Nach vielen Jahren mit einer ungenügenden Durchmischung wurden laut einer Mitteilung der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) die Sauerstoffvorräte bis zum Seegrund wieder aufgefüllt. Gerade in Zeiten des Klimawandels mit steigenden Temperaturen sei dies von großer Bedeutung.

Schlechtester Wert 2016

In den zurückliegenden Jahren hatte vor allem ein anderer Trend unvermindert angehalten: Von 2007 bis 2011 hatte sich der See nur ungenügend durchmischt. Zum Ende des Winters 2012 gab es zwar eine halbwegs gute Durchmischung, doch anschließend zehrt der Bodensee laut IGKB von dem damals in die Tiefe verfrachteten Sauerstoff mit einer Konzentration von fast elf Milligramm pro Liter im März 2012. Im November 2016 wurde schließlich ein Gehalt von nur noch 5,2 Milligramm pro Liter Sauerstoff gemessen. "Das war der bislang schlechteste Wert seit vielen Jahren", erklärt Harald Hetzenauer, Leiter des Langenargener Instituts für Seenforschung, auf Anfrage des SÜDKURIER. 2017 lag der Wert bei sechs bis acht Milligramm. "In diesem Jahr ist der Sauerstoffvorrat in der Tiefe so gut wie seit Jahren nicht mehr", erklärt der Seenforscher weiter. Anfang März war das Wasser des Sees nach den Ergebnissen der Gewässerschutzkommission von der Oberfläche bis zum Seegrund in 251 Meter bei Konzentrationen von durchweg über zehn Milligramm pro Liter gut mit Sauerstoff gesättigt. Ähnlich viel Sauerstoff hatte der See nach Angaben der Forscher das letzte Mal vor zwölf Jahren im Frühjahr 2006 getankt.

Auf Sauerstoff angewiesen

Das Institut für Seenforschung in Langenargen nimmt im Auftrag der Gewässerschutzkommission Messungen im See vor, darunter auch an dessen tiefster Stelle zwischen Fischbach und Uttwil (Schweiz). Eine gute Durchmischung der Wasserschichten ist wichtig für die Gesundheit von Seen. Die Eier der Felchen und anderer Fische benötigen für ihre Entwicklung am Seegrund Sauerstoff. Auch andere in der Tiefe lebende Organismen seien darauf angewiesen, darunter die Mikroorganismen, die abgestorbene Pflanzen und Tiere abbauen. Entscheidend für die gute Durchmischung waren in diesem Winter weniger die heftigen Stürme im Januar, sondern vor allem die niedrigen Temperaturen im Februar und Anfang März, so die Gewässerschutzkommission. Dadurch seien insbesondere die Buchten und Flachwassergebiete des Sees stark ausgekühlt, allen voran die Bregenzer Bucht. Das kalte, sauerstoffreiche Wasser aus den Randzonen rutschte dann förmlich in die Tiefe.

Klimawandel hinterlässt Spuren

Allerdings hinterlässt der Klimawandel nach Angaben der Forscher auch bei einer so guten Durchmischung des Sees wie in diesem Jahr seine Spuren: „Bei einer Vollzirkulation lagen die Wassertemperaturen in den 1980er Jahren bei etwa vier Grad Celsius, heute ist das Wasser bei einem solchen Ereignis mit 4,5 bis fünf Grad deutlich wärmer“, erläutert Harald Hetzenauer. Steigende Wassertemperaturen machen eine Durchmischung insgesamt schwieriger. Denn: Je wärmer das Oberflächenwasser ist, desto größer sind die Dichteunterschiede zwischen dem leichteren warmen Wasser in den oberen Seeschichten und dem schwereren kälteren Tiefenwasser – und desto stabiler ist die Schichtung.

Inzwischen herrschen laut IGKB im flachen Wasser Temperaturen von rund 14 Grad. "Das ist wärmer als sonst im April. Gerade die Uferzonen würden sich derzeit schnell aufheizen. Auf die gute Durchmischung mit Sauerstoff in 250 Metern Tiefe wirkt sich dies nicht mehr aus", erläutert Hetzenauer. Die Schichten seien stabil.

 

Kommission

Seit 1959 arbeiten rund um den Bodensee die Länder und Kantone Baden-Württemberg, Bayern, Schweiz und Österreich in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) zusammen. Wichtigstes Ziel ist die Reinhaltung des Sees, die laufende Überwachung und die nachhaltige Entwicklung der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt.