Badeunfälle gehören aktuell zu den traurigen wiederkehrenden Nachrichten: Ende Juni musste ein junger Mann aus dem Salemer Schlosssee geborgen und ins Krankenhaus gebracht werden. Wenige Tage später ging im Freibad von Kressbronn eine 87-jährige Frau unter. Auch sie kam nach der Rettung auf die Intensivstation eines Krankenhauses.

Erst kürzlich Unfälle in Salem und Kressbronn

Die beiden Fälle repräsentieren für Rolf Große, stellvertretender Stationsleiter der Wasserschutzpolizei Überlingen, zwei Risikogruppen: Der junge Mann in Salem konnte wahrscheinlich nicht ausreichend schwimmen und die ältere Dame überschätzte sich. Bei den drei im vergangenen Jahr in Überlingen registrierten Badeunfällen waren zwei der Opfer über 70 Jahre alt.

Rolf Große von der Wasserschutzpolizei in Überlingen fährt mit seinen Kollegen regelmäßig auf Streife. In der Badesaison sind sie besonders wachsam.
Rolf Große von der Wasserschutzpolizei in Überlingen fährt mit seinen Kollegen regelmäßig auf Streife. In der Badesaison sind sie besonders wachsam. | Bild: Sabine Busse

Große: „Nie erhitzt ins Wasser springen!“

Aber auch jüngere Menschen können beim Schwimmen plötzlich Probleme bekommen. Das zeigen zwei prominente Fälle: Die 47-jährige Schauspielerin Lisa Martinek kam im Mittelmeer und die 24-jährige Schweizer Fußballnationalspielerin Florijana Ismaili im Comer See ums Leben. Beide sprangen offenbar von einem Boot ins Wasser. Rolf Große warnt: „Nie erhitzt ins Wasser springen!“ Die Mahnung werde oft missachtet, vielleicht auch, weil ein Hechtsprung ins Wasser mehr Eindruck macht. Leichtsinn und Selbstüberschätzung sind die Ursachen vieler Badeunfälle.

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80 Prozent der im Jahr 2018 Ertrunkenen waren Männer

Laut einer Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken im vergangenen Jahr in Deutschland 499 Menschen, 80 Prozent davon waren Männer.

2018 kamen im Bodensee sieben Menschen ums Leben

Auch die Statistik für den Bodenseekreis lässt aufhorchen. Die Wasserschutzpolizei am Bodensee zählte in den Stationen Friedrichshafen, Konstanz und Überlingen 2018 insgesamt 15 Badeunfälle, bei denen sieben Menschen ums Leben kamen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der tödlich Verunglückten um vier, was sicher auch mit der langen Badesaison in Verbindung steht, wie Rolf Große sagt.

Vor dem Sprung ins Wasser sollte man sich abkühlen und am besten nur Sprungtürme wie diesen im Überlinger Ostbad nutzen.
Vor dem Sprung ins Wasser sollte man sich abkühlen und am besten nur Sprungtürme wie diesen im Überlinger Ostbad nutzen. | Bild: Sabine Busse

DLRG-Mitglieder im Freibad Ost im Einsatz

Unfälle zu vermeiden und in Not geratene Menschen zu retten, haben sich Barbara Werner und Sebastian Maisch zur Aufgabe gemacht. Die beiden engagieren sich ehrenamtlich beim DLRG in Überlingen und haben die Schwimmer im Freibad Ost im Blick. Ihr jüngster Einsatz liegt erst wenige Tage zurück. Ein Schwimmer war in Panik geraten. Eine Bootsbesatzung bemerkte die unkontrollierten Bewegungen des Mannes und machte weitere Helfer aufmerksam, die ihn unversehrt an Land bringen konnten.

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Notlagen durch Krämpfe oder Kreislaufprobleme

Nach den Ursachen für solche plötzlichen Notlagen befragt, nennen die beiden Rettungsschwimmer die klassischen Gründe wie Krämpfe oder Kreislaufprobleme. „Oft ist es aber auch Angst“, sagt Sebastian Maisch. Ein Badegast aus den USA habe vor kurzem im Strandbad Panik bekommen, als er beim Schwimmen keinen Boden mehr unter sich erkennen konnte. „Sehen Sie die Boje dort?“, fragt der Rettungsschwimmer und zeigt auf den rot-weißen Würfel, der etwa 30 Meter vom Ufer das Ende des Strandbads markiert. „Dort ist der See acht Meter tief.“

Jeder muss aktiv werden und zumindest den Notruf wählen

„Jeder ist verpflichtet zu helfen!“, betont Barbara Werner. Schwimmer in Notlagen seien an zappelnden Bewegungen oder Hilferufe zu erkennen. „Das heißt nicht, dass man sofort ins Wasser springen soll. Aber aktiv werden muss man und zum Beispiel die 110 anrufen oder andere Passanten einbeziehen.“ Wer sich schwimmend einem in Panik geratenen Menschen nähert, sollte am besten einen Gegenstand dabei haben, an dem derjenige sich festhalten kann. Vor allem für nicht ausgebildete Retter sei das eine heikle Situation. Es bestehe die Gefahr, vom Schwimmer in Not unter Wasser gezogen zu werden. „In einem solchen Fall geht die Eigenrettung vor“, betont die Rettungsschwimmerin.

Das Baden in der Nähe von Schiffsanlegern ist gefährlich und nicht ohne Grund verboten.
Das Baden in der Nähe von Schiffsanlegern ist gefährlich und nicht ohne Grund verboten. | Bild: Sabine Busse

Wer in Not gerät, sollte früh auf sich aufmerksam machen

Die Experten der DLRG raten Schwimmern, die in eine Notlage kommen, möglichst früh auf sich aufmerksam zu machen und um Hilfe zu rufen. Wer kann, solle seine Kräfte sparen und sich auf den Rücken legen. So blieben die Atemwege frei und man könne mit weniger Aufwand schwimmen. „Nach der Bergung an Land zuerst prüfen, ob derjenige atmet und ansprechbar ist“, sagt Barbara Werner.

Retter müssen Erste-Hilfe-Kurs regelmäßig auffrischen

Sei das nicht der Fall, sei eine Herzdruckmassage nötig. Die beherrscht längst nicht jeder. Die Retter von der DLRG schon: Sie müssen alle zwei Jahre den Erste-Hilfe-Kurs auffrischen und die Rettungsschwimmer-Prüfung erneuern. Dazu trainieren sie regelmäßig und bilden sich fort, beispielsweise als Bootsführer oder Strömungsretter. Und das alles ehrenamtlich: „Das ist wie bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wir gehen alle noch einem Beruf nach und retten in der Freizeit“, erklärt Sebastian Maisch.

Die wichtigsten Regeln beim Baden

  • Nicht überhitzt ins Wasser springen, sondern den Körper langsam an die Wassertemperatur gewöhnen.
  • Sobald man friert, raus aus dem Wasser.
  • Wer sich nicht wohlfühlt, einen vollen Magen oder Hunger hat, sollte nicht baden gehen.
  • Nie ins Wasser springen, wenn der Grund nicht zu erkennen ist. Im Bodensee können Steine oder Pfähle im Wasser sein.
  • Nicht von Brücken springen. Es könnten Boote, Stand-up-Paddler oder andere Schwimmer auftauchen. Es besteht die Gefahr, zu tief einzutauchen oder sich beim Aufkommen zu verletzen.
  • Am besten immer in Ufernähe bleiben. Der Ufersaum bis 300 Meter ist eine Schutzzone, in der Motorboote nicht parallel fahren dürfen. Schwimmer werden von Bootslenkern leicht übersehen.
  • Wer längere Strecken schwimmen will, sollte eine gut sichtbarer Badekappe tragen oder eine Schwimmboje in Signalfarbe mitführen.
  • Am besten zu zweit ins Wasser gehen. Wer weitere Strecken schwimmen will, sollte sich bei jemandem ab- und zurückmelden.
  • Es ist verboten, im Umkreis von 100 Metern um Schiffsanleger zu baden.
  • Leichtsinn oder Selbstüberschätzung können lebensgefährlich werden.