18 Plätze gibt es im Frauen- und Kinderschutzhaus der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Bodenseekreis. Im Schnitt bleiben Frauen hier 2,3 Monate, sagt Leiterin Emmy Megler. Dieser Schnitt sage aber wenig über den tatsächlichen Alltag an der Adresse aus, an der Frauen beispielsweise Schutz vor häuslicher Gewalt finden. Es gebe Frauen, die schon nach wenigen Tagen wieder ausziehen. Andere bleiben für viele Monate.

Startschuss für Projekt "Begleitung im Alltag"

Wohl genauso wenig aussagekräftig wäre ein Durchschnittswert zu der Situation, in der sich die Frauen nach ihrem Auszug zurechtfinden müssen. Um den Start in einen neuen Alltag bei Bedarf unterstützen zu können, startet die Awo nun das Projekt "Begleitung im Alltag" (BiA). Finanziert wird es vom Soroptimist-International-Club Friedrichshafen. Für das Projekt werden Frauen aus dem Bodenseekreis gesucht, die Betroffenen nach dem Auszug ehrenamtlich zur Seite stehen wollen.

Auszug führt immer wieder zu einem Rückschritt

"Frauen, die ausziehen, erleben eine Sollbruchstelle", beschreibt Megler. Ganz unterschiedliche Angelegenheiten könnten dann zur Hürde werden. Ein Internetanschluss soll her, die Umzugsformalitäten müssen erledigt, vielleicht der Kontakt zu Behörden aufrecht erhalten werden. Hinzu kommt nach Wochen oder Monaten im Frauenhaus das plötzliche Alleinsein. Immer wieder führe diese Situation zu einem Rückschritt – zurück zum gewalttätigen Ex-Partner, zurück ins Frauenhaus. "Uns ist es wichtig, dass die Frauen an diesem Punkt nicht allein gelassen werden", sagt Waltraud Schumacher, Präsidentin der Häfler Soroptimistinnen.

Das Gefühl vom Alleinsein nehmen

Ehrenamtliche Helferinnen sollen den Frauen bei praktischen Alltagsfragen zur Seite stehen, oder auch ganz einfach da sein, wenn das plötzliche Alleinsein zu bedrückend wird. Und auch die Alltagsmentorinnen sollen allein gelassen werden. Zum Projekt gehören genauso die Schulung der Helferinnen sowie regelmäßige Treffen zum Austausch, erklärt Kathrin Stumpf, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbands.