Mit dem Bodensee im Hintergrund, eröffnete Wolfgang Sigg das dritte Internationale Fischereiforum im Graf-Zeppelin-Haus. "Die Berufsfischerei gehört zur DNA des Bodensees und wir sind sehr daran interessiert, den Berufsstand zu erhalten und zu unterstützen", leitete der selbst mit der Fischerei großgewordene Sigg in seine Rede ein. Gekommen waren 150 Fischer, Angler sowie Vertreter von Landesfischereiverbänden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vorgestellt wurde das neue, 10,9 Millionen teure Fischereizentrum Steinach in der Schweiz. Die hohe Investitionssumme zeigt, dass Fischerei und Bodenseefisch ein Thema in allen Anrainerländern ist.

Der Fischbesatz im Allgemeinen war Inhalt in allen Vorträgen unter ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Professor Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei gab interessante Einblicke in Studien und deren Ergebnisse der letzten Jahre, an denen tausende Anglern und Fischern in Niedersachsen beteiligt waren. Aufgezeigt wurde der Fischbesatz in verschiedenen Gewässern im Verlauf von ein paar Jahren. Das Ergebnis: Die Erfolgsaussichten sind vom Besatz lokaler Naturaufkommen abhängig. Eingesetzter Fisch ("Satzfisch") sei in jedem Fall kein Wildfisch und ein Besatz berge relevante ökologische und genetische Risiken, die es zu berücksichtigen gelte, fasste der Professor aus Berlin zusammen.

Alle Redebeiträge sowie die Anliegen der einzelnen Fischer und Angler waren Stoff für ausgefüllte Gesprächsrunden zwischen den Vorträgen. Dabei war der Rückgang der Fangquote im Bodensee das brennende Thema unter den Berufsfischern. Die geplanten Netzgehege im Bodensee als Reaktion auf die rückläufigen Felchenfänge würden weiterhin von 95 Prozent der Bodenseeberufsfischer abgelehnt, da die Zuchtfelchen den Bestand von Wildfischen noch weiter gefährden würden und somit die existenzielle Grundlage der Berufsfischer. Das sagte Elke Dilger, Vorsitzende der Badischen Berufsfischer. "Wir Bodenseefischer wollen einen sauberen See mit etwas mehr Nahrung für die Wildfische." Die Wissenschaftler und der Gewässerschutz hätten eine exzellente Gewässerreinhaltung in den vergangenen 40 Jahren hinbekommen. Nun seien sie gefordert, die Forschung in dem Bereich fortzusetzen, um eine Lösung zu finden, wie im Bodensee wieder auf natürliche Weise eine ausreichende Zahl von Fischen für die Region gedeihen kann. Im Bodensee könnten ökologisch und tierfreundlich Fische heranwachsen. Elke Dilger spricht sich für die Wildfischerei aus und gegen Massenzucht in Netzgehegen. Unterstützt wird sie dabei auch vom Präsidenten des Landesfischereiverbandes, Arnulf Freiherr von Eyb, der das traditionelle Fischereihandwerk als eine für die Versorgung der Bevölkerung betriebene Tätigkeit sieht. Dies habe die Unterstützung seitens der Politik verdient. Derselben Meinung ist Thomas Lang, Vizepräsident des Landesfischereiberbands, der auf das Tierwohl verwies und die Funktion des Bodensees als Trinkwasserspender für fünf Millionen Menschen.

In seinem Abschlussbeitrag beschäftigte sich Martin Mainberger von der Arbeitsgruppe Bodenseeufer mit den Anfängen der Fischerei in Südwestdeutschland und archäologische Funde. Erste Zeugnisse von Fischerei am Bodensee reichen demnach bis 8000 vor Christus zurück.

Kritik an Netzgehegen

  • Blauflechen: Der Bodenseeblaufelchen lebt, wächst und gedeiht nur in ganz wenigen Gewässern in Europa, das macht ihn zur Besonderheit am Bodensee. Es wurde in den 90er Jahren versucht, ihn in den bayrischen Seen anzusiedeln, dies ist aber nicht gelungen. Der Bodenseeblaufelchen besitzt muskulöses Fleisch, weil er ein ausgiebiger Schwimmer ist aber er ist auch ein sehr empfindlicher Fisch und kann somit nicht gezüchtet werden. Das macht ihn so besonders sowie einzigartig und bietet der Region und dem Tourismus am See ein Alleinstellungsmerkmal.
  • Argumente der Gegner: In den angedachten Netzgehegen sollen Sandfelchen gezüchtet werden, die es auch in anderen Gewässern gibt. Kritiker der Netzgehege sprechen von Massentierhaltung und befürchten negative ökologische Auswirkungen durch Einträge von Futtermitteln, Pestiziden, Antibiotika sowie Fischkot. Viele Berufsfischer sehen durch die Netzgehege ihren Berufsstand, die Gewässerreinheit sowie den Wildfischbestand in Gefahr, aber auch eine Störung des Landschaftsbilds und der Freizeitnutzung des Sees. Die Ausübung des Wassersports sowie der Angel- und Berufsfischerei werde durch Netzgehege und deren Sperrzonen rund um die Käfige beeinträchtigt.