letztlich geht es um die Reinhaltung des Sees, deshalb sind alle Experimente abzulehnen."

Elke Dilger, Vorsitzende der Badischen Berufsfischer, gibt den SPD-Politikern einen Überblick über die Fischerei im Bodensee.
Elke Dilger, Vorsitzende der Badischen Berufsfischer, gibt den SPD-Politikern einen Überblick über die Fischerei im Bodensee. | Bild: Sylvia Floetemeyer