Insgesamt 127 neue Lehrer haben am Freitag in der Markdorfer Stadthalle ihren Amtseid geleistet. Außerdem konnte Klaus Moosmann, Leiter des Staatlichen Schulamts Markdorf und damit verantwortlich für die Belange der Grund-, Haupt- Werkreal-, Real- und Sonderschulen im Bodenseekreis wie auch im Landkreis Ravensburg, weitere 58 Lehrkräfte begrüßen, die aus anderen Regionen "hinzuversetzt" worden sind. Im Vorjahr hat Amtsleiter Moosmann noch 181 Neulehrer und 57 Hinzuversetzte über die Gegebenheiten im Schulamtsbezirk Markdorf informiert.

Sie alle treten am Montag ihren Dienst im Schulamtsbezirk Markdorf an.
Sie alle treten am Montag ihren Dienst im Schulamtsbezirk Markdorf an. | Bild: Jörg Büsche

"Wir dürfen zufrieden sein", erklärte Moosmann beim Pressetermin nach der Vereidigung in der Stadthalle. An den 156 öffentlichen Schulen in seinem Bezirk mit ihren bislang rund 4000 Lehrern und etwa 33 000 Schülern herrsche kein Mangel an ausgebildetem Lehrpersonal.

Auch keine Lücken im Grundschulbereich

Weder gebe es Lücken im Grundschulbereich noch sei Unterrichtsausfall in größerem Umfange zu verzeichnen. Im Gegenteil: "Wir nehmen landesweit eine Spitzenposition ein", so Amtsleiter Moosmann mit Blick auf das vergangene Schuljahr, "wenn es heißt, Unterrichtsausfall zu vermeiden". Mit lediglich 1,4 Prozent haben die Schulen im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg den besten Wert in Baden-Württemberg.

Vorzüge der Region geschildert

Den Hinzuversetzten und den neuen Lehrern pflegt Moosmann bei seiner alljährlichen Begrüßung am Freitag vor Schuljahresbeginn stets die Vorzüge der Region zu schildern. "Sie dürfen arbeiten, wo andere Urlaub machen." Und Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann, Hausherr der Stadthalle, beleuchtet regelmäßig die positiven Entwicklungen der in städtischer Trägerschaft beziehungsweise Mit-Trägerschaft stehenden Schulen im Hinblick auf Gebäude und Ausstattung.

Gute Chancen für Lehrer

Eben die sich dadurch andeutende Prosperität in der Region nannte Schulamtsleiter Moosmann als einen der Gründe, weshalb er nicht über einen Mangel an Bewerbern klagen muss. Insbesondere unter den hinzuversetzten Lehrerinnen seien einige, deren Männer in den Unternehmen zwischen Friedrichshafen und Weingarten beschäftigt sind. Selbst viele Lehrer, die vor einigen Jahren noch Stellen in der Schweiz angenommen haben, kehren inzwischen wieder zurück, weil sie sich hier bessere Karriere-Chancen ausrechnen. "Alle, die sich bewerben, bekommen auch eine Stelle." Die zweite positive Nachricht: Im Schulamtsbezirk Markdorf gibt es nach Angaben von Klaus Moosmann derzeit keine unbesetzten Stellen mehr. Obwohl landesweit 700 Grundschullehrerstellen offen seien.

Engpässe in abgelegenen Schulen

Gewisse Engpässe gebe es trotzdem auch in Schulamtsbezirk Markdorf. Denn für kleine, abgelegene Grundschulen auf dem Land finde sich bisweilen nur mühsam das nötige Personal. Auch das Regierungspräsidium hatte in einem Pressetext mitgeteilt, der Bodenseekreis und der Landkreise Ravensburg seien neben Reutlingen und Tübingen bei den jungen Lehrkräften als Standort beliebt. Schwieriger gestalte sich die Versorgung der Schulen im Alb-Donau-Kreis, in den Landkreisen Biberach und Sigmaringen sowie im Zollernalbkreis.

127 Junglehrer bei ihrer Vereidigung in der Stadthalle von Markdorf.
127 Junglehrer bei ihrer Vereidigung in der Stadthalle von Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

"Mir fällt auf, dass manche Junglehrer recht wenig flexibel sind", sagte Moosmann. Wirklich schwierig sei es auch, freie Schulleiterstellen neu zu besetzen. "Wir haben eine Stelle, die ist jetzt seit drei Jahren unbesetzt", berichtete Moosmann. Etliche Schulen seien kommissarisch geführt. Teils liege das daran, dass im Grundschulbereich überwiegend Lehrerinnen unterrichten. Ihnen passe eine Lenkungsfunktion oftmals nicht ins Lebenskonzept. Hinzu komme die geringe Bezahlung für die zusätzlichen Leitungsfunktion. Moosmann hofft indes, dass das auf den Weg gebrachte Maßnahmenpaket weiterhin Früchte trägt. Gleichfalls hofft er auf eine "angemessene Bezahlung für Grundschul-Rektoren".

Von Werkreal- zur Gemeinschaftsschule

Jasmin Mazat (24) wohnt in Markdorf. Sie freut sich, dass sie eine Stelle in der Region gefunden hat. „Ich fühle mich sehr erfüllt von diesem Beruf“, erklärt sie. Während ihrer Ausbildung hat sie an der Grundschule im Deggenhausertal unterrichtet. „Da waren ganz tolle Kinder und ein prima Kollegium.“ Sehr froh sei sie dort auch über das gute Verhältnis zu den Eltern gewesen. Ihren zukünftigen Arbeitsplatz, die Don-Bosco-Grundschule in Ettenkirch hat sie sich schon angeschaut. Sie wird dort ab nächster Woche Erst- und Zweitklässler in einer jahrgangsgemischten Stufe unterrichten. „Das ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance“, sagt sie.

Herausforderung und Chance

Johannes Jerg (39) hat sein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Weingarten absolviert. Da er mit seiner Fächerkombination – Deutsch und Sport – zunächst keine Anstellung finden konnte, hat er sich in Frankfurt am Main beworben, dort an einer Realschule unterrichtet und geheiratet. Nach sieben Jahren ist er nun in die Region zurückgekommen. Seine Befürchtungen hinsichtlich der Großstadt-Schüler in Frankfurt haben sich nicht erfüllt. Die einzige Schwierigkeit war, sich auf das anders gestaltete hessische Schulsystem einzustellen, was aber gut gelungen ist. Jerg freut sich nun auf seine Schüler in Weingarten.

Nach sieben Jahren zurück in der Region

Faruk Anar (32) kommt aus Friedrichhafen und fühlt sich stark in der Region verwurzelt. Er hat in Weingarten studiert – Mathematik, Politik und Wirtschaft – und an der Friedrichshafener Pestalozzi-Grund-und-Werkrealschule sein Referendariat gemacht. Unterrichten wird er ab Montag in der Gemeinschaftsschule Salem. "Das wird schon eine gewisse Umstellung sein von der Werkrealschule zur Gemeinschaftsschule", glaubt er. Er habe gerne an der Werkrealschule unterrichtet, blickt er zurück. Insbesondere in der Differenzierung des Unterrichtsniveaus sieht er eine Herausforderung. Aber auch das wurde ihm in der Ausbildung vermittelt.

Finanzielle Anreize für Schulleiter

Felix Buttgereit (30) kommt aus Radolfzell. Auch er hat an der PH Weingarten studiert. Den schulpraktischen Teil seiner Ausbildung machte er in Berg bei Ravensburg und kommt nun an eine recht kleine Grundschule bei Bad Wurzach. Unterrichten wird er dort in einer zweiten Klasse mit 14 Schülern – dies vor allem in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachkundeunterricht. Er fühlt sich gut vorbereitet auf diese Arbeit. In seine Zukunft blickt er voller Freude, wie er erklärt. Irgendwann eine Stelle als Schulleiter anzunehmen, das könne er sich nicht vorstellen. "Gäbe es die nötigen finanziellen Anreize" ließe sich der Schulleitermangel ausräumen.