„Äpfel sind mit Abstand das bedeutendste Obst der Bodenseeregion“, sagt Andreas Ganal, Geschäftsführer der Obstregion Bodensee, beim Pressegespräch anlässlich der Messe Fruchtwelt Bodensee in Friedrichshafen. Nicht nur, dass die Region optimale Anbauvoraussetzungen biete, der Apfel erfreue sich auch größter Beliebtheit.

Die Fruchtwelt Bodensee

Insofern wundert sich der 30-jährige Agrarwissenschaftler über das Konsumverhalten der Verbraucher: „Unsere Landwirte produzieren beste Qualität und trotzdem greifen die Kunden oftmals zu billigeren Produkten aus dem Ausland.“

Viele Kunden ziehen billigere Importware vor

Unterschiedliche Standards bei der Erzeugung, geringere Löhne und Transportkosten, die bei großen Mengen nicht mehr ins Gewicht fallen: Das führe dazu, dass selbst Äpfel, die aus Neuseeland auf dem Seeweg importiert werden, dem regionalen Produkt vorgezogen werden, sagt Andreas Ganal.

„Herkunftsaspekt spielt untergeordnete Rolle“

„Der Herkunftsaspekt spielt gegenüber dem Preis eine untergeordnete Rolle.“ Zwar sei die Diskussion über die Regionalität inzwischen präsent, doch folge diesbezüglich oftmals noch keine bewusste Kaufentscheidung. Dabei müsse das billige Obst obendrein auch noch makellos sein.

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Wunsch nach faktenorientierter Gesprächskultur

In dieser Hinsicht biete die derzeitige Diskussion über den Artenschutz, Einsatz von Spritz- und Düngemitteln und die Erhöhung der Bioproduktion eine Chance, den Wert landwirtschaftlicher Produkte differenzierter und damit wertschätzender zu betrachten, zeigt sich Andreas Ganal überzeugt. Dabei wünscht sich der Geschäftsführer der Obstregion Bodensee, einem Fachverband, der rund 1000 Obstbauern vertritt, und der sein Amt Anfang des Jahres angetreten hat, eine weniger emotionale und vielmehr faktenorientierte Gesprächskultur.

Wie das Wetter die Ernte seit 2017 beeinflusst hat

Nach hohen Verlusten durch späten Frost im Jahr 2017 wurden die Landwirte in der Region 2018 mit einer überdurchschnittlichen Apfelernte entschädigt. Das vergangene Jahr mit hohen Temperaturen, aber ausreichend Regen im Herbst fiel dagegen mit 250 000 Tonnen – und damit 14 Prozent weniger als im Vorjahr – eher durchschnittlich aus.

Warum die Bauern den milden Winter kritisch sehen

Was die Ernteerwartung in diesem Jahr betrifft, sieht Andreas Ganal den extrem milden Winter kritisch. Die Obstbäume seien schon sehr weit entwickelt und alles deute auf eine frühe Blüte hin. „Wir hoffen, dass es nicht zu Spätfrösten während der Blüte kommt“, sagt er. Denn dann sei erneut mit hohen Verlusten zu rechnen.

Äpfel sind das beliebteste Obst am Bodensee. Durch den milden Winter sind viele Bäume schon weit entwickelt. Die Landwirte hoffen deshalb, dass es während der Blüte keine Spätfröste gibt.
Äpfel sind das beliebteste Obst am Bodensee. Durch den milden Winter sind viele Bäume schon weit entwickelt. Die Landwirte hoffen deshalb, dass es während der Blüte keine Spätfröste gibt. | Bild: Anette Bengelsdorf

Region im europäischen Vergleich gut aufgestellt

Da 2019 weniger Äpfel geerntet und mehr verkauft werden konnten, liegen auch die Lagerbestände derzeit 19 Prozent unter dem Vorjahresniveau, informiert Andreas Ganal weiter. Doch die Bodenseeregion stehe im europäischen Vergleich blendend da. Polen melde einen Ertragsrückgang von 44 Prozent.