Unter der Überschrift "Information zur Verkehrsplanung zwischen Immenstaad und Meersburg" hat die Ortsgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) zu einer Veranstaltung in den Bürgersaal des Immenstaader Rathauses eingeladen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Klaus Lindemann stellte gleich zu Beginn seines Vortrags klar, dass es nicht um die gesamte in der Einladung genannte Strecke gehen würde, sondern ausschließlich um den Streckenabschnitt auf Immenstaader Gemarkung. Die BUND-Ortsgruppe spricht sich dort weiterhin für eine ausgebaute, tiefer gelegte und gedeckelte B 31 auf der vorhandenen Trasse aus. Dafür gab es in der langen Fragerunde im Anschluss an den Vortrag viel Gegenwind.

Kriterien für Trassenbewertung

Bernd Saible, Sprecher Bündnis B31-Neu: "Aus vielen Gründen, etwa wegen der Zerschneidung der seenahen Landschaft und der unzumutbaren Belastung während der Bauzeit ist die Ausbauvariante für uns nicht akzeptabel."
Bernd Saible, Sprecher Bündnis B31-Neu: "Aus vielen Gründen, etwa wegen der Zerschneidung der seenahen Landschaft und der unzumutbaren Belastung während der Bauzeit ist die Ausbauvariante für uns nicht akzeptabel." | Bild: Gisela Keller

Anhand von Beispielen aus den auf der Webseite des Regierungspräsidiums veröffentlichten bisherigen Ergebnissen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erläuterte Lindemann einige der Kriterien, nach denen Gutachter die erwogenen Trassenverläufe bewertet haben. So sei etwa eine Trasse, die durch Gebiete mit überregional bedeutenden Vorkommen geschützter Tierarten führt, nur dann genehmigungsfähig, wenn die Gutachter belegen könnten, dass es keine Alternative dazu gebe. Zu solchen Gebieten zählt im Immenstaader Hinterland unter anderem der Wald Weingarten zwischen Frenkenbach und Reute und die Lipbachsenke. "Die übrig gebliebenen Trassen vermeiden solche Gebiete", erklärte Lindemann. Von mehr als 20 anfangs betrachteten Trassen blieben nach der UVP noch drei übrig. Um eine Trassenführung durch die Lipbachsenke zu vermeiden, sehen auch die weiter nördlich verlaufenden Trassenvarianten B und C Untervarianten vor, die etwa auf Höhe der Hochhäuser am Spiegelberg wieder auf die vorhandene Trasse der B 31 trifft und von dort zum Dornierknoten weiterführt.

Klaus Lindemann, BUND Immenstaad: "Ich verstehe nicht, warum man die Ausbauvariante ablehnt, ohne zu erwägen, was technisch möglich ist."
Klaus Lindemann, BUND Immenstaad: "Ich verstehe nicht, warum man die Ausbauvariante ablehnt, ohne zu erwägen, was technisch möglich ist." | Bild: Gisela Keller

Belege für Tieferlegung finden sich im Gemeindearchiv

Vor seinem Vortrag antwortete Lindemann auf die Frage des SÜDKURIER nach dem Trassenfavoriten des BUND: "Wir werden keine Empfehlung abgeben. Das ergibt sich alles aus dem Vortrag." Die Empfehlung blieb dennoch nicht aus: Bereits 1988 habe sich das Straßenbauamt mit der Frage befasst, wie man den Hersberg und die Meersburger Straße kreuzungsfrei an die B 31 anschließen könne. Damals habe man die Idee entwickelt, die B 31 tiefer zu legen. Belege dafür habe er im Gemeindearchiv gefunden. Keine neue Trasse, sondern eine Absenkung und der Ausbau der vorhanden sei eine gute Idee, erklärte Lindemann, aber man könne sie sogar noch besser machen: "Machen wir doch einen Deckel drauf." Als Vision, wie so etwas aussehen könnte, zeigte er eine Visualisierung zu einem Projekt in Hamburg, bei dem eine Autobahn durch die Stadt mit einem begrünten Deckel versehen werden soll. Sogar eine Kleingartenanlage solle über der Autobahn entstehen, erzählte Lindemann.

Kosten für "Hamburger Deckel" werden als zu hoch erachtet

Rolf Zimmermann, Immenstaader Bürger: "Schon die langen Bauzeit wäre bei Variante A der Tod des Tourismus in Immenstaad. Ich präferiere C1."
Rolf Zimmermann, Immenstaader Bürger: "Schon die langen Bauzeit wäre bei Variante A der Tod des Tourismus in Immenstaad. Ich präferiere C1." | Bild: Gisela Keller

In der anschließenden Fragerunde wurden viele Zweifel an der Umsetzbarkeit der Idee geäußert. Die Variante A, der Ausbau der vorhandenen Trasse, sehe keine Deckelung sondern lediglich abschnittsweise Lärmschutzmaßnahmen vor, warf ein Zuhörer ein. "Ein neuer Vorschlag ist methodisch gar nicht mehr drin." Eine Großbaustelle über mehrere Jahre vor der Immenstaader Haustür werde den Tourismus zum Erliegen bringen, befürchteten andere. Wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet werden solle, wollten andere wissen. "Das wird untersucht werden und sicher abschnittsweise gemacht", antwortete Lindemann. Neben den vier Spuren brauche man auch Einfädel- und Ausfahrspuren plus Ortsverbindungsstraßen für Fahrzeuge, die nicht auf einer vierspurigen Straße fahren dürfen, gab ein Fragesteller zu bedenken, "Wie soll das gehen?" "Das sind Details, die wir jetzt nicht diskutieren müssen", sagte Lindemann zu solchen Fragen, "damit werden sich die Straßenplaner beschäftigen". Zu Bedenken wegen sehr hoher zu erwartender Kosten für ein solches Bauwerk sagte Lindemann: "Die Kosten sind relativ. Man muss auch den Wert der Bodenseelandschaft dagegen setzen."

Hubert Lehle, Landwirt aus Immenstaad: "Ich bin für Variante C1. Wenn der Mensch im Vordergrund stehen soll, sollte auch die unter den Boden."
Hubert Lehle, Landwirt aus Immenstaad: "Ich bin für Variante C1. Wenn der Mensch im Vordergrund stehen soll, sollte auch die unter den Boden." | Bild: Gisela Keller
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