Der Profi: Michael Brier

Michael Brier beschäftigt sich nicht nur zu Silvester mit Feuerwerk. Vor acht Jahren erfüllte er sich seinen Kindheitstraum: Er absolvierte die Ausbildung zum Pyrotechniker. Die Faszination liegt für den Pfullendorfer in der Geschichte des Feuerwerks: „Zum einen hat es eine lange Tradition. Schon die Germanen und Kelten haben lautstark das neue Jahr begrüßt.“ Sie glaubten, die Welt der Lebenden und der Toten würde verschwimmen. Damit neben den Verstorbenen nicht auch noch dämonische Wesen auf die Erde kamen, lärmten sie so laut wie möglich. In China flogen rund 900 Jahre nach Erfindung des Schwarzpulvers gegen Ende des ersten Jahrtausends die ersten bunten Raketen. So kam neben dem Knallen auch die Farbe ins Spiel. Holländische Seefahrer brachten Ende des 13. Jahrhunderts das Schwarzpulver nach Europa. Brier weiß, wie die Geschichte weitergeht: „Im Barock war es der Adel, der mit opulenten und kostspieligen Licht- und Knallinstallationen zu glänzen versuchte.“ Diese Exklusivität ist aktuell zwar nicht mehr gegeben. „Heutzutage kann sich eigentlich jeder Feuerwerkskörper leisten“, ergänzt der Pfullendorfer, „und der Reiz am Selberzünden ist sicherlich auch eine Antriebsfeder.“ Brier, der selbst auch an Silvester die eine oder andere Rakete steigen lässt, kennt auch die Bedenken der Tierschützer.

Wenn er selbst ein Feuerwerk plant, achtet er sowohl auf die Anwohner und Tiere in der Umgebung und verwendet dann auch gegebenenfalls sogenanntes „Leises Feuerwerk“. „Natürlich ist auch das nicht lautlos, aber bei Weitem nicht so dröhnend.“ Auch beim eigenen Silvestereinkauf könne man auf solche Varianten zurückgreifen. Der Pyrotechniker rät: „Vulkane und römische Lichtkugeln sind geräuschärmer.“ (mku)

Der Skeptiker: Uwe Elbs

Während die einen verzückt in den Himmel blicken und sich an dem Feuerwerkspektakel erfreuen, fragen sich andere, ob die Knallerei denn wirklich sein muss. Tierfreunde denken dabei besonders an die Vierbeiner, für die der Lärm oft schwer zu ertragen ist. Der Vorsitzende des Hundevereins Überlingen, Uwe Elbs, betont, dass Tiere zwar unterschiedlich reagierten, dass die heftige Knallerei an Silvester für die meisten aber schlimm sei. „Hunde nehmen Geräusche viel intensiver wahr, deshalb sind Heuler oder Böller und Raketen für sie schrecklich laut. Sie wissen nicht, woher das unerwartete Geräusch kommt und es kann zu regelrechter Panik führen“, sagt er. Bei diesem Lärm verändert sich das Verhalten der Tiere: „Sie verstecken sich, haben Panik und Angst, sind verunsichert und schreckhaft, oder sogar aggressiv weil sie mit dem Stresspegel nicht zurechtkommen, Fluchtreflexe setzten ein, sie kriechen unter Bett und Tisch und bei Unachtsamkeit sind schon viele Hunde in der Silvesternacht davongerannt.“ Wie kann man den vierbeinigen Lieblingen helfen, diese für sie so schwierige Nacht durchzustehen? „Die Hunde auf keinen Fall alleine lassen, Zuneigung und Zuwendung geben. Sie ablenken, wenn möglich den Hund aus der direkten Situation rausnehmen“, rät der Vorsitzende des Überlinger Hundevereins. Und vielleicht einfach an einen ruhigen Ort ausweichen, an dem es kein Silvestergeknalle gibt. Diese Empfehlung gilt übrigens auch für alle Nicht-Tierhalter, die Feuerwerk nicht mögen. Einfach ein paar Tage in der Abgeschiedenheit verbringen! (mst)

Der Fan: Christian Schmidt-Roedenbeck

Es knallt, zischt, funkelt und pfeift. Genau richtig, findet der Überlinger Betriebswirt Christian Schmidt-Roedenbeck, der auch an diesem Silvester wieder ein Feuerwerk abbrennen wird. „Ich finde diese Vielfalt, das Bunte, die Geräuschkulisse so faszinierend. Dass man sich so auf das Feuerwerk so fokussieren kann, dass man in Gedanken total abschweift, sich in den Bann ziehen lässt, finde ich schön“, erklärt er seine Faszination. Ein finanzielles Limit setzt sich Schmidt-Roedenbeck für das Silvesterfeuerwerk nicht: „Ich schaue, was mir gefällt und versuche es dann im Rahmen zu halten. Aber 300 Euro würde ich jetzt nicht ausgeben, das wäre zu viel.“ Denn für ihn kommt es beim Feuerwerk nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an. „Gerade diese Batterien, die man einmal anzündet, sind toll“, meint er. „Wenn die Batterie Ringe in den Himmel zaubert, ist das einfach schön. Durch das einmalige Anzünden kann man sich danebenstellen, genießen und zuschauen.“ Und Abstand sollte man halten, rät Schmidt-Roedenbeck: „Ich achte darauf, dass die Leute nicht zu nahe dranstehen und ich nichts Fremdes beschädige.“ Jugendliche mit Böllern fehlen manchmal noch der Überblick und das Verantwortungsbewusstsein. „Die machen sich teilweise einen Spaß daraus, Böller zwischen die Füße zu schmeißen oder Raketen längs am Boden sausen zu lassen“, hat er beobachtet. Aber der Leichtsinn betreffe nicht nur Jugendliche. Wenn getrunken werde, falle auch bei den Erwachsenen leider oft die Hemmschwelle: „Es ist Sprengstoff, man muss seine sieben Sinne beisammenhaben.“ (md)

Der Saubermacher: Thomas Schäfer

Die einen knallen, die anderen müssen aufräumen: Thomas Schäfer, Mitarbeiter des Überlinger Betriebshofs, ist dieses Jahr an Silvester für den Winterdienst eingeteilt und damit am Neujahrsmorgen Teil des Aufräumtrupps. Wenn die meisten noch in den Federn liegen, sind er und vier weitere Überlinger Werkhofmitarbeiter bereits auf den Beinen und sorgen dafür, dass das Stadtbild schnellstmöglich von den Spuren der ausgelassenen Feierlichkeiten der vorherigen Nacht befreit wird. „Es hat Jahre gegeben, in denen die ganze Franziskanerstraße rot war vor lauter Kracherpapier und dem Sand, der in den Böllern drin ist“, erzählt der Überlinger. Schäfer hat aber den Eindruck, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren zum Positiven entwickelt hat: „Seit es die Batterien gibt, ist es besser geworden.“ Im Vergleich zu den einzelnen Raketen, bei denen man jeweils einen Holzstab, einen Pappdeckel und einen Zündschnurdeckel aufsammeln muss, lassen sich die Batterien mit einem Griff kompakt beseitigen. Das vereinfacht die Aufräumarbeiten enorm, da sich der Müll weniger verteilt. Genauso verhält es sich mit Glasflaschen. Eine intakte Flasche ist schnell aufgehoben, für den größeren Aufwand sorgen die Scherben. „Wenn es dann noch ein bisschen Schnee hat, sieht man die fast nicht“, schildert Schäfer das Problem. Die Frage, ob er am Jahresende automatisch an Müllberge denke, wenn Raketen in die Luft steigen, verneint er. Das Feuerwerk kann Schäfer trotzdem genießen: „Als Familienvater gehört ein bisschen Böllern zu Silvester einfach dazu.“ Genauso wie das Aufräumen am nächsten Tag. (eo)