Es gibt ihn doch noch im Bodensee: den Tiefwassersaibling. Im Jahr 2008 wurde der Fisch von der Naturschutzunion IUCN für ausgestorben erklärt. Große Augen machten die Experten dann, als sie 2014 einige wenige Exemplare des Tiefwassersaiblings in den Händen hielten. An die große Glocke hingen die Forscher den Fund nicht. "Es wurde Zeit gebraucht für weitere Untersuchungen", sagt Andri Bryner, Pressesprecher des Schweizer Wasserforschungsinstituts EAWAG. Unter anderem wurden genetisch geforscht. Im Rahmen des breit angelegten Forschungsprogramm "Projekt Lac" tauchte der Tiefwassersaibling im Bodensee wieder auf. Beteiligt an den Untersuchungen war auch die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen. 2015 sei der Bodensee sechs Wochen intensiv von Forschungseinrichtungen befischt worden, sagt der Leiter der Fischereiforschungsstelle, Alexander Brinker. Die gezielte Suche war erfolgreich: Vor Überlingen gingen etwa zehn Tiefwassersaiblinge ins Netz.

Seinen Namen verdankt der Fisch seinem bevorzugten Aufenthaltsort: Er kam bis in die 60er Jahre noch recht häufig im Bodensee in Tiefen um 80 Meter vor. Ein ausgewachsener Fisch misst knapp 25 Zentimeter. Die Flanken sind gelblich bis silbrig, manchmal mit blassen hellen Flecken. Bei den bräunlichen bis rötlichbraunen Flossen fehlen die weißen Ränder der anderen Saiblingarten. Auf seinem Speiseplan stehen bevorzugt Strudelwürmer, Kleinkrebse und Muscheln. Der Fisch legt die Eier in 60 bis 80 Meter Tiefe auf den Kiesgrund. Und tut es offenbar immer noch. Unklar ist, wie groß die Population noch ist, aus denen die jetzt gefundenen Exemplare stammen.

"Das sollte in Zukunft untersucht werden", sagt Andri Bryner. Eine Population braucht eine gewisse Größe, um langfristig zu überleben. Forscher Ole Seehausen von der EAWAG berichtet davon, dass noch Mitte der 70er Fischer oft mehrere Kilo des Tiefwassersaiblings in ihren Netzen hatten.

Ab den 80er Jahren gingen die Bestände zurück, als die Nährstoffeinträge in den Bodensee wuchsen und der Sauerstoffgehalt sank. Fachleute sprechen von Eutrophierung. Das bekam den Tiefwassersaibling nicht. "Die Eier ganz nah am Grund bekamen zu wenig Sauerstoff", erklärt Alexander Brinker, der Nachwuchs blieb aus. Offenbar hat der Tiefwassersaibling diese Phase überstanden und überlebt. Ob das auch für den Bodensee-Kilch gilt, wissen die die Forscher nicht. Die Felchenart gilt seit den 70er Jahren als ausgestorben. Im Oktober werfen die Langenargener Forscher wieder gezielt Netze aus – wer weiß, vielleicht wurde bislang einfach an den falschen Stellen gefischt.