Auch Vertreter aus der Region waren bei der Veranstaltung im Januar vor Ort. Landrat Lothar Wölfle hatte nach der Sitzung betont: „In der Theorie haben wir erreicht, was wir erreichen wollten, jetzt kommt der Praxistest.“

Landrat Wölfle: Die gemachten Zusagen müssen eingehalten werden

Doch genau daran scheint es derzeit zu scheitern. Nur wenige Monate nach dem Treffen und der Vorstellung des Zwei-Stufen-Plans zur Verbesserung häufen sich erneut Beschwerden über Ausfälle und Verspätungen – auch beim Landratsamt im Bodenseekreis. Zwar seien zusätzliche Fahrten in den Hauptverkehrszeiten eingerichtet worden, "jedoch fallen immer wieder Züge aus und Verspätungen waren im Spätsommer gefühlt eher die Regel, denn die Ausnahme", teilt die Kreisbehörde auf Anfrage mit. Landrat Lothar Wölfle fordert: Die gemachten Zusagen müssen eingehalten werden. Der Betrieb auf der Gürtelbahn muss wieder zuverlässig laufen und die Menschen in der Region müssen sich auf ihre Anschlüsse verlassen können.

Beschwerden online übermitteln

Die Qualität der Bodenseegürtelbahn beschäftigt auch den Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund (Bodo). Von dem im Frühjahr vorgestellten Maßnahmenpaket durch Ministerium und Eisenbahnverkehrsunternehmen ist laut Bodo nicht viel übrig geblieben. Inzwischen können Kunden Anregungen, Lob oder Kritik zur Bodenseegürtelbahn an den Verkehrsverbund online übermitteln. Die Nachrichten gehen an die Bodo-Geschäftsstelle, werden dort gesammelt und an den verantwortlichen Betreiber, die DB-Regio, weitergeleitet. „Aktuelle Meldungen und Anregungen von Kunden sind uns wichtig, um Verbesserungen auf der Bodenseegürtelbahn voranzutreiben“, so Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler.

Wird es einen Vor-Ort-Termin geben?

Vergangene Woche hatte Bodo zum ersten Mal auf das neue Angebot hingewiesen. "Die neu eingeführte Ebene im Serviceportal hat seit der Einführung acht Beschwerden herausgefiltert", betont Natalie Hartmann, bei Bodo für den Kundenservice und digitale Medien zuständig, und fügt hinzu: "Über andere Kanäle erreichen uns derzeit noch mehr Beschwerden zur Bodenseegürtelbahn." Die Hauptkritikpunkte seien dabei Verspätungen, Zugausfälle ohne Ersatz, defekte Toiletten, Klimaanlagen und Heizungen sowie zu wenig bereitgestellte Triebwagen. Positive Rückmeldung gebe es wenig, vereinzelt zu den zusätzlichen Zügen am Nachmittag. Nach Angaben des Landratsamts plant das Verkehrsministerium jetzt einen Vor-Ort-Termin. Das Land hat sich dazu am Freitag geäußert:

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Für Wilfried Franke, Geschäftsführer des Interessenverbands Bodenseegürtelbahn und Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben in Personalunion, geht an der Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell mittel- bis langfristig kein Weg vorbei. "Wir sind voll entschlossen", sagt er. Spätestens, wenn im Jahr 2026 auch die Gleise am Hochrhein unter Strom stehen, gebe es zum Lückenschluss des Diesellochs am Bodensee keine vernünftige Alternative mehr.

Hybridzügen als Zwischenlösung

Bis dahin könne der Betrieb des Verkehrs auf der Gürtelbahn mit Hybridzügen eine deutliche Verbesserung darstellen, denn derzeit sei die Bedienung der Strecke "hundsmiserabel". Wilfried Franke geht davon aus, dass alle kommunalen Partner ihre Bereitschaft erklären und finanzielle Mittel bereitstellen, um die Vorplanung für die Elektrifizierung in Auftrag geben zu können. Dass dann locker zehn Jahre ins Land gehen können, bis tatsächlich Oberleitungen gebaut werden, habe das Projekt Südbahn hinreichend gezeigt. Auch mit der Elektrifizierung der Strecke Ulm–Friedrichshafen–Lindau wäre man heute nicht so weit, wenn die Kommunen die Planung 2008 mit einer Finanzierungsvereinbarung mit der Bahn nicht auf den Weg gebracht hätten.

3,8 Millionen Euro für Planungen

Derzeit sammelt der Interessenverband mehr als drei Millionen Euro bei seinen kommunalen Partnern in den Landkreisen Konstanz und Bodenseekreis, um die Planung der Bodenseegürtelbahn-Elektrifizierung zu finanzieren. Der Kreistag in Konstanz hatte bereits vor der Sommerpause beschlossen, 1,5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die Planungskosten für die bevorzugte Variante mit Interregioexpress (IRE) im Stundentakt und Regionalbahn (RB) im halbstündlichen Rhythmus werden für die beiden ersten Leistunsphasen auf 3,8 Millionen Euro beziffert. Der Anteil des Landkreises Konstanz beträgt 40 Prozent – entsprechend dem Anteil an der Strecke. Auf den Bodenseekreis entfallen 60 Prozent, also 2,28 Millionen Euro. Allerdings rechnet der Interessenverband für den Bodenseekreis mit rund 1,8 Millionen Euro. Die Differenz werde voraussichtlich vom Land übernommen.

Jetzt müssen Gremien in der Region entscheiden

Die Summe soll im Bodenseekreis zu 50 Prozent vom Landkreis und zu 50 Prozent von den Gemeinden an der Strecke getragen werden. Kommunen wie Markdorf, Bermatingen und Uhldingen-Mühlhofen haben bereits zugestimmt. Auch bei der Stadt Friedrichshafen steht die Entscheidung am Montag im Gemeinderat an. Ob der Kreistag bereits in seiner Sitzung am 16. Oktober über die Planungskosten abstimmen wird, steht noch nicht fest.

Informationen im Internet: serviceportal.bodo.de/bodo-service.html