Das Schwurgericht des Landgerichts Konstanz hat die 84-jährige Edith S. wegen Mordes in Tateinheit mit einer Brandstiftung mit Todesfolge zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Kammer blieb damit ein Jahr unter der von Oberstaatsanwalt Ulrich Gerhard geforderten Strafe.

Die Verteidigerin Kristina Müller hatte für ihre Mandantin eine deutlich geringere Haftstrafe gefordert. Edith S. hatte in ihrem Schlusswort gesagt, dass sie den Tod ihres Ex-Mannes bedauere. Das habe sie nicht gewollt. Die Verteidigerin legte gegen das Urteil noch am Verhandlungstag Revision ein.

Äußerst ungewöhnlicher Fall für Gericht

In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende Richter Arno Hornstein, dass die Kammer es mit einem auch für sie äußerst ungewöhnlichen Fall zu tun gehabt hätte. Er bezog dies nicht nur auf die objektive Grausamkeit der Tat, den qualvollen Feuertod des Opfers, sondern auch auf das Alter der Angeklagten. Das Gericht habe sich an Fakten zu halten und alle Vermutungen und Spekulationen außen vor zu lassen. Im Zweifel für die Angeklagte. Deshalb sei „manches zugunsten der Angeklagten zu werten gewesen, wissend, dass es eventuell nicht so war“.

„Manches zugunsten der Angeklagten zu werten gewesen, wissend, dass es eventuell nicht so war.“
Arno Hornstein, Vorsitzender Richter

„Menschliche Tragödie zwischen Täter und Opfer“

Mehr als juristisch sei es auch „eine menschliche Tragödie zwischen Täter und Opfer aber auch im Verhältnis der Angeklagten zu ihren Kindern gewesen“, sagte Hornstein eingangs der Urteilsbegründung. Das Gericht bewertete die Lebenssituation von Täterin und Opfer als schwer belastet. Es bescheinigte dem späteren Opfer eine hohe soziale Kompetenz auch den Kindern der Angeklagten gegenüber, Edith S. selbst sei dagegen wohl eher gefühlsarm gewesen und habe sich aushalten lassen.

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In den zurückliegenden Jahren, als Johannes S. seine ehemalige Frau aus dem Haus haben wollte, habe sich die Situation dann zugespitzt. Der Richter behandelte ausführlich die von Demütigungen und Gewalt geprägten frühen familiären Verhältnisse im Verhältnis der Angeklagten zu ihren Kindern. Er berücksichtigte aber auch die subjektiv von Edith S. wohl empfundene Bedrohungslage für ihren Lebensabend, wenn sie hätte das Haus verlassen müssen. Beide, Edith S. und Johannes S., seien vermutlich sehr verletzend miteinander umgegangen.

Noch kein Tötungsvorsatz bei Hammerschlag

Der Hammerschlag auf den Kopf des Opfers am 17. Januar, dem Tag des Geschehens, führte Edith S. nach Auffassung des Gerichtes allerdings dann noch nicht mit einem Tötungsvorsatz aus. Als Johannes S. aber danach mit dem Notruf telefonierte, habe ihn die Angeklagte mit Benzin überschüttet und angezündet mit dem Ziel, ihn zu töten.

Das Gericht erkannte trotz des Tatbestandes des Mordes und der Brandstiftung mit Todesfolge nicht auf ein eigentlich zu erwartendes Urteil von lebenslänglich. „Die Steuerungsfähigkeit der Angeklagten war zur Tatzeit erheblich eingeschränkt, allerdings bei voller Einsichtsfähigkeit in ihr Handeln. Das schließt die Schuld nicht aus, sondern mindert sie“, sagte Hornstein.

Oberstaatsanwalt forderte zwölf Jahre

Oberstaatsanwalt Ulrich Gerhard hatte in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von zwölf Jahren für die Angeklagte gefordert. Für ihn bestand kein Zweifel daran, dass Edith S. in vollem Bewusstsein ihres Handelns den Tod ihres Ex-Mannes gewollt habe. Schon der Angriff mit dem Hammer sei nicht spontan, sondern überlegt erfolgt. „Für mich besteht kein Zweifel daran, dass die Angeklagte zweimal zuschlug“, sagte er in seinem Plädoyer.

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Als Johannes S. ihr den Hammer abgenommen und den Notruf angerufen hätte, habe Edith S. ihn gezielt mit Benzin überschüttet und angezündet. Dies erfülle die Mordmerkmale von gefühlloser Gesinnung und Grausamkeit. Gerlach wies vor allem auf das Notrufprotokoll hin: „Ich werde diesen Mitschnitt des Notrufes nie vergessen, so etwas habe ich in meiner Berufslaufbahn noch nicht vernommen“, so Gerlach. Strafmildernd sei der Verlust an Steuerungsfähigkeit zu werten.

„Ich werde diesen Mitschnitt des Notrufes nie vergessen, so etwas habe ich in meiner Berufslaufbahn noch nicht vernommen.“
Ulrich Gerlach, Oberstaatsanwalt

Die Verteidigerin von Edith S. hob in ihrem Plädoyer die schwere psychische Belastung ihrer Mandantin hervor, die vor allem in den Monaten vor der Tat durch mehrere Krankenhausaufenthalte deutlich geworden sei. Kristina Müller betonte, ihre Mandantin habe keine Lebensperspektive mehr gehabt. Der Beschluss Feuer zu legen, sei spontan entstanden, als Johannes S. den Notruf angerufen und ihr angedroht habe, sie nun „in die Klapse“ einliefern zulassen. Müller zur Situation von Edith S.: „Auf der Fahrt von der JVA hat sie erklärt: Dort werde ich gemocht und akzeptiert.“