Migranten können sich zukünftig bei Interesse an einer freiwilligen Rückkehr in ihr Herkunftsland an eine Fachberatungsstelle im Landratsamt Bodenseekreis wenden. Die Beratungsstelle bietet organisatorische und finanzielle Unterstützung bei freiwilliger und dauerhafter Rückkehr in die Herkunftsländer an. "Ein Rückkehrwunsch wirft viele praktische und rechtliche Fragen auf", erklärt Sozialdezernent Ignaz Wetzel. "Die Beratungsstelle steht den Rückkehrwilligen mit Rat und Tat zur Seite."

Begleitung von der Vorbereitung bis zur Reintegration

Eine individuelle Reintegrationsplanung sei – abgestimmt auf die Bedürfnisse und Ressourcen der Rückkehrer – zentrales Ziel der Beratung, sagt die Rückkehrberaterin Katharina Binzler. Sie begleitet die Menschen von den Vorbereitungen in Deutschland bis hin zur Reintegration in ihrem Herkunftsland. Dies geschehe in enger Zusammenarbeit mit bundesweiten und internationalen Organisationen. Ein wichtiger Partner ist dabei die zwischenstaatliche Internationale Organisation für Migration mit Sitz in der Schweiz.

Basisunterstützung von 500 Euro für Rückkehrer

Die Vorbereitungen für das neue Angebot laufen seit Mitte März, wie die Beraterin betont. Seit 1. Juli wird es vom Land gefördert, das die Hälfte der Personalkosten trägt. Die finanziellen Hilfen für die freiwilligen Rückkehrer kommen vom Bundesamt für Migration und werden über die Partnerorganisationen ausbezahlt. Dazu gehört eine Basisunterstützung von 500 Euro. Je nach Status kann es noch eine "Starthilfe Plus" von bis zu 1200 Euro geben, deren zweite Hälfte nach der Rückkehr im Heimatland ausbezahlt wird.

Rückkehr selbstbestimmt geplant und vorbereitet

Eine freiwillig geförderte Rückkehr biete den Betroffenen die Möglichkeit, ihre Rückkehr selbstbestimmt zu planen und vorzubereiten, sagt Binzler: "Die Ausreise erfolgt selbstständig und ohne behördliche Begleitung mit dem Flugzeug oder mit dem Bus." Bei Bedarf sei eine medizinische Begleitung und Versorgung sowie eine Unterstützung bei der Ankunft möglich. Das Projekt wird in Kooperation mit der Stadt Friedrichshafen und der Stadt Überlingen durchgeführt. "Eine große Schwierigkeit ist oft die Beschaffung von gültigen Reisedokumenten", sagt Binzler: "Das ist manchmal zäh wie ein Kaugummi."

17 Fälle in Bearbeitung, davon vier abgeschlossen

Rückkehrberaterin Katharina Binzler: "Eine große Schwierigkeit ist oft die Beschaffung von gültigen Reisedokumenten. Das ist manchmal zäh wie ein Kaugummi."
Rückkehrberaterin Katharina Binzler: "Eine große Schwierigkeit ist oft die Beschaffung von gültigen Reisedokumenten. Das ist manchmal zäh wie ein Kaugummi." | Bild: privat

Inzwischen hatte sie 17 Fälle in Bearbeitung, vier davon konnten abgeschlossen werden. Die anderen sind noch nicht beendet oder die Betroffenen wollten die Rückkehr nicht. Als Leitlinie der Beratung gelte: "Sie soll freiwillig, vertraulich und ergebnisoffen sein."

Älterer Kurde kehr in Nordirak zurück

In einem Fall sei ein älterer Kurde nach Erbil im Nordirak zurückgekehrt, dessen Frau noch dort lebte und der sich mit der sprachlichen Integration sehr schwertat. Dort bekommt er den zweiten Teil der Starthilfe Plus (600 Euro) ausbezahlt. Hier kümmert sich die Partnerorganisation darum, dass der Mann ein Auto als Taxi bekommt, mit dem er sich und seine Familie selbst finanzieren kann. "Für das Taxi gibt es kein Geld", betont Binzler: "Der Erwerb wird von der Organisation abgewickelt."

Eine zwangsweise Abschiebung im ersten Halbjahr

Die freiwillige Rückkehr solle Vorrang vor zwangsweisen Abschiebungen haben. Wobei diese sich in Grenzen halten. "Bei der Stadt Friedrichshafen gab es im ersten Halbjahr einen einzigen Fall", sagt Binzler.

Diakonie-Geschäftsführer: Beratung sehr sinnvoll und wichtig

"Das Diakonische Werk Überlingen-Stockach leistet im Rahmen der Flüchtlingssozialarbeit schon immer eine Beratung zur Rückkehr und/oder Weiterwanderung für Geflüchtete", betont Geschäftsführer Udo Pursche. Seine Einrichtung ist für die Betreuung von Geflüchteten im westlichen Bodenseekreis zuständig. Insbesondere für die Flüchtlinge, die nur eine geringe oder keine Chance auf Anerkennung und Bleiberecht hätten, sei diese Beratung sehr sinnvoll und wichtig. "Leider ist die Möglichkeit der Hilfe, vor allem einer finanziellen Hilfe, bisher sehr begrenzt, obwohl nach unserer Erfahrung viele Flüchtlinge gern wieder zurückkehren, wenn sie eine entsprechende Starthilfe bekommen." Dies sei zum Beispiel in sehr vielen Fällen bei den Flüchtlingen aus Bosnien der Fall gewesen.

Will auch künftig sozial und politisch engagiert bleiben: Nach exakt 43 Jahren als Leiter des Diakonischen Werks in Überlingen räumte Udo Pursche wenige Tage nach seinem 67. Geburtstag seinen Schreibtisch.
Will auch künftig sozial und politisch engagiert bleiben: Nach exakt 43 Jahren als Leiter des Diakonischen Werks in Überlingen räumte Udo Pursche wenige Tage nach seinem 67. Geburtstag seinen Schreibtisch. | Bild: Dirk Diestel

Pursche erläutert: "Man muss dabei bedenken, dass besonders bei Armutsflüchtlingen aus afrikanischen Ländern oft die ganze Familie Geld für die Migration eines Familienmitglieds zusammengelegt hat. Und dieses – meist ein junger Mann – ist verpflichtet, Geld in die Heimat zu überweisen." Übrigens habe man errechnet, dass die Summe der von Flüchtlingen in die Heimat überwiesenen Gelder die staatliche Entwicklungshilfe Deutschlands übersteige. "Gerade in solchen Fällen kann eine gute Rückkehrberatung, die auch finanzielle Hilfen anbieten kann, gute Dienste leisten, um eine wirkungsvolle Rückkehr zu ermöglichen," sagt Pursche: "Die Beratung durch das Landratsamt begrüßen wir ausdrücklich."