90 Mitgliedszünfte umfasst der Alemannische Narrenring (ANR) – eine Anzahl, die sich seit seiner Gründung am 21. Juni 1969 in Friedrichshafen mehr als verdreifacht hat. Die Vereinigung hat das fastnachtliche Treiben in Oberschwaben, im Allgäu und am Bodensee geprägt, und wenn sie in zwei Jahren das halbe Jahrhundert voll hat, soll das groß gefeiert werden. Das 50-jährige ANR-Jubiläum stand beim Herbstkonvent am Samstag in der Festhalle Kressbronn im Mittelpunkt. Für die gastgebenden Kressbronner Griesebigger war der Konvent wiederum der Abschluss eines runden Geburtstagsjahrs ihrerseits: Sie hatten in der vergangenen Fasnetssaison ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert.

Zum Jubiläum des ANR soll standesgemäß eine Festschrift erscheinen, die – wie Vize-Narrenmeister Markus Stark ausführte – eine logistische Herausforderung sein wird. Denn auf den ersten 90 Seiten sollen zunächst einmal alle 90 Mitgliedszünfte vorgestellt werden, in Wort und Bild, mit Narrenruf und Logo der Zunft. Wie das grafisch aussehen soll, dazu hatte Stark eine Musterseite mitgebracht. Jetzt liegt es an den Narren, zu liefern. Unter anderem sind auch Begebenheiten gefragt, die sich am Rande ereigneten. Die Häser etwa der „Schwarze Veri“-Zunft in Ravensburg brachten es zu Fernsehberühmtheit: Sie spielten schon in einem „Tatort“ mit. „Die Festschrift ist ein Superprojekt“, meinte auch ANR-Präsident August Reichle. Er rechnet mit Kosten zwischen 5 und 8 Euro pro Exemplar – und hofft, dass sich der Preis bei entsprechender Auflage sogar drücken lässt. Auf Werbepartner will der ANR verzichten – um seinen Mitgliedern nicht die lokalen Sponsoren wegzuschnappen. Die Festschrift soll beim großen Jubiläumsabend am 21. Juni 2019 auf den Markt kommen, doch das Jubeljahr soll noch weitaus mehr bieten.

Michael Reichle von der Narrenzunft Illmensee bat noch im alten Häs für die Genehmigung einer neuen Zunftratsuniform.
Michael Reichle von der Narrenzunft Illmensee bat noch im alten Häs für die Genehmigung einer neuen Zunftratsuniform. | Bild: Barbara Fülle

Oliver Venus, Zunftmeister der Seegockel in Friedrichshafen, stellte das Programm des Jubiläums-Ringtreffens vom 1. bis 3. Februar 2019 vor. Geplant ist, dass die Friedrichshafener Uferpromenade vom Yacht- bis zum Gondelhafen zu einer einzigen Festmeile wird, ähnlich wie beim Seehasenfest. Ein Wochenende lang soll die Stadt närrisch Kopf stehen. Neben einer Hexenrauhnacht, einem Zunftmeisterempfang und einem großen Jubiläumsumzug sind ein Kinderumzug und viele weitere Veranstaltungen geplant.

Ihren Herbstkonvent nutzen die Narren auch für Regularien. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet, ebenso Schatzmeister Fridolin Aierstock. Seine Buchführung weist für die vergangene Saison knapp 69 800 Euro Ausgaben aus, denen rund 67 000 Euro Einnahmen gegenüberstehen. Das Vereinsvermögen beträgt 21 206 Euro.

Zwei Zünfte baten um Genehmigung neuer Narrenfiguren beziehungsweise neuer Häser. Großen Anklang fand der neue, elegant mit Zylinder und schwarzem Frack eingekleidete Büttel der Narrenzunft Ulm, der nach dem Spitznamen seines historischen Vorbilds „Spatzameez“ heißen soll. Die Narrenzunft Illmensee will ihren Zunftrat künftig nicht mehr im bunten Fasnachtshäs, sondern in einem eleganten Brauchtumshäs – einer schwedischen Offiziersuniform aus dem Dreißigjährigen Krieg – einkleiden. Bei fünf Gegenstimmen wurde auch das genehmigt.