Der Kampf für Bildungsgerechtigkeit, gegen Rassismus, Armut und Fluchtursachen: Das sind die wichtigsten Ziele der Politik der „Linken“. Roberto Salerno, der Landtagskandidat des Bodenseekreises für „Die Linke“, bekam im Darlegen dieser Ziele Unterstützung von Gökay Akbulut. Sie vertritt ihre Partei im Mannheimer Stadtrat. 33 Jahre ist die Sozialwissenschaftlerin alt, wurde in der Türkei geboren, hat kurdisch-alevitische Wurzeln und ist beruflich im Bildungsbereich tätig.

Um ihre politischen Ziele umzusetzen, muss die Partei zunächst die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Da ist Gökay Akbulut optimistischer als ihr Parteikollege Salerno, der die momentanen Umfrageergebnisse mit zwei bis vier Prozent angibt. Beide beklagen eine Ausgrenzung durch die öffentlich-rechtlichen Medien. „Die Linke“ als drittgrößte Partei im Bundestag und größte Oppositionspartei werde diskriminiert. „Kritiker kommen medial nicht zur Sprache“, sagt Akbulut, seit November habe es in politischen Talkrunden der ARD keine Vertreter der Linken gegeben. Eine Podiumsdiskussion der Häfler Gymnasien habe dagegen ein fiktives Wahlergebnis von 33 Prozent für Salerno ergeben. Zu Unrecht sieht er seine Partei in die Schmuddelecke getrieben: „Wir hatten in Baden-Württemberg nichts mit der SED zu tun.“

Die Bekämpfung der wachsenden Armut in Deutschland, von der in Baden-Württemberg 1,6 Millionen Menschen bedroht sind, insbesondere alleinerziehende Frauen, deren Kinder und Rentnerinnen, steht oben auf der Agenda. Die Erhöhung der Bildungschancen von Kindern aus benachteiligten Schichten soll durch Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen erreicht werden. Angesichts von Wohnungsnot und 20 Prozent höheren Mietkosten in Baden-Württemberg (30 Prozent im Bodenseekreis) im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fordern die Linken massive Investitionen in den sozialen Wohnungsbau sowie kostenlose Sozialtickets und den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Auch angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen dienten diese Maßnahmen dem sozialen Frieden. Akbulut und Salerno betonten beide die Bekämpfung der Fluchtursachen als unerlässlich. Die Unterstützung der türkischen Regierung mit 3 Milliarden Euro jedoch diene nur der Kriegstreiberei Erdogans gegen die Kurden und werde die Bedürftigen nicht erreichen.

Die Integration der Flüchtlinge erfordere großes Engagement und sei zu schaffen. Die etwa 40 Zuhörer, der Großteil Parteifreunde und Mitglieder der Alevitischen Gemeinde Friedrichshafen, zollten den beiden Referenten zustimmenden Applaus, wenn auch bemerkt wurde, dass Gökay Akbulut sich gerne mehr Zeit für ihre Ausführungen hätte lassen können. Sie musste ihren Zug zurück nach Mannheim erreichen und so stellte sich Salerno den Fragen der pontenziellen Wähler.