Nach rund eineinhalb Jahren Planungszeit werden jetzt die Aufträge für die Neubauten in der Glärnischstraße an zwei Architektenbüros aus Stuttgart vergeben. Das hat der Kreistag bei einer Sitzung am Donnerstag in Ettenkirch beschlossen – und damit einen weiteren Meilenstein für das rund 60 Millionen Euro teure Großprojekt des Landkreises gesetzt.

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Im Vorfeld hatte die Juryentscheidung beim städtebaulichen Wettbewerb allerdings noch für Unmut gesorgt. „Wir haben uns entschieden, die Bauabschnitte getrennt zu vergeben“, erklärt Landrat Lothar Wölfle im Pressegespräch. Das gefiel dem ersten Preisträger, dem Architekturbüro Wulf aus Stuttgart, das gerne allein die gesamte Fläche überplanen wollte, gar nicht und er leitete ein Nachprüfungsverfahren bei der Vergabekammer in Karlsruhe ein. Nun hat das Architekturbüro den Antrag zurückgenommen – und die Entscheidung der Jury akzeptiert. Die sieht mehrere Bauabschnitte vor.

Der Altbau des Landratsamts in der Glärnischstraße stammt aus den 1970er-Jahren. Eine Generalsanierung sei weder sinnvoll noch machbar, sagt die Verwaltungsspitze. Daher soll das Gebäude bald abgerissen werden.
Der Altbau des Landratsamts in der Glärnischstraße stammt aus den 1970er-Jahren. Eine Generalsanierung sei weder sinnvoll noch machbar, sagt die Verwaltungsspitze. Daher soll das Gebäude bald abgerissen werden. | Bild: Cuko, Katy

Kita, Wohnungen, Rettungsleitstelle und Tiefgarage sind geplant

Begonnen werden soll nördlich der Glärnischstraße auf einem unbebauten Grundstück, das an das Wohngebiet Oberhof grenzt und in Besitz des Landkreises ist. „Wir planen hier zwölf Wohnungen, eine Kita, die Rettungsleitstelle und eine Tiefgarage mit 250 Parkplätzen“, erklärt Harald Betting, Leiter des Bau- und Liegenschaftsamts im Bodenseekreis. Ob der Landkreis die Wohnungen, die vorrangig für Mitarbeiter vorgesehen sind, selbst vermietet, ist noch unklar. Möglich wäre auch eine Kooperation mit einem Bauträger. „Die Kita wird mindestens zweizügig“, so Wölfle, „wir wollen hier mit einem Friedrichshafener Träger zusammenarbeiten.“ Kita und Tiefgarage sollen nicht nur den rund 1300 Landratsamtsmitarbeitern zur Verfügung stehen, sondern auch den Häflern. Den ersten Bauabschnitt soll das Architekturbüro Harris und Kurle gemeinsam mit den Glück Landschaftsarchitektur als Grünplaner leiten.

Auf diesem Lageplan sieht man vorne mehrere neue Gebäude, in denen die Büros sind und nördlich der Glärnischstraße die beiden Gebäude für Kita, Wohnungen und Rettungsleitstelle.
Auf diesem Lageplan sieht man vorne mehrere neue Gebäude, in denen die Büros sind und nördlich der Glärnischstraße die beiden Gebäude für Kita, Wohnungen und Rettungsleitstelle. | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Auf dem aktuellen Parkplatz, der dann nicht mehr benötigt wird, soll dann in Bauabschnitt II ein Verwaltungsgebäude nach dem anderen gebaut werden. „Wir haben uns bewusst nicht für ein Hochhaus entschieden“, sagt Wölfle, „sondern aus verschiedenen Gründen auf mehrere, flachere Gebäude gesetzt.“ Hier spielten vor allem Klimaaspekte eine Rolle, denn das Gebiet liegt inmitten einer Luftleitbahn, die für das Stadtklima wichtig sei. Durch die campusartige Anordnung der Gebäude seien die Luftströme gewährleistet, zudem gebe es ein Grünkonzept, das bereits an die neue Grünsatzung der Stadt Friedrichshafen angepasst sei. „Wir haben in den Planungen auch bereits die neue Straßenführung der Albrechtstraße nach Umleitung der B31 berücksichtigt“, so Wölfle. Dieser Bauabschnitt wird an Wulf Architekten und Landschaftsbau Jetter vergeben.

Reichen 60 Millionen Euro für den Bau?

Insgesamt belaufen sich die ersten Kostenschätzungen (Stand Mai 2021) auf rund 60 Millionen Euro – allerdings, betont Betting, seien im Preis verschiedene Kosten noch nicht berücksichtigt. Beispielsweise müsse der Landkreis noch ein Grundstück von der Stadt Friedrichshafen abkaufen, das im östlichen Bereich des zweiten Bauabschnitts liegt. Zudem seien Abriss und Inneneinrichtung noch nicht eingerechnet. Die Bürogebäude dürften insgesamt also noch um einiges teurer werden. Betting rechnet aktuell mit rund 50 Jahren Abschreibung.

Langer Gang, rechts und links Büros: Mancher Flur im alten Landratsamt sieht heute noch so aus. „Für die neuen Gebäude planen wir kaum mehr Einzelbüros, sondern moderne, helle Büroflächen“, sagt Landrat Lothar Wölfle. Dieses Bild entstand vor der Pandemie – daher ohne Mundnasenschutz.
Langer Gang, rechts und links Büros: Mancher Flur im alten Landratsamt sieht heute noch so aus. „Für die neuen Gebäude planen wir kaum mehr Einzelbüros, sondern moderne, helle Büroflächen“, sagt Landrat Lothar Wölfle. Dieses Bild entstand vor der Pandemie – daher ohne Mundnasenschutz. | Bild: Cuko, Katy

Während der erste Bauabschnitt – also Kita und Wohnhaus – unkritisch sein dürfte, sind von den Gebäuden in der Glärnischstraße 1 bis 3 mehrere Anwohner betroffen. „Wir sind bereits im Gespräch mit den Nachbarn und wollen da einen konstruktiven offenen Austausch“, betont Wölfle. Im Hinblick darauf, für wie viel Furore der Hotelneubau am Schlossgarten sorgt, sei er allerdings froh, dass die Jury sich nicht für ein Hochhaus entschieden habe. „Wir reden immer von weniger Flächenverbrauch, aber immer, wenn das dann in Form höherer Häuser passieren soll, gehen Leute auf die Barrikaden“, sagt er. Beim Thema Fläche sieht aber auch Wölfle noch Spielraum. Geplant wurden die Gebäude mit 12.000 Quadratmeter Grundfläche nämlich ohne Rücksicht auf neue Homeoffice-Regelungen, die gerade mit dem Personalrat erarbeitet werden. „Jetzt wollen wir nur den Rahmen schaffen, wie wir den dann ausnutzen, steht auf einem anderen Blatt“, sagt Wölfle.

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Doch bevor die Bagger anrollen können, gilt es noch viele Hürden zu überwinden. Der Gemeinderat muss einen Aufstellungsbeschluss für das Bauverfahren beschließen – und schließlich das Bebauungsplanverfahren mit Anwohneranhörungen und vielem mehr bewältigt werden. „Wir hoffen, damit im Oktober in den Gemeinderat zu können“, sagt Betting. Wenn es gut laufe, habe man frühestens in einem Jahr Baurecht. Bis das grüne Gebäude dann wirklich Neubauten weicht, dürften also noch einige Jahre ins Land gehen.