Ein Geschäftsmann, eine junge Frau und ein Schüler: Sie alle sind lachend auf der Informationsbroschüre der Deutschen Bahn zum neuen Übergangsvertrag abgebildet. Gar nicht mehr zum Lachen zumute ist es inzwischen den Fahrgästen, die täglich auf der Bodenseegürtelbahn unterwegs sind. Hatte die Deutsche Bahn anfangs bessere Züge und pünktlichere Verbindungen versprochen, haben es die Reisenden zwischen Friedrichshafen und Radolfzell seit Monaten mit desolaten Zuständen auf der Strecke zu tun.

Dem Landtagsabgeordneten Martin Hahn (Bündnis 90/Die Grünen) wäre es am liebsten, wenn Verkehrsminister Winfried Hermann die Bahn wegen der Missstände auf der Bodenseegürtelbahn abmahnen würde, ließ er gestern mitteilen. "Die erste Abmahnung ist fällig", sagte der Landtagsabgeordnete auf Nachfrage. Die DB Regio stelle beschämendes Material zur Verfügung. Fest steht Hahn zufolge, dass allein im Januar 67 Züge ausgefallen seien. "Das entspricht einer Ausfallquote von 1,8 Prozent. Normal wären maximal 1,0 Prozent", so der Landtagsabgeordnete. Die Schuld für die Ausfälle sieht Hahn bei der DB Regio. Und diese gibt in einer Stellungnahme zum Übergangsvertrag zu: "Wir wussten um die große Herausforderung, haben sie aber teilweise unterschätzt. Der Übergang war geprägt einerseits von technischen Problemen mit den Fahrzeugen, und im Oktober sowie um den Jahreswechsel durch einen unerwartet hohen Krankenstand bei Triebfahrzeugführern und Kundenbetreuern.

" Im Januar hätte die länger andauernde winterliche Witterung auch den Fahrzeugen auf der Bodenseegürtelbahn zugesetzt. "Die Fahrzeuge der Baureihe VT 650 waren sehr stark vereist und mussten vor den planmäßigen Werkstattbesuchen enteist werden. Dieser zusätzliche Zeitaufwand erschwerte in Verbindung mit einem witterungsbedingten Anstieg von Fahrzeugstörungen auch die 'normale' Instandhaltung", schreibt das Stuttgarter Regionalbüro. Teilweise seien dadurch Züge entfallen und es sei zu Einschränkungen im Platzangebot gekommen. „Ich möchte das eigentlich nicht mehr hören“, kommentiert Martin Hahn indes die Erklärungsversuche. Sein Verständnis für die Deutsche Bahn sei mittlerweile aufgebraucht.

Der Landtagsabgeordnete hält es für sinnvoll, in die Grenzregionen Schweiz und Österreich auszuströmen – auf der Suche nach einem neuen Partner für den Schienenverkehr. Nach einer zweiten Abmahnung wäre nämlich die Kündigung des Übergangsvertrags mit der Deutschen Bahn möglich. „Was zwischen Konstanz und Engen klappt, könnte auch zwischen Friedrichshafen und Radolfzell funktionieren“, vermutet Hahn. Dort gehört der Seehas – eine Marke der Schweizer SBB – fest zum Fahrplan. Vertraglich wird Verkehrsminister Winfried Hermann bislang aber von einer Abmahnung abgehalten. Der Grund: Die Bodenseegürtelbahn gehört zum Los 16 im Übergangsvertrag und dieses hat in seiner Gesamtheit eine Zugausfallrate von lediglich 0,1 Prozent. Ab Mitte März können die Fahrgäste mit Verbesserungen auf der Bodenseegürtelbahn rechnen. "Die Leute ärgern sich aber heute", bedauert Hahn.

Zum Übergangsvertrag

Die Bodenseegürtelbahn gehört zu Los 16 im Übergangsvertrag mit der DB Regio AG. Geschlossen wurde er nach der Ausschreibung der Leistungen. In Baden-Württemberg verlaufen mehr als 4000 Kilometer Schienenstrecken. Die Bodenseegürtelbahn ist ein kleiner Bestandteil davon. Der Übergangsvertrag schließt seit dem 1. Oktober die Lücke zwischen dem abgelaufenen großen Verkehrsvertrag und den Nachfolgeverträgen. Diese starten in den Jahren 2017 bis 2019.