Bis 2025 soll die Bodenseegürtelbahn unter Strom fahren. So plant es die Landesregierung, die ihr Konzept einer landesweiten "Elektrifizierungs-Initiative" kürzlich vorgestellt hat und mit rund 280 Millionen Euro auch kofinanzieren will. Dabei soll auch die Lücke in der Oberleitung zwischen Radolfzell und Friedrichshafen geschlossen werden.

Martin Hahn, Grünen-Landtagsabgeordneter aus dem Bodenseekreis, freut sich über die Initiative des Verkehrsministers. „Ich bin froh über die hohe Priorisierung der Gürtelbahn und freue mich über die Zusage der Kostenübernahme durch das Land", teilt er mit. Ob der Plan allerdings auch so umgesetzt wird, hänge entscheidend vom Bund ab, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage. Winfried Hermann habe deutlich darauf hingewiesen, dass die vom Land priorisierten Maßnahmen nur umgesetzt werden können, wenn ein Sonderprogramm des Bundes dafür aufgelegt wird. Die neue Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag Mittel aus dem GVFG-Programm für den Ausbau des elektrifizierten Schienennetzes in Aussicht gestellt, womit sie 60 Prozent der Kosten übernimmt. Je 20 Prozent müssen Länder und Kommunen finanzieren.

Offen ist nach wie vor die Frage, ob bei der Bodenseegürtelbahn nicht doch alternative Technologien zum Einsatz kommen. Bekanntlich gibt es Ratsbeschlüse in Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen, nach denen keine Oberleitungen in ihren Orten gebaut werden sollen. Nach Aussage von Martin Hahn käme eine Hybrid-Lösung nicht in Frage, da Batterie- oder Brennstoffzellenzüge auf Strecken, die mit dem zur Elektrifizierung notwendigen Fahrdraht ausgestattet sind, gar nicht eingesetzt werden könnten. Diese Aussage könne man "derzeit nicht näher einordnen", nimmt das Verkehrsministerium Stellung. Zwar sei aus Sicht des Landes die Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn sinnvoll, da durchgehende Verkehre von Basel nach Singen geplant sind. Ansonsten müsste man für eine relativ lange Strecke Hybridfahrzeuge anschaffen, um einen kurzen nicht-elektrifizierten Streckenabschnitt zu überbrücken. Aber vom Tisch sei das Thema derzeit noch nicht, da die Finanzierung noch nicht geklärt sei.

Auch die Bodensee-S-Bahn-Initiative plädiert für eine durchgängige Oberleitung. Die Lücke im Netz müsse vollständig geschlossen werden. Sonst wäre die Bahn im Bodenseeraum von Spezialfahrzeugen abhängig, die im harten Bahnbetrieb nicht erprobt seien.