In den Werkstätten der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen wurde am Montag fleißig gehobelt, gebohrt und geschraubt. Auf dem Plan stand die Fertigstellung eines ganz besonderen Projektes: eine Bank aus Holz und Metall für den Schulhof der Pestalozzi-Schule, ebenfalls in Friedrichshafen. An ihr haben Auszubildende und Schüler gemeinsam gearbeitet.

Technischer Lehrer Michael Neubold erklärt Azubis und Schülern den Umgang mit Holz.
Technischer Lehrer Michael Neubold erklärt Azubis und Schülern den Umgang mit Holz. | Bild: Claudia Wörner

Handwerksluft schnuppern und Berufe kennenlernen – für die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse der Pestalozzi-Schule sind die Tage an der Claude-Dornier-Schule eine interessante Abwechslung. Auch für die Auszubildenden ist das Projekt etwas Besonderes, können sie den Schülern doch aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten und sie zum Beispiel beim Schweißen einer Naht oder im Umgang mit dem Akkuschrauber anleiten. Kooperative Berufsorientierung (KooBO) nennt sich das Projekt, zu dem sich Berufsschule und Werkrealschule zusammengetan haben.

Die letzten Handgriffe: Azubis messen aus und montieren das Holz der Bank.
Die letzten Handgriffe: Azubis messen aus und montieren das Holz der Bank. | Bild: Claudia Wörner

Michael Neubold, Technischer Lehrer für Holz und Bautechnik, erläutert, wie man den Hobel ansetzt. "Einfach mit Schmackes und Schwung. Hier ist es besser mit Technik als mit Kraft zu arbeiten", lautet sein Tipp. Die Azubis des ersten Lehrjahrs verteilen sich an den Werkbänken und bereiten das Holz für die Sitzfläche der Bank vor. Nebenbei erfahren sie, dass sich das Holz der Douglasie besonders gut für den Außenbereich eignet. Ruckzuck montieren die Azubis das Holz für die Sitzfläche der Bank und lassen sich dabei von den Werkrealschülern über die Schulter schauen.

Lisa Kelbing von der Pestalozzi-Schule war schon in der vergangenen Woche dabei, als die Metallstangen für die Bank zurecht gesägt wurden. "Das konnte ich auch selbst ausprobieren. Außerdem habe ich geschweißt", erzählt die 17-Jährige. Für sie sei das Holz- oder Metallhandwerk aber nichts. "Ich habe schon einen Ausbildungsplatz als Packmitteltechnologin."

Martin Hämmerle, Azubi: „Nach der Ausbildung stehen einem viele Wege offen.“
Martin Hämmerle, Azubi: „Nach der Ausbildung stehen einem viele Wege offen.“ | Bild: Claudia Wörner

Für Nadine Gumpoltsberger, Lehrerin für Berufsorientierung, macht das KooBO-Projekt viel Sinn. "Die Schüler erfahren von der Planung über Kostenkalkulation und Materialauswahl bis zur Montage alles, was beim Bau einer Bank zu beachten ist", schildert sie. Sehr wertvoll sei der direkte Kontakt zu den Azubis. "Die Schüler treffen sich mit ihnen auf Augenhöhe und haben den direkten Austausch." Dies kann Ulrike Zinser von der Nachwuchsförderung der Handwerkskammer Ulm nur bestätigen.

Ulrike Zinser, HWK Ulm: „Schüler nehmen das Wissen von Gleichaltrigen besser an.“
Ulrike Zinser, HWK Ulm: „Schüler nehmen das Wissen von Gleichaltrigen besser an.“ | Bild: Claudia Wörner

Bereits im zweiten Lehrjahr zum Anlagenmechaniker im Industriebereich sind Jan Seige aus Überlingen und Martin Hämmerle aus Waldburg. Als Mentoren haben sie den Pestalozzi-Schülern gezeigt, wie man mit dem Schweißgerät umgeht. "Manche Schüler schauten nur zu, andere fragten mal was und einige haben sich getraut, selbst zu schweißen", erzählt Hämmerle, der mit seinen 17 Jahren gleich alt wie die meisten Zehntklässler ist.

Frank Habelmann, Technischer Lehrer: „Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, sondern ein Fundament.“
Frank Habelmann, Technischer Lehrer: „Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, sondern ein Fundament.“ | Bild: Claudia Wörner

Schon vor seinem Realschulabschluss habe er gewusst, dass er beruflich etwas mit den Händen machen wolle. Jan Seige fand seinen Ausbildungsplatz bei der Bodenseewasserversorgung in Sipplingen durch die Agentur für Arbeit. Beide rechnen sich nach Abschluss der Lehre gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. "Anschließend kann man immer noch weiter machen, entweder den Meister oder sogar ein Studium", weiß Seige.

Nadine Gumpoltsberger, Lehrerin: „Das Projekt von der Planung bis zu Montage macht Sinn.“
Nadine Gumpoltsberger, Lehrerin: „Das Projekt von der Planung bis zu Montage macht Sinn.“ | Bild: Claudia Wörner

Die Kooperation mit der Pestalozzi-Schule sei für die Claude-Dornier-Schule eine gute Möglichkeit, die Ausbildungsberufe vorzustellen, sagt Andreas Frömel, Abteilungsleiter für industrielle Metallberufe. "So entdeckt der eine oder andere Schüler doch, dass es interessante Handwerksberufe gibt", so Frömel mit Blick auf den Fachkräftemangel im Handwerk. "Gute Leute werden nach der Ausbildung händeringend gesucht."