Der Neujahrsempfang bildet in vielen Städten und Gemeinden im Bodenseekreis den Auftakt im Jahresprogramm. Doch sind die Veranstaltungen auch für jüngeres Publikum attraktiv? „Anscheinend interessiert sich fast nur die Generation 65+ für die Projekte“, schrieb jüngst ein Facebook-Nutzer unter einen Artikel.

  1. Ist das so oder erreichen die Kommunen auch ein jüngeres Publikum? Am Neujahrsempfang nehmen vor allem Bürger teil, die sich für das Gemeindegeschehen interessieren und engagieren, sagt Salems Bürgermeister Manfred Härle. Nach seinem Eindruck handle es sich vor allem um die Generation 40 bis 50+. Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann kann den Eindruck, dass vor allem die Generation der über 65-Jährigen zum Neujahrsempfang kommt, nur zum Teil bestätigen. "Dadurch, dass wir viele Ehrungen vornehmen, sind viele Jugendliche unter den Gästen. Ich gehe jedoch davon aus, dass ohne diesen Zusammenhang weniger Jugendliche anwesend wären." Ein mangelndes Interesse kann Edgar Lamm, Bürgermeister in Uhldingen-Mühlhofen, nicht feststellen. "Die Plätze sind restlos gefüllt", sagt er. Nach Ansicht der Stadt Friedrichshafen ist der Empfang auch eine Veranstaltung "bei der sich die städtische Gesellschaft Friedrichshafen trifft und austauscht". Die Veranstaltung spreche eher die Menschen an, "die ihren Platz in Friedrichshafen schon gefunden haben". Sipplingen Bürgermeister Oliver Gortat betont: "Ich würde die Altersgrenze bei der Generation 45+ ansetzen.
    Im Regelfall nimmt allerdings tatsächlich eher die erfahrenere Generation an kommunalen Empfängen teil."
  2. Interessieren sich jüngere Menschen nicht für Projekte in ihrem Wohnort oder ist der Neujahrsempfang in der heutigen Form für sie das falsche Format? Jüngere Menschen interessieren sich aus Sicht der Überlinger Stadtverwaltung sehr für Projekte und Vereinsaktivitäten am Wohnort. "Unterschiedliche Formate sprechen Menschen in bestimmten Lebensphasen unterschiedlich an." Edgar Lamm betont: "Jüngere Menschen holen sich ihre Informationen oft in anderer Form. Sie sind deshalb aber genauso über Projekte informiert." Mit dem Ablauf des Neujahrsempfangs ist Manfred Härle sehr zufrieden, Änderungen seien nicht geplant. In Überlingen ist den Verantwortlichen Vielfalt an kommunalen Veranstaltungen im Jahreslauf wichtig. "Die Altersgruppen müssen nicht zwingend in einem ausgeglichenen Verhältnis bei einzelnen Veranstaltungen gleich präsent sein." Das Format des Neujahrsempfangs muss laut Gortat an die Zeit angepasst sein. Ein Zusammenspiel zwischen einem informativen und einem kulturellen Teil sollte geboten werden.
  3. Gibt es Überlegungen, die Neujahrsempfänge anders zu gestalten? "Wir haben eine gute Mischung zwischen Information und Unterhaltung", sagt Edgar Lamm. Er werde den Ablauf nicht verändern. In Friedrichshafen "machen wir uns jedes Jahr aufs Neue Gedanken, welchen interessanten Redner wir gewinnen können, um viele und auch jüngere Menschen anzusprechen". Es gebe ganz bewusst unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen. In Sipplingen ist es das Ziel, den Neujahrsempfang von Jahr zu Jahr zu optimieren, bis ein generationsübergreifendes Konzept gefunden wurde. Dafür gebe es bereits mögliche Ansätze.