Der Moment war spektakulär und sehr bewegend: Am 11. April 2018 kam der bei Wasserburg entdeckte Einbaum nach mehr als 3100 Jahren wieder an die Oberfläche des Bodensees. "Das ist ein Ausnahmefund!", betont Heiner Schwarzberg, Leiter der Abteilung Vorgeschichte der Archäologischen Staatssammlung Bayerns.

Anwohner hatte Einbaum als Kind entdeckt und suchte als Erwachsener nochmals

Ein Anwohner hatte den Einbaum schon als Kind entdeckt, ohne zu wissen, was das war. Als Erwachsener suchte er 2015 beim Schnorcheln noch einmal danach, hatte Glück und meldete den Fund.

Drei Jahre von der Meldung bis zur Bergung

Damit begann eine dreijährige Phase von Analysen und Vorbereitungen, bis das älteste Wasserfahrzeug Bayerns aus dem Bodensee geborgen werden konnte.

Am 11. April 2018 wurde ein mehr als 3000 Jahre alter Einbaum vor Wasserburg aus dem Bodensee geholt.
Am 11. April 2018 wurde ein mehr als 3000 Jahre alter Einbaum vor Wasserburg aus dem Bodensee geholt. | Bild: Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e.V.

Fahrzeug war an der Stelle gefährdet

"Der Einbaum war an der Stelle gefährdet", begründet Heiner Schwarzberg die Bergung. Ziel der Archäologen sei es, Fundstücke zu erhalten und nur im Notfall aus dem Kontext zu reißen. Hier hätten die Strömung und die damit einhergehende Erosion das Objekt aus der Bronzezeit bedroht. Mit einer Länge von 6,87 Metern und einer Breite von gut einem Meter sowie seiner Fragilität stellte der Einbaum das Bergungsteam vor große Herausforderungen.

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Taucher vermaßen das Objekt und untersuchten die Umgebung. Im 3-D-Drucker fertigten Experten eine maßstabsgetreue Nachbildung an und bauten ein Aluminiumgerüst mit Tragegurten für die Bergung. Darin wurde der Einbaum behutsam an die Oberfläche und in den Hafen von Lindau-Zech befördert. In einer maßgeschneiderten Wanne reiste er auf einem Tieflader in eine Außenstelle der Archäologischen Staatssammlung Bayerns in der Nähe von München.

Einbaum muss permanent feucht gehalten werden

Dort und in der Wanne liegt er heute noch, denn der Einbaum muss permanent feucht gehalten werden. "Die Holzstruktur sieht zwar stabil aus, ist aber weitestgehend abgebaut", sagt Heiner Schwarzberg. "Stabilität verlieh dem Einbaum das in die Struktur eingedrungene Wasser. Wenn er trocknet, würde er zerbröseln."

Holz wird durch Kunststoff ausgehärtet

Bei dem jetzt angewendeten mehrstufigen Polyethylenglykol-Verfahren verdrängt der Alkohol (Glykol) das Wasser aus den Zellen, wo sich dann der Kunststoff absetzt. Im ausgehärteten Zustand ist das Holz konserviert und kann an der Luft aufbewahrt werden. Dieser Prozess nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch – Schwarzberg rechnet noch mit zwei bis drei Jahren.

Einbaum war ursprünglich wohl doppelt so lang

Die Experten schätzen, dass der Wasserburger Einbaum ursprünglich doppelt so lang war. Ob er durchgebrochen ist oder der Rest durch Erosion vernichtet wurde, weiß man nicht. Auch über die Menschen, die in der Bronzezeit aus einer ungefähr 200 Jahre alten Eiche den Einbau fertigten, gibt es keine Erkenntnisse.

Der über 3100 Jahre alte Einbaum wurde mit einem speziellen Aluminiumgerüst gehoben. Das ursprünglich doppelt so lange Wasserfahrzeug ist das älteste Bayerns.
Der über 3100 Jahre alte Einbaum wurde mit einem speziellen Aluminiumgerüst gehoben. Das ursprünglich doppelt so lange Wasserfahrzeug ist das älteste Bayerns. | Bild: Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e.V.

Bislang im Umkreis keine Siedlungen gefunden

Bis jetzt wurden im Umfeld keine Hinweise auf Siedlungen gefunden, aber die Entdeckung hat die Archäologen hellhörig gemacht. "Der Einbaum wurde demnach schon 50 Jahre vor den bislang bekannten frühesten urnenfelderzeitlichen Seeufersiedlungen des Bodenseegebiets genutzt", schreibt ein Team von Fachleuten in einem aktuellen Aufsatz.

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Fahrzeug vermutlich zum Transport, nicht zum Fischen

Auch über die Nutzungsart kann man zurzeit nur spekulieren. Da das große Wasserfahrzeug relativ schwer zu navigieren war, vermutet Schwarzberg, dass es zum Transport und nicht zum Fischen genutzt wurde. Noch kann er nicht sagen, wie und wo der Sensationsfund ausgestellt wird, aber es sei sicher, dass er der Öffentlichkeit präsentiert werde. Bis dahin wollen Schwarzberg und seine Kollegen über den Stand der Dinge in Vorträgen und Publikationen informieren. Denn eines ist sicher: "Dieser Fund ist etwas ganz Besonderes!"

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