Stefan Ager und Andreas Gumpenberger sind Extremsportler aus Leidenschaft. Im Februar haben sie sich aus einem Zeppelin über dem Berg Valkastiel im Brandnertal in Vorarlberg abgeseilt. Diese Aktion ist für die beiden jungen Männer etwas ganz Besonderes gewesen, wie sie gegenüber dem SÜDKURIER berichten.

Ähnliche Aktion mit Heißluftballon

„Wir haben eine ähnliche Aktion bereits mit einem Heißluftballon gemacht, der sich aber natürlich nicht lenken lässt“, erzählt Ager. Bei einem Besuch in Friedrichshafen haben er und sein Kollege einen Zeppelin über sich schweben gesehen. „Dann kam uns die skurrile Idee, mit diesem Luftschiff in die Berge zu fliegen, uns direkt an einem Gipfel abzuseilen und dann mit den Skiern den Berg hinunterzufahren“, sagt Ager.

Fabian Lentsch, Andreas Gumpenberger und Stefan Ager (von links) auf dem Weg zum Zeppelin.
Fabian Lentsch, Andreas Gumpenberger und Stefan Ager (von links) auf dem Weg zum Zeppelin. | Bild: Daniel Hug

Luftschiffe eigentlich für geringere Höhen gedacht

Gesagt, getan. Fast zwei Jahre Vorbereitungszeit stecken hinter der Idee. Es hat einige Anläufe der Sportler gebraucht, um die Häfler Zeppelin-Reederei von ihrem Vorhaben zu überzeugen. „Luftschiffe sind eigentlich für geringere Höhen entwickelt worden“, begründet Zeppelin-Pilot Fritz Günther die anfänglichen Zweifel.

Stefan Ager (links) fotografiert sich und Andreas Gumpenberger beim Ausstieg aus dem Zeppelin.
Stefan Ager (links) fotografiert sich und Andreas Gumpenberger beim Ausstieg aus dem Zeppelin. | Bild: Stefan Ager

Zeppelin auf rund 2300 Metern Höhe

Seit mehr als 20 Jahren fliegt Günther Zeppeline – und hat also viel Erfahrung. „Jeder noch so kleine Fehler in so einer Höhe kann große Auswirkungen haben“, weiß Günther. Für das Projekt sei man mit dem Luftschiff ein Höhenmaximum eingegangen. Der Zeppelin steht rund 2300 Meter über dem Meeresspiegel, als die Sportler ihre Abseil-Aktion beginnen. Im Alltag bewegt sich das Luftschiff auf etwa 900 Meter Höhe.

Ager ist froh über den gelungen Abstieg aus dem Zeppelin.
Ager ist froh über den gelungen Abstieg aus dem Zeppelin. | Bild: Mirja Geh

Vorab Testflug mit zwei Zeppelin-Piloten

Der 53-jährige Pilot gibt zu, dass der Flug auch für ihn eine Herausforderung gewesen ist: "Lufttemperatur, Luftdruck und Windverhältnisse sind in einer solchen Höhe ganz anders. Darauf musste ich natürlich schon achten." Damit die Aktion ohne Probleme ablaufen konnte, gab es im vergangenen Herbst einen "Scoutingflug", um die Anforderungen in der Realität zu testen. "Bei diesem Testflug waren zwei Piloten an Bord und es gab andere Voraussetzungen. Zum Beispiel lag auf den Bergen kein Schnee", erzählt Fritz Günther. Deswegen sei er bis zum Tag des Vorhabens sehr gespannt auf den Flug gewesen. Nur etwa alle zwei bis drei Jahre kommt der Pilot in Genuss eines solchen Erlebnisses. "Es war für mich etwas sehr Besonderes. Das macht man nicht alle Tage."

Nach dem Abseilen geht es mit den Skiern den Berg hinunter. Fabian Lentsch und Andreas Gumpenberger (von links) genießen erst einmal die Aussicht.
Nach dem Abseilen geht es mit den Skiern den Berg hinunter. Fabian Lentsch und Andreas Gumpenberger (von links) genießen erst einmal die Aussicht. | Bild: Mirja Geh

Adrenalinkick für die Extremsportler

„Am Tag unseres Abseilens herrschte bestes Wetter“, blickt Ager zurück. Zu dritt starteten sie ihre Fahrt mit dem Luftschiff am Hangar in Friedrichshafen. Fabian Lentsch, ebenfalls Extremsportler, begleitete Stefan Ager und Andreas Gumpenberger. Rund 60 Meter über den Berggipfeln, hielt der Zeppelin an. Die Sportler machten sich bereit zum Abstieg. „Als ich unter dem Zeppelin hing und nach oben blickte, hatte ich das Gefühl, mich von einer Wolke abzuseilen“, beschreibt Ager sein Gefühl während der Aktion. Für ihn war der Moment deswegen perfekt, weil zwei seiner Freunde dabei waren.

Ausstieg aus Zeppelin muss schnell gehen

Extremsportler Gumpenberger hält an dem Moment fest, als sich die Luke des Luftschiffes öffnete und die Seile ausgeworfen wurden. „Es war dann wirklich sehr spannend“, gibt Gumpenberger zu. „Unter uns waren nur Schnee und Felsabbrüche. Alles musste sehr schnell gehen, weil der Zeppelin nur kurze Zeit stillhalten konnte.“

Nach dem gelungenen Abseilen aus dem Luftschiff gibt es für die drei Sportler keine Zweifel: Auf jeden Fall würden sie dieses Erlebnis noch einmal wiederholen. "Jederzeit, das war wirklich etwas ganz Besonderes", meint Stefan Ager.