Es ist Hochsaison auf den Campingplätzen in der Region. Betreiber und Mitarbeiter sind im Dauerstress, denn vor den Toren des Platzes warten schon wieder neue Gäste. Beim Campingplatz Gohren geht sogar direkt der Anrufbeantworter dran. Ein Mitarbeiter weist in der Bandansage darauf hin, dass für das verlängerte Wochenende zu Fronleichnam schon alles ausgebucht ist. Es käme zwar vor, dass Gäste ihre Reise aus unterschiedlichen Gründen nicht antreten können oder früher als geplant abreisen müssen, eine Garantie für Kurzentschlossene sei das aber nicht. Das gleiche Bild zeichnet sich bei anderen Campingplätzen in der Region ab, egal ob es sich um Friedrichshafen, Uhldingen-Mühlhofen oder Markdorf handelt.

"Es ist definitiv mehr geworden", sagt Jörg Beschnidt. Er ist Platzwart beim Campingplatz Birnau-Maurach in Uhldingen-Mühlhofen. "Wir sind komplett ausgebucht. Für Pfingsten und Fronleichnam ist das völlig normal", erklärt Beschnidt. Nicht selten musste er zu diesen Zeiten auch schon Leute abweisen. "Seitdem der Campingplatz in Überlingen wegen der Landesgartenschau geschlossen wurde, ist die Zahl der Anfragen nochmal gestiegen." Der Platzwart schätzt, dass die Zahl in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen ist. Eine Zahl, die auch zu einer vor Kurzem veröffentlichten Studie der IHK passt: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre habe die Zahl der Camper um 45 Prozent zugelegt.

Auch abseits des Seeufers sind die Campingplätze voll. "Der Mai war komplett ausgebucht", erklärt eine Mitarbeiterin der Campingrezeption vom Wirtshof bei Markdorf. "Das liegt vor allem an den Feiertagen. Unsere Gäste wollen die nutzen." Dass jemand abgewiesen werden musste, komme allerdings nur selten vor. "Die meisten Leute rufen vorher an und fragen nach. Viele wissen, dass es an Pfingsten oder Fronleichnam eng bei uns wird", sagt die Rezeptionistin. Doch auch nach dem mit Feiertagen gefüllten Mai bleibt die Nachfrage nach Stellplätzen hoch: "Ab morgen sind wir wieder voll belegt."

Camping wird immer beliebter, weiß auch Kerstin Boger, Geschäftsführerin des Landesverbands der Campingplatzunternehmer in Baden-Württemberg. "Das hat verschiedene Gründe: Die unruhige Lage in der Welt zum Beispiel. Viele bevorzugen da den Urlaub im eigenen Land", sagt Boger. Hinzu käme die Sehnsucht nach Natur und Freiheit. "Auf einem Campingplatz können Gäste selbst entscheiden, wann sie frühstücken wollen. In einem Hotel müssen die vorgegebenen Zeiten eingehalten werden", meint die Geschäftsführerin.

Direkt am Bodenseeufer liegt der Campingplatz Cap Rotach. Neben Stellplätzen für Wohnmobile kann hier auch gezeltet werden.
Direkt am Bodenseeufer liegt der Campingplatz Cap Rotach. Neben Stellplätzen für Wohnmobile kann hier auch gezeltet werden. | Bild: Sandro Kipar

Vor allem die Vielfalt in Baden-Württemberg hebt Kerstin Boger hervor: "Wir haben den Bodensee, der sicher ein Touristenmagnet ist. Viele fahren zum Wandern aber auch in den Schwarzwald." Allerdings führe die steigende Beliebtheit des Campings auch zu einem Platzproblem. Boger: "Je beliebter die Region, desto schwieriger wird die Suche nach einem Stellplatz. Direkt am Ufer des Bodensees ist es am schwierigsten." Dennoch meint die Geschäftsführerin, dass Spontanurlaube mit dem Wohnwagen noch möglich sind. "Irgendwo gibt es immer einen Platz."

Dem allgemeinen Trend nach oben sieht Kerstin Boger entspannt entgegen. "Die Unternehmer wissen, wann die Stoßzeiten sind. Besonders in den Schulferien, über Pfingsten und Fronleichnam stellen sie sich personell auf viele Gäste ein", sagt die Geschäftsführerin. Hinzu käme, dass auch die Campingplatzbetreiber in den vergangenen Jahren viel investiert hätten. "Der Camper von heute ist anspruchsvoller geworden und lebt nicht mehr so einfach wie früher", meint Boger.

Die Freiheit am Camping schätzen besonders Ute und Franz Spieh. Mit ihrem Wohnwagen ist das Ehepaar von Kiel nach Saarlouis gefahren. "Als es uns dort nicht mehr gefallen hat, sind wir weitergezogen", erzählt Franz Spieh. "Auch in Kehl haben wir nicht viel Zeit verbracht. Es hat fürchterlich geregnet und gestürmt." Daraufhin kamen die Beiden an den Bodensee. In Friedrichshafen haben sie einen Stellplatz bekommen. "Das letzte Mal waren wir hier vor drei Jahren. Wir schätzen vor allem die schöne Aussicht", sagt Ute Spieh. Ihre größte Sorge ist beim Campen das Wetter: "Bei Hagel würde unser Wohnmobil einiges abbekommen. Bei Blech können Dellen ja wieder ausgebeult werden, aber die Verkleidung des Trailers hält nicht so viel aus", erklärt Franz Spieh.