Der Breitbandausbau im Bodenseekreis kam bei der jüngsten Sitzung des Kreistags einen großen Schritt voran. Einstimmig beschlossen die Räte, dass der Landkreis die Kosten in Höhe von voraussichtlich 2,3 Millionen Euro für den Bau eines kreisweiten Backbone-Netzes übernimmt. Außerdem beauftragte der Kreistag die Verwaltung, die Gründung eines Zweckverbands für den Breitbandausbau vorzubereiten.

Wölfle: "Der freie Markt richtet es nicht"

"Leider wollen nicht alle Gemeinden bei diesem Zweckverband mitmachen", informierte Landrat Lothar Wölfle. Nichtsdestotrotz solle der Landkreis fit gemacht werde für die Zukunft. "Der freie Markt richtet es nicht. Wenn es darum geht, einen Hof auf dem Land anzuschließen, duckt sich jedes Unternehmen weg", sagte Wölfle. Nun mache sich der Landkreis auf den Weg, Infrastruktur zu schaffen, die Wettbewerb und freier Markt nicht hinbekommen. Dabei seien die Überlegungen genau die gleichen wie im Jahr 1909, als im Kreis ein Zweckverband zur Stromversorgung gegründet wurde.

Gesamtnetz mit 262 Kilometern und 70 Übergabepunkten

Zu rechnen sei laut der Planung der Firma MRK Media AG mit einem Gesamtnetz mit einer Gesamtlänge von 262 Kilometern und 70 Übergabepunkten. Ausgegangen wird von Kosten in Höhe von insgesamt 22,63 Millionen Euro für die Herstellung. Der Zweckverband Breitbandausbau könnte neben laufenden betrieblichen Erträgen wie Nutzungsentgelten, Fördergeldern und Zuschüssen zur Finanzierung des Baus und des Betriebs Darlehen zu günstigen Konditionen aufnehmen, informierte Irmtraud Schuster, Dezernentin für Umwelt und Technik.

Zweckverband soll im Januar 2019 gegründet werden

Für eventuelle Fehlbeträge würde der Bodenseekreis aufkommen. "Voraussichtlich sei mit 2,3 Millionen Euro zu rechnen, die sich auf die Bauzeit verteilen, sodass jährlich 500 000 Euro anfallen werden", erläuterte Schuster die Planung. Ziel sei, den Zweckverband im Januar 2019 zu gründen.

Datenbedarf wird weiter wachsen

"Der Ausbau der Breitbandnetze zählt zu den wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Der Datenbedarf wird weiter anwachsen", begründete Manfred Härle (CDU) die Zustimmung seiner Fraktion. Henrik Wengert (Freie Wähler) unterstrich, dass es höchste Zeit sei, das Backbone-Netz auszuschreiben. Dafür seien enorme finanzielle Anstrengungen nötig. "Der Landkreis und die Kommunen machen es nicht, weil es sich um eine Pflichtaufgabe handelt, sondern weil der freie Markt das Problem nicht löst", so Wengert.

"Autobahnen" unter der Erde

Ein klares Ja kam auch von Bündnis 90/Die Grünen. "Wir sind für Autobahnen auf dem Land, wenn sie unter der Erde liegen", sagte Matthias Heidenreich. Landrat Wölfle betonte, dass ein Miteinander von Städten, Gemeinden und Landkreis nötig sei. "Sonst funktioniert die ganze Sache nicht."