Was sechs Jahre unter Verschluss war, hat Landrat Lothar Wölfle gestern öffentlich bekannt gemacht. Auf der Internetseite der Kreisverwaltung ist nun das Gutachten des Stuttgarter Architektur- und Ingenieurbüros Baurconsult abrufbar, das 2013 eine Generalsanierung des alten Landratsamtes geprüft hatte.

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„Es gibt keinen Grund, es zurückzuhalten“, kommentierte Wölfle bei einem Pressegespräch. Damit reagierte der Landrat auf öffentliche Kritik beispielsweise des Netzwerks für Friedrichshafen, hier solle ohne detaillierte Prüfung ein Gebäude aus den 1970er Jahren platt gemacht werden, das zwar nicht unter Denkmalschutz stehe, aber wegen seiner im Kreis einmaligen Architektur trotzdem schützenswert sei.

Ein Abriss des alten Landratsamtes ist frühestens in etwa zehn Jahren ein Thema, erklärte Landrat Lothar Wölfle. So lange dauert es, bis die Neubauten im ersten und zweiten Bauabschnitt stehen. Eine Übersicht über den groben Zeitplan

Die Diskussion kommt fürs Landratsamt zur Unzeit, denn die Kreisverwaltung ist endlich einen großen Schritt weiter mit ihren Neubauplänen, die seit 2015 reifen. Mitte November gab der Gemeinderat in Friedrichshafen grünes Licht für einen Architektenwettbewerb. Danach muss die Stadt noch das nötige Baurecht schaffen und das Parkplatz-Grundstück verkaufen, damit die Pläne des Landratsamtes aufgehen.

Landrat Lothar Wölfle
Landrat Lothar Wölfle | Bild: Stefan Trautmann

Mit dem Gutachten zur Hand, erläuterte Landrat Wölfle ausführlich, welche Schritte die Kreisverwaltung seit Ende 2012 ging. Ausgangspunkt war damals ein Energiebericht, der die Gebäude des Landkreises unter die Lupe genommen hatte. Ergebnis: Das alte Landratsamt ist eine Energieschleuder. „Die erste Idee war, das Gebäude zu sanieren, nicht abzureißen“, erklärte Lothar Wölfle. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob man anbauen und ein Bürgerbüro einrichten kann und wie ein Parkkonzept aussehen könnte.

Viele Schwachstellen im Gebäude

Das Ergebnis lag im Juni 2013 vor. Auf knapp 300 Seiten legten die Gutachter die Schwachstellen offen. Fazit: Eine Sanierung ist möglich. Doch dafür müsste des Gebäude bis auf den Betonkern zurückgebaut werden. Ob Erdbebensicherheit oder Schneelast, verbaute Schadstoffe wie Asbest oder Brandschutz: „Sobald wir Hand an das Gebäude legen, verfällt der Bestandsschutz und wir müssen uns an heutige Sicherheitsbestimmungen und Standards halten“, erklärte Harald Betting, Leiter des Liegenschaftsamts im Landratsamt, die grundsätzlichen Schwierigkeiten eines Sanierungsplans.

Der Altbau des Landratsamts.
Der Altbau des Landratsamts. | Bild: Katy Cuko

Von der Fassade, die aus „zwei Lagen Blech und Styropor dazwischen“ bestehe, so Landrat Wölfle lakonisch, bliebe also nichts übrig. Nur ein Beispiel, was Sanierung bedeutet: Damit das Stahlbeton-Gerippe des Gebäudes nach heutigen Anforderungen brandfest wird, müssten sämtliche Träger mit Spritzbeton verstärkt werden – ein riesiger Aufwand. Eine Aufstockung des Gebäudes ginge dann schon aus statischen Gründen nicht. Außerdem hätte man in jedem Flügel des Baus ein zusätzliches Treppenhaus für die Fluchtwege einbauen müssen.

Sanierung für 30 Millionen Euro?

Bei kalkulierten Kosten von knapp 30 Millionen Euro für die Generalsanierung habe der Technische Ausschuss des Kreistag dann in nicht-öffentlicher Vorberatung die Frage gestellt, was ein Neubau kosten würde. Zwei Angebote habe die Kreisverwaltung eingeholt, berichtet der Landrat. „Die Aussage war, dass wir damals für das gleiche Geld einen Neubau bekommen hätten.“ Deshalb habe der Ausschuss quasi die Reißleine gezogen und ohne öffentliche Diskussion die Sanierungspläne in die Schublade gelegt, „weil klar war, dass das keinen Sinn macht“, so Lothar Wölfle.

Der frühere Sitzungssaal des Altbaus ist heute ein Großraumbüro für 27 Mitarbeiter – nur eine Behelfslösung, sagt Umweltamtsleiter Peter Neisecke (Mitte), hier mit Landrat Lothar Wölfle (links) und Liegenschaftsamtschef Harald Betting.
Der frühere Sitzungssaal des Altbaus ist heute ein Großraumbüro für 27 Mitarbeiter – nur eine Behelfslösung, sagt Umweltamtsleiter Peter Neisecke (Mitte), hier mit Landrat Lothar Wölfle (links) und Liegenschaftsamtschef Harald Betting. | Bild: Katy Cuko

Im Mai 2015 habe die Verwaltung vom Kreistag den Auftrag erhalten, mit der Stadt Friedrichshafen zu klären, ob der Kreis das Parkplatz-Grundstück kaufen und bebauen könnte. Seit April 2016 verfolgt die Kreisverwaltung den neuen Masterplan.