"Am Hofgut Rengoldshausen Richtung Nussdorf bitte lächeln. Es gilt 50 km/h." Wenn auf dem Handy-Display diese Nachricht aufblinkt, wissen die anderen 255 Nutzer der WhatsApp-Gruppe "Blitzer ohne Kommentare", dass da eine Radarfalle aufgebaut ist. Laut Protokoll gibt es kaum einen Tag, an dem keine Meldung abgesetzt wird. Radarfallen in der Owinger- oder Franziskanerstraße in Überlingen, in der Eugenstraße in Friedrichshafen, beim Edeka in Salem oder in Weildorf am Ortseingang Beuren: Viele Standorte tauchen häufiger auf. Aber auch Stau- oder Unfallmeldungen finden sich zwischen den Kurznachrichten, die in dieser Gruppe ganz bewusst nur das Nötigste mitteilen.

Seit April teilen sich die 256 Gruppenmitglieder – mehr geht in einer WhatsApp-Gruppe nicht – die entdeckten Blitzer-Standorte vorwiegend im Bodenseekreis mit. "Nahezu täglich gibt es Meldungen von Leuten hier aus der Region", sagt ein Teilnehmer. Der Kreis der Nutznießer dürfte um ein Vielfaches größer sein, weil jeder seine eigenen Kontakte bei Bedarf nachinformiert.

Ein prominentes Mitglied ist in der "Blitzer"-Gruppe dabei, und er steht auch dazu: Klaus Hoher, Landtagsabgeordneter der FDP aus Salem. "Ich bin aufgrund meines Mandats sehr viel unterwegs. Da ist es mir schon passiert, dass ich in eine Radarfalle gefahren bin. Das ist natürlich ärgerlich", bekennt der Politiker, für den die Mitgliedschaft in solch einer WhatsApp-Gruppe kein Problem darstellt, weil es ja nicht illegal ist. Zwar hält er Geschwindigkeitskontrollen für eine "geeignete Maßnahme, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen", ganz besonders vor Schulen oder Kindergärten.

Doch grundsätzlich sollte seiner Meinung nach darüber nachgedacht werden, die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu vereinheitlichen. „Im Bodenseekreis innerorts Tempo 30 aufzuheben ist der richtige Ansatz. Der häufige Wechsel von Tempo 30 auf Tempo 50 bremst den Verkehrsfluss", meint Hoher. Oftmals wisse man als Autofahrer dann nicht mehr, wie schnell man eigentlich fahren dürfe, zumal die zulässige Geschwindigkeit zwischen Tag und Nacht mancherorts auch noch unterschiedlich ist. "Eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h in den Ortschaften im Bodenseekreis wäre ein guter Kompromiss“, meint Hoher, der im Juli eine entsprechende Petition an den Landtag unterstützt hat, die von knapp 9000 Bürgern unterschrieben wurde und fordert, Tempo 30 innerhalb von Ortschaften im Bodenseekreis aufzuheben.

Aber auch auf Facebook gibt es Gruppen, deren Nutzer sich gegenseitig über die neuesten Radarfallen informieren, "Blitzer.Bodenseekreis" zum Beispiel. Hier sind knapp 9500 Nutzer angemeldet. Manche Standortmeldung ist sogar mit einem Beweisfoto garniert.

Doch wie ist die rechtliche Situation? Darf man aktiv vor Radarfallen warnen? Grundsätzlich kann sich jeder vor Fahrtantritt über Geschwindigkeitskontrollen auf seinem Weg informieren, sagt der Automobilclub von Deutschland (AvD). Wie das ein Verkehrsteilnehmer tut, steht ihm völlig frei. Während der Fahrt allerdings ist das verboten. Das heißt, wer ein Handy – auch zur Nutzung einer App – in die Hand nimmt, während der Motor läuft, handelt gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO).

Zumal Paragraf 23 dem Lenker eines Kraftfahrzeugs ohnehin untersagt, ein technisches Gerät mitzuführen, das Verkehrsüberwachungen anzeigen oder stören soll. Wer dagegen verstößt, bekommt in Flensburg einen Punkt und muss 75 Euro Strafe zahlen. Und während fest eingebaute Navigationsgeräte Blitzer auch während der Fahrt melden dürfen, sind extra Radarscanner am Auto verboten.

Strafen

Wer innerorts bis zu zehn km/h zu schnell fährt, zahlt 15 Euro Strafe, außerorts zehn. Eine Geschwindigkeitsübertretung von 21 bis 25 km/h kostet in Ortschaften 80 Euro, außerorts 70 Euro und je ein Punkt in Flensburg. Wer über 70 km/h zu schnell ist, zahlt 680 bzw. 600 Euro Strafe, bekommt zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot.