Thomas Maier gibt Gas. „Dann schauen wir mal, was der hier vorhat“, sagt der Polizeihauptmeister und setzt zur Verfolgung des dunklen Golfs an. Mit 150 Stundenkilometer treibt der Beamte das Videoüberwachungs-Auto die A81 Richtung Schaffhausen hinunter – Tempo 120 wäre erlaubt. Sein Kollege, Hauptkommissar Detlef Wysotzki, startet die Aufzeichnung mit der Videokamera. Geschickt überholt Maier den Temposünder, setzt sich vor ihn und schaltet den „Bifo“, das „Bitte folgen“-Schild in der Heckscheibe des Wagens, ein. Auf dem Halteplatz ist der Golf-Fahrer sofort geständig: „Das war zu schnell, dabei gehöre ich nicht einmal zur Tuning World“, sagt er. Der junge Pfullendorfer ist einer von vier Temposündern, die Maier und Wysotzki während der ersten Hälfte ihrer zehnstündigen Schicht schnappen.
 

Ordentlich Tempo gehört für viele Autofans zum Fahren einfach dazu. Zum gestrigen Auftakt der Automesse Tuning World Bodensee in Friedrichshafen war die Polizei deshalb auf alles vorbereitet. Im Kalender des Häfler Reviers ist die Veranstaltung einer der großen Termine. „Wir haben ausreichend mobile Kontrollstationen im Einsatz“, erklärte Jörg Frey, Leiter des Polizeireviers Friedrichshafen. In Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizeidirektion Sigmaringen, der Maier und Wysotzki angehören, bündele man während der Messetage die Kräfte rund um Friedrichshafen. Bei der Autorallye Gumball 3000, die am Mittwoch einen Stopp auf dem Messegelände einlegte, erwies sich die Maßnahme als sinnvoll: 62 Verstöße, hauptsächlich wegen zu schnellen Fahrens, aber auch wegen verbotenen Überholens oder falscher Kennzeichen wurden von der Polizei registriert. Eine stolze Zahl, nahmen doch nur 120 Fahrer an der Rallye teil, von denen die wenigsten wirklich zur Messe fuhren.

Wer von der Polizei angehalten wird, muss meist mit empfindlichen Sanktionen rechnen.
Wer von der Polizei angehalten wird, muss meist mit empfindlichen Sanktionen rechnen. | Bild: Jeanne Lutz

Tuner sind vorsichtiger geworden

Die tüftelnden Autofans scheinen schlauer als die reichen und prominenten Rallyeteilnehmer zu sein. Während Maier und Wysotzki auf der A81, B31 und der B30-neu unterwegs sind, kreuzen viele getunte Autos ihren Weg. Doch alle Fahrer sind anständig unterwegs, wenn auch manchmal etwas lauter als der Durchschnittsfahrer. Auch der nächste Verkehrssünder, der den Polizisten im Videowagen negativ auffällt, hat kein getuntes Auto, sondern einen Porsche Carrera. Bei 170 Stundenkilometer rückt er dem anthrazitfarbenen BMW der beiden Polizisten gefährlich nah. „Der nächste Kunde“, kommentiert Wysotzki und startet erneut die Aufnahme. Der Porsche-Fahrer sagt, er sei auf dem Weg nach Überlingen, zum Mittagessen. Seit 60 Jahren fahre er nun schon Auto, sowas sei ihm aber noch nie passiert. „Das ist wirklich ärgerlich, vor allem, weil es einen Punkt gibt“, sagt der Stuttgarter.

Dass die Tuner an diesem Tag nicht besonders auffallen, überrascht Wysotzki nicht. „Viele von ihnen investieren unglaublich viel Geld in die Fahrzeuge, da wollen sie kein Risiko eingehen“, sagt der Kommissar. Die meisten der aufwändigen Umbauten seien ordnungsgemäß. Falls jemand besonders auffalle, werde er aber überprüft. „Wenn uns einer mit Reifen breiter als die Karosserie oder einem gefährlichen Spoiler entgegenkommt, kontrollieren wir das natürlich“, sagt Wysotzki. Intensive stationäre Kontrollen, wie sie früher im Rahmen der Tuning World stattgefunden hätten, seien aber nicht mehr notwendig.

Das bestätigt auch Jörg Frey: „Diese Entwicklung ist ein Erfolg der Polizeiarbeit der vergangenen Jahre.“ Da Vorsicht aber besser als Nachsicht sei, könne nicht gänzlich auf Kontrollen verzichtet werden. Gegen 18 Uhr, zum Ende des ersten Tages der Tuning World, machen sich auch Maier und Wysotzki auf den Weg Richtung Automesse. „Bei einigen hat die Tuning World sicher für so gute Stimmung gesorgt, dass sie besonders motiviert fahren“, sagt Maier lachend.
 

Neue Kontroll-Strategie

Während in den vergangenen Jahren rund um die Tuning World feste Stationen zur Kontrolle der Fahrzeuge eingerichtet wurden, setzt die Polizei dieses Jahr auf die mobile Überwachung. Dies sei eine Reaktion auf die sich stetig verringernde Anzahl an Verstößen, sagt Jörg Frey, Leiter des Reviers Friedrichshafen. Auch würden keine internationalen Tuning-Experten mehr an den Einsätzen teilnehmen. Der Schwerpunkt der Beamten liege inzwischen weniger auf der Kontrolle, als auf dem Verkehr. „Hauptaufgabe ist es, einen möglichsten fließenden Verkehr zu gewährleisten“, erklärt der Revierleiter.