2020 war für die Messe Friedrichshafen ein düsteres Jahr: Die Corona-Pandemie legte das Messegeschäft ab dem Frühjahr nahezu vollständig lahm. Während die Motorradwelt Bodensee, die My Cake sowie die Fruchtwelt und Pferd Bodensee Anfang des Jahres noch stattfanden, wurden im März die anstehende Aqua Fisch und die IBO wegen der Ausbreitung der Pandemie zunächst verschoben – und dann komplett abgesagt.

Innerhalb von sechs Monaten mussten insgesamt 26 Veranstaltungen gestrichen werden. Ein kurzer Lichtblick dann im Herbst: Als eine von wenigen Messen in Deutschland konnte die Interboot unter strengen Hygienebedingungen starten. Über das gesamte Jahr zählte die Messe insgesamt 157 230 Gäste und 1489 ausstellende Unternehmen. Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr 2019 hatten allein mit der Eurobike (61 000) und der Interboot (83 300) schon fast 145 000 Gäste das Häfler Messegelände besucht.

„Corona hat dem vergangenen Geschäftsjahr seinen schwerwiegenden Stempel aufgedrückt.“
Klaus Wellman, Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen

„Corona hat dem vergangenen Geschäftsjahr seinen schwerwiegenden Stempel aufgedrückt“, sagt Klaus Wellman, Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen, über das Jahresergebnis 2020. Da im zurückliegenden Geschäftsjahr nur geringe Erlöse generiert werden konnten, sei der Umsatz auf 6,2 Millionen Euro eingebrochen. 2019 lag dieser noch bei 26,6 Millionen, im Jahr zuvor bei rund 35 Millionen Euro.

Messe-Geschäftsführer Klaus Wellmann (rechts) und Prokurist Stefan Mittag.
Messe-Geschäftsführer Klaus Wellmann (rechts) und Prokurist Stefan Mittag. | Bild: Kerstin Mommsen

Der Corona-Schaden der Messe lag 2020 für die Betriebs- und Besitzgesellschaft bei 10,1 Millionen Euro. Ende November 2020 war Finanzchef Stefan Mittag im Vergleich zum ursprünglichen Wirtschaftsplan noch von 13,8 Millionen Euro ausgegangen. Im operativen Geschäft verzeichnete die Messe dabei ein Minus von 5,6 Millionen Euro. Die Stadt Friedrichshafen musste der Messe finanziell unter die Arme greifen, der Gemeinderat bewilligt im November 2020 sieben Millionen Euro an Finanzhilfen.

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Fünf Millionen Euro wurden nach Messeauskunft der Betriebsgesellschaft in Form einer Kapitalrücklage gewährt – hiervon zwei Millionen Euro bereits Ende vergangenen Jahres. Weitere zwei Millionen Euro hat die Besitzgesellschaft erhalten. Die Finanzhilfen sicherten die Liquidität und einen großen Teil des Eigenkapitals und wurden für die teilweise Deckung des Corona-Schadens benötigt. Finanzchef Stefan Mittag erklärt: „Corona hat auch uns unverschuldet hart getroffen. Die Stadt Friedrichshafen stand uns in dieser Situation zur Seite und war ein starker Rückhalt.“

Zusätzlich sei durch eine Vielzahl von Maßnahmen die Minimierung negativer Effekte erreicht worden. Genannt werden von der Messe hierbei die intensive Nutzung der Kurzarbeit, keine Stellennachbesetzungen trotz Vakanzen, das Überprüfen aller Einsparmöglichkeiten sowie die Nutzung der Corona-Hilfsprogramme des Bundes. „Wir haben die Hilfsprogramme des Bundes geprüft und wo passend Hilfsgelder beantragt und teilweise bereits erhalten“, erklärt die Messe auf Nachfrage.

In der Corona-Zwangspause wurden Hallen vermietet

Über vier Wochen hinweg fand 2020 auf dem Messegelände das Autokino mit 14 000 Filmfans und 82 Vorstellungen statt. In einer Messehalle wurde die Fieberambulanz eingerichtet, der Gemeinderat tagte vorübergehend bei der Messe und die VfB-Volleyballer fand im vergangenen Jahr eine neue Übergangsheimat in der Halle A1. Im Januar wurde außerdem das Kreisimpfzentrum des Bodenseekreises in Messehalle A2 in Betrieb genommen, das noch bis Ende September in Betrieb bleiben soll. Die Frage, welche Einnahmen damit jeweils verzeichnet werden konnten, lässt die Messe unbeantwortet: Zu den Umsätzen der einzelnen Veranstaltungen mache man keine Angaben.

Werden weitere Finanzhilfen nötig sein?

„Ergebnisprognosen sind derzeit schwierig, dementsprechend auch Prognosen zu eventuell benötigten Finanzhilfen“, erklärt Pressesprecher Frank Gauß. Trotz pandemiebedingt weiterhin angespannter Geschäftslage sind die Messeverantwortlichen allerdings „derzeit zuversichtlich, aufgrund der geplanten Partnerschaft in der Fairnamic [Anm. d. Redaktion: ein Joint-Venture mit der Messe Frankfurt] vorerst keine weitere Finanzunterstützung der Stadt zu benötigen“.

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