Polizeimeisterin Anna Frik steht an der Eckenerstraße am Straßenrand und winkt mit der Kelle einen Autofahrer heran. Eine Kollegin hat ihr zuvor per Funk durchgegeben, dass dieser während der Fahrt sein Handy benutzt hatte. 100 Euro Bußgeld und ein Punkt werden dafür fällig, plus Bearbeitungsgebühr. Die Polizisten aus Friedrichshafen beteiligen sich mit ihrer Kontrolle am bundesweiten Aktionstag gegen Ablenkung im Straßenverkehr.

Vor Ort nehmen die Polizisten an der Kontrollstelle in Friedrichshafen die Verstöße auf.
Vor Ort nehmen die Polizisten an der Kontrollstelle in Friedrichshafen die Verstöße auf. | Bild: Fabiane Wieland

Die Polizei will darauf aufmerksam machen, wie gefährlich etwa die Handy-Nutzung am Steuer sein kann. Die Menschen sollen aber auch auf andere unterschätzte Gefahren durch Ablenkungen hingewiesen werden. Trinken, Essen, Rauchen oder das Bedienen des Radios führen nach Angaben der Polizei ebenfalls zur Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr. 11 000 Beamte sind in ganz Deutschland für den Aktionstag im Einsatz.

Polizeimeisterin Anna Frik kontrollierte beim Aktionstag Autofahrer in Friedrichshafen.
Polizeimeisterin Anna Frik kontrollierte beim Aktionstag Autofahrer in Friedrichshafen. | Bild: Fabiane Wieland

In Friedrichshafen haben die Polizisten in der ersten halben Stunde ihrer Kontrolle einen Autofahrer ertappt, der das Handy während der Fahrt nutzte. Drei weitere Autofahrer waren nicht angeschnallt. "Während des Berufsverkehrs wären diese Zahlen noch deutlich höher", sagt Polizeihauptkommissar Werner Hepp. Seit Oktober 2017 kostet die Handy-Nutzung am Steuer nicht mehr 60 Euro und einen Punkt, sondern mindestens 100 Euro Bußgeld und einen Punkt.

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Kommt es dabei auch noch zu Gefährdungen oder Sachbeschädigungen steigen die Bußgelder auf 150 beziehungsweise 200 Euro an. Außerdem gibt es dann jeweils zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Nach Angaben des Innenministeriums und des Landespolizeipräsidiums Baden-Württemberg ist nahezu jeder fünfte Verkehrstote in Baden-Württemberg der Unfallursache "Ablenkung im Straßenverkehr" zuzuordnen. Das habe eine Einzelauswertung der tödlichen Verkehrsunfälle im Jahr 2017 ergeben.

Polizeimeisterin Anna Frik und Polizeihauptkommissar Werner Hepp nehmen die Verstöße auf.
Polizeimeisterin Anna Frik und Polizeihauptkommissar Werner Hepp nehmen die Verstöße auf. | Bild: Fabiane Wieland

Um kurz vor zehn, fast eine Stunde nach Beginn der Kontrollen, sind in Friedrichshafen neun Autofahrer angehalten worden, weil sie nicht angeschnallt waren. 30 Euro kostet das die Autofahrer jeweils. Die Ausreden, warum sie den Sicherheitsgurt nicht angelegt haben, haben Werner Hepp und seine Kollegen alle schon einmal gehört: "Ich hab's vergessen, sonst bin ich immer angeschnallt, nur heute nicht, ich bin gerade erst losgefahren und wollte es gleich machen." Zwei Autofahrer wurden mit dem Handy in der Hand ertappt. "Sie waren gar nicht bei der Sache", sagt Anna Frik gerade zu einem Handwerker, der an der Kontrollstelle aus seinem Kleinlastwagen steigt. Er wollte nur mal eben das Gerüst fotografieren, entgegnet dieser.

Mit der Kelle winkt Anna Frik die Autofahrer heran.
Mit der Kelle winkt Anna Frik die Autofahrer heran. | Bild: Fabiane Wieland

Ein Schnappschuss mit dem Handy oder schnell am Steuer eine WhatsApp schreiben: Was für manchen harmlos klingt, stellt sich nach Angaben der Polizei immer häufiger gerade bei schweren und tödlichen Unfällen als Ursache heraus. Auch in der Region sei Ablenkung eine häufige Unfallursache, sagt Werner Hepp. Wer abgelenkt sei, könne beispielsweise mit seinem Wagen in den Gegenverkehr geraten. Doch nicht nur Autofahrer, auch Radfahrer sind immer wieder mit dem Handy in der Hand unterwegs. "Viele wissen noch nicht einmal, dass das nicht erlaubt ist", sagt Anna Frik und hebt erneut die Kelle.