Die Stadt Lindau hat jetzt einen Motorradparkplatz auf der Insel nach vermehrten Anwohnerbeschwerden wieder aufgelöst. Auch in Städten im Bodenseekreis kommt es immer wieder zu Beschwerden, weil Motorräder gerade im Innenstadtbereich zu laut sind. Bei der bayerischen Polizei gibt es seit dem Frühjahr 2018 eine Motorradkontrollgruppe. Die Polizei in Baden-Württemberg führt regelmäßige Schwerpunktkontrollen im gesamten Bodenseekreis durch.

Lärmgrenzwerte für Wohngebiete und um Altenheime und Kliniken

"Bei uns haben sich die Anwohnerbeschwerden gehäuft und der jetzt aufgelöste Motorradparkplatz auf der Insel lag in der Nähe eines Altenwohnheims", erklärt Patricia Herpich von der Pressestelle der Stadt Lindau. Für reine Wohngebiete und in unmittelbarer Nähe zu Krankenhäusern und Altenheimen gelten Lärmgrenzwerte, die tagsüber bei 45 und nachts bei 35 Dezibel liegen. Motorräder dürfen ganz legal eine Lautstärke von 80 Dezibel erreichen, auf Landstraßen sogar 100 Dezibel, das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers.

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Bis zu zwölf Beamte auf Motorrädern unterwegs

Harald Köhler, Hauptkommissar beim Polizeipräsidium in Kempten und in der Motorradkontrollgruppe, erklärt: "Bei Motorrädern kommt es sehr darauf an, wie damit gefahren wird. Wenn gerade beim Starten oder auch in Innenstädten im hohen Drehzahlbereich gefahren wird, dann sind die Maschinen natürlich wesentlich lauter." In den Monaten April bis Oktober sind zeitweise bis zu zwölf Beamte in Sachen Motorrad unterwegs. "Wir sind mit Lärmmessgeräten ausgestattet und die Kollegen haben alle spezifische Kenntnisse, um beispielsweise Manipulationen an den Maschinen erkennen zu können, oder sie fahren in ihrer Freizeit selbst Motorrad." Köhler fügt an: "Wir sind auch in den sozialen Netzwerken unterwegs und freuen uns, wenn wir lesen, dass Motorradfahrer von bestimmten Fahrstrecken abraten, weil da zu oft kontrolliert wird."

Beamte sind mit Infostand bei Messe Motorradwelt

Harald Köhler erzählt aber auch, dass die meisten Motorradfahrer sehr vernünftig fahren und sich oft gute Fachgespräche ergeben. "Deshalb sind wir mit der Motorradkontrollgruppe beispielsweise auch bei der Messe Motorradwelt in Friedrichshafen mit einem Stand gemeinsam mit den Kollegen aus Baden-Württemberg, der Schweiz und Österreich vertreten, um die Kradfahrer dort zu informieren und zu beraten."

Neue Betriebserlaubnis wird teuer

Bußgelder seien für Zweiradfahrer im europäischen Vergleich zwar relativ niedrig, aber wenn eine Betriebserlaubnis für ein Motorrad erst einmal erloschen sei, dann werde es nicht nur teurer, sondern auch ausgesprochen aufwendig, diese wieder zu erhalten: Dann muss das Motorrad wieder zum TÜV, dort neu abgenommen und wieder zugelassen werden. Und zusätzlich kann es auch noch Punkte in Flensburg geben.

Bitte rechts ranfahren: Beamte der Motorradkontrollgruppe der bayerischen Polizei kontrollieren regelmäßig Motorradfahrer.
Bitte rechts ranfahren: Beamte der Motorradkontrollgruppe der bayerischen Polizei kontrollieren regelmäßig Motorradfahrer. | Bild: Polizei Kempten

40 Prozent der kontrollierten Fahrer oder Bikes werden beanstandet

Im vergangenen Jahr haben die Beamten der Motorradkontrollgruppe von Mai bis Oktober rund 2500 Zweiradfahrer kontrolliert, in knapp 40 Prozent der Fälle mussten das Fahrverhalten oder die technische Ausrüstung des Motorrads beanstandet werden. In 24 Fällen waren die Mängel am Zweirad so gravierend, dass die Polizeibeamten die Weiterfahrt an Ort und Stelle untersagten.

 

Beliebte Motorradstrecken unter der Lupe

Im Bereich der Polizei im Bodenseekreis gibt zwar keine extra Motorradkontrollgruppe. Dafür sind nach Angaben von Polizeisprecher Markus Sauter vom Polizeipräsidium in Konstanz in den Sommermonaten bis zu zwölf Beamte regelmäßig bei Schwerpunktkontrollen im Einsatz. "Bei den Kollegen gibt es auch extra Tuningexperten. Wir führen im Sommer mindestens zweimal im Monat Schwerpunktkontrollen durch und in allen vier Landkreisen wöchentliche Kontrollen", erklärt Sauter. Regelmäßig kontrolliert wird auf beliebten Motorradstrecken im Allgäu und in Deggenhausertal. Sauter weiß, dass es immer wieder gerade von Anwohnern in Innenstädten Beschwerden wegen Motorradlärm gibt.

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In Überlingen gibt es nach Angaben der Stadt einen Motorradparkplatz in der Klosterstraße. Ob es einen weiteren im Osten der Stadt geben wird, soll nach Abschluss einer derzeit laufenden Petition entschieden werden. Hier kommt es in den Sommermonaten nur vereinzelt zu Beschwerden von Anwohnern der Altstadt. Ähnlich ist es in Friedrichshafen: "Durch übertriebenes Gas geben oder starke Beschleunigungsvorgänge kann es zu Lärmspitzen kommen, die nicht durch die Typgenehmigung erfasst sind. Diese kurzzeitigen Spitzenpegel sind schwer zu erfassen und finden bei Lärmberechnungen keine Berücksichtigung", gibt Monika Blank vom Presseamt der Stadt Friedrichshafen Auskunft. Einen oberirdischen Parkplatz für Zweiräder gibt es in der Karlstraße beim Parkhaus am See.

Lindau legt Parkplätze kurz vor der Insel an

Die Stadt Lindau will jetzt im Bereich der Insel keinen weiteren Motorradparkplatz einrichten, nachdem der bestehende aufgelöst wurde. "Wir werden kurz vor der Insel, auf dem Karl-Bever-Platz, Motorradstellplätze errichten und diese mit Boxen versehen, wo die Kradfahrer dann auch ihre Helme und Kleidung verstauen können", sagt Patricia Herpich. Außerdem dürfen nach 22 Uhr nur Motorrad- und Rollerfahrer, die eine Sondergenehmigung der Stadt haben, in den Inselkern fahren.

So gehen Polizei und Behörden gegen Verstöße vor

  • Kontrollen im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben-Süd-West: Von Lindau über Memmingen und Allgäu bis Neu-Ulm wurden von Mai bis Oktober vergangenen Jahres rund 2500 Motorradfahrer kontrolliert und 40 Prozent davon beanstandet. Häufigste Beanstandungen: Überholverbot missachtet, Geschwindigkeitsverstöße, mangelndes Reifenprofil, Manipulation an der Abgasanlage, unzulässig verbautes Kennzeichen. In 24 Fällen waren die Fahrzeugmängel so gravierend, dass die Weiterfahrt unterbunden werden musste.
  • Unfallstatistik im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben-Süd-West: 2017 (in Klammern 2018): Motorradunfälle: 713 (727), dabei Menschen getötet: 20 (11), dabei Menschen verletzt: 687 (723).
  • Kontrollen im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz: In den Landkreisen Konstanz, Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis führten die Beamten der Verkehrspolizeidirektion und Polizeireviere 150 Motorradkontrollen durch, bei denen mehr als 1300 motorisierte Zweiradfahrer kontrolliert und deren Fahrzeuge überprüft wurden. Insgesamt wurden 624 Verstöße festgestellt: Geschwindigkeit 190, technische Mängel 195, Überholen 15, Helm 18, Sicherheitsabstand 6, sonstige Verstöße 200.
  • Unfallstatistik im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz: 2017: 334 Motorradunfälle, 307 Unfälle mit Verletzten, davon 16 mit tödlichem Ausgang.
  • Bürgerbeschwerden: Nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg gibt es wegen Lärmbelastungen durch Motorräder zahlreiche Bürgerbeschwerden. Häufig geht es um beliebte Motorradstrecken, die vor allem an Wochenenden und zu Urlaubszeiten stark befahren werden und damit für die Anwohner eine große Belastung darstellen. In solchen Fällen wird von den zuständigen Verkehrsbehörden beispielsweise geprüft, ob die Voraussetzungen für Verkehrsbeschränkungen für Motorräder vorliegen.
  • Lärmquelle Motorrad: Schon bei der Zulassung von neuen Motorradtypen (Typgenehmigung) muss der Grundstein gelegt werden, dass zu hohe Lärmemissionen vermieden werden. Insbesondere das zugehörige Messverfahren für solche Typgenehmigungen bedarf weiterer Verbesserungen, für die sich die Landesregierung schon seit längerem beim Bund und bei der Europäischen Union einsetzt.
  • Individuelles Fahrverhalten: Neben den technischen Aspekten bestimmt insbesondere das individuelle Fahrverhalten des Fahrzeugführers maßgeblich die Lärmentwicklung. Um dies in das Bewusstsein der Fahrer zu rücken, hat das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg sogenannte Motorradlärm-Displayanzeigen entwickeln lassen, mit denen den Fahrern zu lauter Maschinen ihr Fehlverhalten vor Augen geführt wird.