Nur noch wenige Wochen, dann werden die Lager weitgehend leer sein. Wurden in der Bodenseeregion vor etwa einem Jahr noch rund 92 000 Tonnen Äpfel gelagert, sind es ein Jahr später zur gleichen Zeit gerade einmal 15 300 Tonnen (Stand: 1. Februar). „Das ist ein Minus von 83 Prozent“, betont Eugen Setz, Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Marketinggesellschaft. Bei einem rasanten Abbau dieser Bestände sei mit einem Ende der Vermarktungszeit im März oder April zu rechnen, normalerweise ende die Saison im Juli.

Nach den gravierenden Ernteeinbußen durch Frostschäden im vergangenen Frühjahr sank die Apfelproduktion am Bodensee 2017 auf gerade einmal 85 000 Tonnen (minus 70 Prozent zum Vorjahr). Nach Angaben von Obst vom Bodensee die „geringste Erntemenge seit 1991“. Da es bei den am längsten lagerbaren Sorten, etwa Jonagold, die höchsten Ausfälle gab, endet die Saison damit auch deutlich früher, macht Setz beim Pressegespräch zur Fruchtwelt Bodensee deutlich. „2017 stand unter einem schlechten Stern“, so Setz. Dass das Land nun die angekündigten Frosthilfen ausbezahlt, sei gut, „es ersetzt aber natürlich nicht den tatsächlich entstandenen wirtschaftlichen Schaden“, macht er deutlich. Die bewilligte Summe sei je nach Schaden unterschiedlich, die Obergrenze liege bei 50 000 Euro pro Betrieb. Das Land hatte die Frostnächte im April 2017 als Naturkatastrophe eingestuft und damit Zuwendungen möglich gemacht.

Die dramatischen Ernteeinbußen nach den Frostnächsten im April 2017 werden auch Thema bei der Fruchtwelt Bodensee sein.
Die dramatischen Ernteeinbußen nach den Frostnächsten im April 2017 werden auch Thema bei der Fruchtwelt Bodensee sein. | Bild: Patrick Seeger

Im Schnitt geben laut Eugen Setz pro Jahr etwa drei Prozent der landwirschaftlichen Betriebe auf. Ob diese Zahl nach den Einbußen durch die Frostnächte steigen wird, sei noch nicht klar. „Das wird sich erst noch zeigen“, sagt Setz. Eine wichtige Prognose für die Zukunft des Obstbaus sei, dass die Obstblüte früher einsetzen und damit die Gefahr für Blütenfrost steigen wird. Daher sei es für die Obstbauern wichtig, Vorsorge zu treffen – beispielsweise mit dem Abschluss einer Versicherung. Um bezahlbare Lösungen dafür zu finden, seien allerdings staatliche Beihilfen nötig. Bei den Bodensee-Obstbautagen, die am Freitag im Rahmen der Messe eröffnet werden, werden Vorträge zu diesem Thema angeboten. Der Klimawandel rücke insgesamt in den Mittelpunkt der Obstbautage. Außerdem hofft Setz auf ein positives Signal von Landwirtschafsminister Peter Hauk. Auch die Frostschutzberegnung könne ein Thema für Betriebe sein. „Laut einer Abfrage haben 90 Betriebe in der Region Interesse an solchen Maßnahmen“, betont Eugen Setz.

Fruchtwelt, Bodensee-Obstbautage und Tag der Brenner

  • Öffnungszeiten
    Die Fruchtwelt Bodensee findet alle zwei Jahre in Friedrichshafen statt. Sie beginnt am Freitag, 23. Februar, und endet am Sonntag, 25. Februar. Am Freitag und Samstag hat die Fachmesse für Erwerbsobstbau, Destillation und Agrartechnik von 9 bis 18 Uhr, am Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Erwartet werden 381 Aussteller aus 13 Ländern.
  • Eintrittspreise
    Eine Tageskarte kostet an der Messekasse 11 Euro, online 10 Euro, ermäßigt 9 Euro. Die Zwei-Tages-Karte kostet 19 Euro (online 18 Euro). Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Parkplatz: 5 Euro.
  • Tagungen
    Bei den Bodensee-Obstbautagen werden Vorträge und Diskussionen angeboten. Minister Peter Hauk kommt am Freitag zur Eröffnung. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr. Der Tag der Brenner steht am Sonntag, 25. Februar, auf dem Programm. Die Veranstaltung beginnt ebenfalls um 10 Uhr.
  • Anfahrt
    Die Silberpfeile der Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH sind zur Fruchtwelt Bodensee wieder verstärkt im Einsatz. Zur Messe verkehrt die Linie 17 – der Messe-Express – zwischen Stadtbahnhof, Hafenbahnhof und Messegelände. Auf dieser Linie ist die Fahrt kostenlos. Vormittags von 8 bis 13 Uhr fährt er ab Stadtbahnhof zu den Minuten .02 und .45 und ab Hafenbahnhof zur Minute .22 jeweils im Stundentakt, so der Stadtverkehr. Von der Messe zurück geht es mit der Linie 17 ab 13.15 Uhr im 20-Minuten-Takt zu den Taktminuten .15, .35 und .55. Eine zusätzliche Fahrtmöglichkeit zur Messe bietet die Stadtverkehr-Linie 5. Hier fahren die Busse nach dem regulären Fahrplan. Zusätzlich verkehren Direktbusse zwischen 8 Uhr und 13 Uhr ab Stadtbahnhof zu den Minuten .30 und .53 sowie zur Minute .58 ab Hafenbahnhof. In der Linie 5 benötigen Fahrgäste einen gültigen Fahrausweis.

Während Europas Obstbaubranche auf ein ertragsschwaches Jahr 2017 zurückblickt, wurden von den Kunden mehr Äpfel gekauft: „Nach Jahren der Stagnation und sogar rückläufigen Konsums vermelden die Marktanalysten seit Herbst 2017 steigende Einkaufsmengen an Tafeläpfeln. Insgesamt nahm der Obstkonsum um vier Prozent zu“, berichtet Eugen Setz. „Das könnte an einem gestiegenen Bewusstsein für gesunde Ernährung, aber auch an der geringen Eigenernte im Hausgarten liegen, die dann über den Zukauf kompensiert wird.“

Mit 19 Kilogramm pro Haushalt ergebe sich für das gesamte Jahr 2017 ein positives Bild. Und das obwohl der Preis von 1,61 Euro pro Kilogramm (Anfang 2017) auf 2,18 Euro pro Kilogramm gestiegen ist.