Markdorf – Das heiße Wetter war wie gemacht für die 20 Teilnehmer der Aktion "Der SÜDKURIER öffnet Türen". "101 haben angerufen, ein Rekord", verkündete der Markdorfer Redaktionsleiter Helmar Grupp. Doch wer sich für die Zeit der Besichtigung der Eismanufaktur Gentile Abkühlung erhofft hatte, wurde etwas enttäuscht: Nur ein kühler Luftzug aus den Vorratsräumen, in denen frische Zutaten für 80 Sorten Eis lagern, erfrischte kurzfristig. Im Produktionsraum mit den auf Hochtouren laufenden Eismaschinen, Pasteurisierern und Schockfrostern war es warm. Aber der Anblick von cremig gerührtem Eis, das dekorativ in die Schale gespritzt wurde, ließ Erquickendes zum Schluss der Führung ahnen.

Mitarbeiter Cleber Cittadin lässt Sahne in de Eismaschine fließen.
Mitarbeiter Cleber Cittadin lässt Sahne in de Eismaschine fließen. | Bild: Christiane Keutner

Zuvor hatte Claus Vechet, Chef der Gentile Vertriebs GmbH, das Unternehmen vorgestellt: Es existiert seit 19 Jahren und hat sich im März 2018 vergrößert. In den ehemaligen Speditionsräumen gegenüber sind Kühlzellen untergebracht. "Unser Ziel in den nächsten drei bis fünf Jahren ist ein Neubau an einem anderen Standort, um alles unter einem Dach zu haben." Zudem soll noch mehr Hotellerie und Gastronomie beliefert werden, auch, damit die Mitarbeiter ganzjährig beschäftigt werden können.

Richtiges Verhältnis von Frucht, Säure und Süße

Vor der Führung mussten sich die Besucher Kopfhauben überstülpen, um den Hygiene-Anforderungen zu genügen. Christian Scaletta, Geschäftsführer der Vertriebsgesellschaft, erzählte Interessantes über die Produktion, ließ an einem Rest Mango-Pürree schnuppern und verriet, wie ein hochwertiges Eis gelingt: Man nimmt gute Zutaten – das ist relativ einfach. Dann balanciert man das richtige Verhältnis von Frucht, Säure und Süße aus – das ist zuweilen schwierig. Denn die frischen Zutaten fallen unterschiedlich aus: Mal schmecken die Himbeeren besonders süß, mal hat der Kakao andere "Bestandteile".

Christian Scaletta, hier mit schockgefrosteten Erdbeeren, erklärte die Herstellung von Eis.
Christian Scaletta, hier mit schockgefrosteten Erdbeeren, erklärte die Herstellung von Eis. | Bild: Christiane Keutner

Das grobe Grundrezept lautet bei Gentile: 30 bis 35 Prozent Frucht, 30 Prozent Zucker, wovon ein Teil aus Glukose, Dextrose, Fruktose oder Saccharose besteht. Die Zucker-Arten bewirken entweder ein langsames Einfrieren oder ein zügigeres. Weitere Ingredienzien sind frische Milch und frische Sahne und etwas Wasser. Ein kleiner Anteil natürlicher Bindemittel rundet das Ganze ab, durch einen Luftaufschlag von 30 Prozent wird das Eis cremiger. "Die Industrie arbeitet mit bis zu 100 Prozent", sagt Vechet, "aber aus unserem Eis bekommt der Kunde bei einem Fünf-Liter-Gebinde zehn Kugeln mehr heraus."

Pro Woche werden 10 000 Liter Milch verarbeitet

Zahlen erstaunen: Pro Woche werden 10 000 Liter Milch verarbeitet, 9000 Liter Eis hergestellt, darunter 1000 Liter Vanille. 400 Kilo Erdbeeren kommen schockgefroren und werden kurz vor ihrer Verabeitung aufgetaut. 8000 Euro zahlt Gentile monatlich an den Stromversorger. Ein Kilo Vanilleschoten kostet 600 Euro, ein Kilo Pistazien 70 Euro und 100 Gramm benötigt man für einen Liter Nusseis. "Das erklärt, warum gewisse Sorten teurer sind", sagt Christian Scaletta. Schokolade und Zitrone sind die schwierigsten Sorten in der Herstellung: Zitrone, weil sie sehr sauer ist, zu viel Wasseranteil und zu wenige Fasern hat. Schokolade wegen der unterschiedlichen Kakaoanteile.

"Ich bin zum ersten Mal bei einer solchen Besichtigung und finde es toll, Betriebe kennenzulernen, weil man sonst keine Gelegenheit dazu hat", sagte Leserin Brigitte Eisenberg aus Immenstaad.
"Ich bin zum ersten Mal bei einer solchen Besichtigung und finde es toll, Betriebe kennenzulernen, weil man sonst keine Gelegenheit dazu hat", sagte Leserin Brigitte Eisenberg aus Immenstaad. | Bild: Christiane Keutner

Gentile ist überwiegend regional aufgestellt. In einem Umkreis von 200 Kilometern werden rund 100 inhabergeführte Supermärkte sowie Regie-Betriebe der Handelsketten Edeka und Rewe mit Eis beliefert. Deutschlandweit wird das kühle Dessert via Spedition verschickt. Abnehmer sind auch Hotels und Gaststätten, hier in der Region beispielsweise die "Krone" in Schnetzenhausen, das Hotel "Bora" in Radolfzell, Schloss Montfort und der "Sonnenhof" in Kressbronn. Privat kann sich jeder einen typischen Eiswagen für Geburtstag oder andere Partys mieten.

Zum guten Schluss gab es doch noch eine Abkühlung: Die Gäste durften sich ein Eis aus sieben Sorten zusammenstellen. Vielen schmeckte es so sehr, dass sie mehrfach Nachschlag erbaten. Geschmack war auch in anderer Form gefragt: Die Teilnehmer sollten ankreuzen, welcher der vier von einer italienischen Grafikerin designten Entwürfe für einen 500-Milliliter-Becher ihnen am besten gefiel.

Der Genuss kann noch fortgesetzt werden: Gentile, was man unter anderem mit "nett, freundlich, liebenswürdig" übersetzen kann, machte seinem Namen weiter alle Ehre und verschenkte an jeden einen Eisgutschein fürs neu eröffnete Eiscafé an der Hauptstraße. Ein Trostpflaster für alle, die bei der Besichtigung nicht dabei sein konnten: Im nächsten Jahr will die Eismanufaktur ihr 20-jähriges Bestehen vermutlich mit einem Tag der offenen Tür feiern.